Von Paris bis Berlin Mit Zeppelin auf Europatour

Fast lautlos über die Metropolen Europas zu schweben könnte der Reisetrend der Zukunft werden. Mit zehn Luftschiffen will das deutsche Projekt "Zeppelin Europe Tours" auf Städtetour gehen.


Zeppelin NT: "Sie sehen mit keinem anderen Verkehrsmittel so viel"
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Zeppelin NT: "Sie sehen mit keinem anderen Verkehrsmittel so viel"

Im Ersten Weltkrieg wurden Zeppeline zur Aufklärung und Bombardierung genutzt. Danach hat die Werbung die Luftschiffe für sich entdeckt, in Athen schwebt eines zu Überwachungszwecken über dem olympischen Gelände. Mit einer Städtetour durch Europa sollen künftig auch Touristen für das fast lautlose Reisen begeistert werden. So will es der Förderverein Zeppelin-Tourismus, der das Projekt "Zeppelin Europe Tours" (ZET) ins Leben gerufen hat. London, Brüssel und Paris sind drei Beispiele für die zehn vorgesehenen Etappenziele. In Deutschland sind Landeplätze in Berlin, Hamburg, Dresden und Friedrichshafen geplant.

Doch bis die ZET-Flotte in die Luft gehen kann, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Zunächst müssen Investoren für das Projekt gefunden werden. Auf knapp 400 Millionen Euro schätzen die Initiatoren die nötigen Investitionen inklusive Entwicklungskosten. "Wir sind mit Geldgebern im Gespräch", sagt Projektleiter Wolfgang von Zeppelin, "aber wir wissen, dass es noch ein weiter Weg ist."

Mit 12.500 Euro veranschlagen die ZET-Planer den möglichen Preis für die 20-tägige Tour durch alle zehn Städte. "Das werden aber die wenigsten machen", so Zeppelin. "Man kann ja auch einfach von einer Stadt zur anderen fliegen." Als Haupteinnahmequelle sieht er die Rundflüge, die an den jeweiligen Landeplätzen angeboten werden sollen. Diese Rundtrips sollen zwei Drittel der Einnahmen ausmachen, die Flüge von Stadt zu Stadt dagegen nur ein Drittel. Vor allem für Touristen aus Übersee sei die Zeppelintour interessant, sagt der Projektleiter. "Sie sehen in so kurzer Zeit mit keinem anderen Verkehrsmittel so viel von Europa."

Für die Tour will ZET ein neues Luftschiff bauen, das auf der Technik des Zeppelins NT basiert. Der NT dreht bereits seit August 2000 in 400 bis 600 Meter Höhe seine Runden am Bodensee und kann zwölf Gäste an Bord nehmen. Das ZET-Luftschiff soll dagegen 45 Passagieren Platz bieten und bei einer Reisegeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde dahinschweben. Zwölf Zeppeline sollen die ZET-Flotte bilden, davon zwei als Reserveschiffe.

Sind die Investoren erst gefunden, rechnet Zeppelin mit einer Entwicklungsdauer von vier Jahren und einer Bauzeit von noch einmal vier Jahren. Wenn alles gut geht, wäre der Break Even im 14. Jahr des Projekts erreicht, heißt es im Konzeptpapier von ZET. "Das ist in der Luftfahrt ein üblicher Zeitraum", sagt Zeppelin. "Uns ist vor allem wichtig, unseren Investoren ein solides und konservatives Betriebsmodell zu bieten."

Ist ZET in Europa erfolgreich, wäre auch eine Ausweitung auf andere Lufträume denkbar. Anfragen gibt es laut Zeppelin bereits aus Südafrika, Amerika und Australien.

Von Johannes Eberhorn



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