Vietnam Deutscher überlebte schweres Bootsunglück in Halong-Bucht

Bei einem schweren Unglück in der Halong-Bucht sind elf Touristen ums Leben gekommen. Auch ein Deutscher befand sich an Bord des Schiffes - er überlebte den Untergang. Die Behörden verboten nun vorübergehend Bootsfahrten mit Übernachtung.

AP

Hanoi - Beim Untergang eines Ausflugbootes mit Touristen sind am Donnerstag im Norden Vietnams zwölf Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern des Schiffsunglücks in der bei Touristen beliebten Bucht von Halong waren nach Behördenangaben zehn ausländische Touristen, ein Übersetzer sowie ein vietnamesischer Urlauber. Die Ursache für das Unglück war zunächst unklar: Ersten Berichten zufolge war der Schiffsrumpf plötzlich geborsten. Unter den 15 Überlebenden war ein Deutscher. Er meldete sich bei der deutschen Botschaft in Hanoi. Nach seinen Angaben war sonst kein Deutscher an Bord, sagte ein Mitarbeiter der Botschaft.

Nach Angaben des vietnamesischen Außenministeriums und örtlicher Behördenvertreter kenterte das Boot kurz vor Sonnenaufgang. Die meisten der Passagiere wurden im Schlaf überrascht, nur neun Touristen und die sechs Besatzungsmitglieder überlebten. Unter den Todesopfern waren laut Außenministerium zwei US-Bürgerinnen, zwei Russinnen, zwei Schwedinnen, eine Französin sowie drei Urlauber aus der Schweiz, Japan und Großbritannien.

"Das Ganze dauerte zwischen 30 Sekunden und eine Minute", berichtete der US-Tourist George Fosmire, der ebenso wie die anderen Überlebenden von Fischern und anderen Booten geborgen werden konnte. Seine Freundin sei aus dem Bett gefallen und habe ihn noch warnen können, da sei das Wasser bereits in die Kabine eingedrungen. "Ich musste mein Gesicht gegen die Decke drücken, um noch nach Luft schnappen zu können", erzählte der sichtlich unter Schock stehende 23-Jährige, der sich schließlich aus einer Luke retten konnte, bevor er von einem anderen Boot aus dem Wasser gefischt wurde. Seine Freundin und eine weitere Amerikanerin, die mit ihnen die Kabine teilte, schafften es nicht mehr.

Sicherheitsbestimmungen werden überprüft

Warum das Ausflugsboot unterging, war zunächst unklar. Ein Behördenvertreter schloss aber schlechtes Wetter als Unglücksursache aus. Seinen Angaben zufolge herrschte am Morgen mildes Wetter. "Nach ersten Informationen ist ein Teil des Schiffes plötzlich auseinandergebrochen", sagte er. Eine Sprecherin des Außenministeriums bestätigte die Berichte. Sie sprach von einem "seltenen" und "extrem bedauerlichen Unglück". Die Behörden würden die Sicherheitsbestimmungen für Reisen in die Bucht überprüfen. Laut einem Betreiber ähnlicher Bootstouren verboten die Behörden vorerst alle weiteren nächtlichen Ausflüge.

George Fosmire und seine Freundin hatten die mehrtägige Tour durch die Bucht für 42 Dollar bei einem der unzähligen kleinen Anbieter in der Altstadt von Hanoi gekauft. Nach seinen Angaben kenterte das Boot direkt in der ersten Nacht. "Der Zustand des Schiffs hat uns, ehrlich gesagt, ein bisschen misstrauisch gemacht - es hatte Schlagseite", erzählte der junge Amerikaner. Die Besatzung habe ihn aber beruhigt.

Die Bucht von Halong liegt in der Provinz Quang Ninh im Norden Vietnams und zählt zu den größten Touristenattraktionen des Landes. Bilder von der bizarren Szenerie der Bucht mit ihren aus dem Wasser ragenden Kalkfelsen wurden durch den französischen Erfolgsfilm "Indochine" von 1992 mit Catherine Deneuve in der ganzen Welt verbreitet. Seit 1994 zählt die Halong-Bucht zum Weltkulturerbe der Unesco. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2010 besuchten mehr als 2,3 Millionen in- und ausländische Touristen die Bucht.

Viele Ausflugsschiffe bieten dort Fahrten mit Übernachtungen an Bord an, schon mehrfach kam es zu Unfällen. Im Jahr 2009 sank ein Schiff in einem Sturm, fünf Menschen kamen dabei ums Leben, drei von ihnen waren Touristen aus dem Ausland. 2006 kenterten in einem Orkan mehrere Schiffe, 13 Menschen ertranken. Im Jahr 2002 kenterten zwei Ausflugsboote, wobei mehrere Touristen starben.

sto/AFP/dpa

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