Virtuelle Reiseplanung Im Urlaub vor dem Urlaub

Aussicht auf Beton, winziges Badezimmer - die Enttäuschung ist oft groß, wenn das Traumhotel gar nicht traumhaft ist. Mit Virtual Reality kann man sich bereits im Reisebüro am Urlaubsort umschauen. Und auch vor Ort helfen Apps weiter.

VR-Brille im Reisebüro
Thomas Cook / TMN

VR-Brille im Reisebüro


Ein Hotel direkt am weißen Sandstrand. Das Frühstück wird an Bambustischen unter Palmen serviert, und am hoteleigenen Strandabschnitt hat ein freundlicher Hotelmitarbeiter bereits eine Liege reserviert. Das Meer ist kristallklar, in der Ferne treibt ein Fischerboot.

Wer eine Reise plant, braucht zunächst einmal eins: Viel Fantasie, um sich den Ort vorzustellen, an den es gehen soll. Im Urlaub angekommen, sieht es stattdessen auch mal so aus: Im schimmlig riechenden Zimmer huscht eine Kakerlake über den sandigen Boden in die Dusche. Die Matratze ist steinhart, die Aussicht durch die dreckigen Fenster bietet eine Baustelle.

Ganz vermeiden kann man solche Enttäuschungen wohl nicht. Neue Technologien ermöglichen es jedoch, sich den Urlaubsort vor dem Abflug beinahe lebensecht anzuschauen - wenn denn Hotelbesitzer und Veranstalter mitmachen. Mit Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) können Urlauber Hotelzimmer virtuell inspizieren und Rundgänge durch Kreuzfahrtschiffe oder sogar ganze Stadtteile machen.

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"VR ist das vollständige Eintauchen in fremde Welten", sagt Kristine Honig, Beraterin beim Unternehmen Tourismuszukunft. Eine VR-Brille ist das gebräuchlichste Gerät dafür: Benutzer werden mithilfe der Brille von der realen Welt abgeschirmt und bekommen Inhalte über Display und Lautsprecher zugespielt. Die Bewegung in der digitalen Welt und die Interaktion mit dem Raum werden so realitätsnah simuliert.

Mittlerweile nutzen viele Reisebüros die Technologie, um Lust auf den Urlaub zu machen. Der Veranstalter Thomas Cook zum Beispiel hat insgesamt 880 Büros mit VR-Brillen ausgerüstet. Die 360-Grad-Ansicht soll Urlaubern viel bessere Eindrücke von ihrem Urlaubsziel vermitteln als die üblichen Katalogfotos.

"Es bietet die Möglichkeit, eine Reise besser zu erklären", sagt Georg Welbers, Marketing- und Vertriebsmanager bei Thomas Cook. Ein Hotel zum Beispiel ließe sich ganz genau unter die Lupe nehmen, etwa die Zimmeraufteilung oder der Blick vom Balkon. "Der Kunde kann dabei sehen, dass es beispielsweise im Zimmer 321 einen schönen Blick aufs Meer gibt, aber in 322 der größere Balkon zur Auswahl steht", sagt Welbers.

Schon im Reisebüro im Hotel umschauen

"So kann man im Reisebüro sitzen und durch ein Kreuzfahrtschiff laufen, einen Rundflug über eine Region machen oder sich ein Hotel anschauen", sagt Honig. Für die Vorbereitung einer Reise oder als Inspiration sei das eine große Hilfe. Eindrücke per Virtual Reality könnten Reisenden auch Zweifel nehmen. Die Expertin vermutet, dass Reiseunternehmen mithilfe von VR daher leichter höherwertigere und teurere Produkte verkaufen können.

Aber Virtual Reality kommt nicht nur bei der Urlaubsvorbereitung zum Einsatz, sondern auch während des Urlaubs. In Köln zum Beispiel sehen Besucher die Stadt auf einer neuen VR-Tour so, wie sie in der Kaiserzeit aussah. Im Legoland Deutschland liefern sich die Gäste in der kommenden Saison auf einer Achterbahn ein virtuelles Rennen gegen Figuren aus der Legowelt, ebenfalls per VR-Brille. Und auf den neuen Expeditionsschiffen von Hurtigruten können Passagiere mit den Brillen Unterwasserdrohnen folgen.

Neben den Brillen gibt es eine weitere Form der virtuellen Realität: Augmented Reality. "Während VR den Nutzer virtuell an einen fremden Ort bringt, liefert Augmented Reality kontextbezogene Informationen", erklärt Dirk Schart vom Unternehmen Reflekt, das VR- und AR-Anwendungen entwickelt. Die Idee dahinter: "Häufig suchen wir nach Informationen. AR bringt sie dahin, wo sie gebraucht werden." Der Nutzer sei dabei nicht durch eine Brille von seiner Umwelt abgeschirmt. Vielmehr erhalte er zusätzliche Infos per Text und Bild auf das eigene Smartphone oder Tablet.

Auch im heimischen Wohnzimmer helfen AR-Apps bei der Reiseplanung

Mit Apps wie Wikitude oder Google Lens können Informationen über Plätze, Geschäfte oder Restaurants abgerufen werden. Mit dem gezückten Handy vor dem Kölner Dom sieht man dann etwa durch das Display nicht nur den Dom, sondern auch Infos zur Geschichte, Größe und Bauzeit.

Und es geht noch mehr: Laden sich Nutzer die Sprachpakete von Google Translate herunter, übersetzt die App mithilfe der Kamera des Geräts auch eine Restaurantkarte oder eine Wegbeschreibung, die dann auf Deutsch im Display erscheint. Auch im heimischen Wohnzimmer helfen AR-Apps bei der Reiseplanung. Die digitalen Infos können die Angaben aus Reisekatalogen ergänzen. Dafür scannt man mit der App das entsprechende AR-Symbol, daraufhin werden zusätzliche Bilder und Videos angezeigt.

In Zukunft bieten sich durch AR schier unbegrenzte Möglichkeiten. So können einem Vegetarier nur vegetarische Restaurants angezeigt werden. Oder ein Kulturliebhaber wird über Wohnorte von Künstlern informiert.

Bleibt die Frage, ob virtuelle Reisen irgendwann den echten Urlaub ersetzen werden. Das glauben die Fachleute nicht. "Urlaub ist ein interaktives Erlebnis zwischen Menschen. Das lässt sich nicht ersetzen", sagt Welbers.

Steven Hille, dpa/kry



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