Im Folgenden stellt SPIEGEL ONLINE fünf der Reportagen vor - in einer gekürzten Fassung. Demnächst folgen fünf weitere.
Tasmanien: Drache mit Rüssel
Seit über 20 Jahren reist der Fotojournalist Gerald Nowak schon um den Globus. Doch was er in Tasmanien zu sehen bekam, war auch für ihn neu: ein Ausflug in den Drachenwald.
Es ist kalt. Im tasmanischen Frühling hat die See gerade mal 14 Grad Celsius. Nur hier und da fällt das Sonnenlicht auf den dicht mit Kelp und Algen bewachsenen Boden. Wo es auf den Grund trifft, ist die Farbenpracht durchaus mit den Tropen zu vergleichen - und doch ist das maritime Leben anders. Ganz anders. Wie Blütenstände leuchten violette, orangefarbene und weiße Algen vom grünen Teppich des Meeresbodens. In der Phantasie verschlingen sie sich zu bizarren Gestalten. Sie kommen und gehen mit der Dünung.
Im unterseeischen Märchenwald lebt ein seltsames Fabelwesen: der Seedrache, ein Tier aus der Gattung der Fetzenfische. Liebevoll wird es von den Tasmaniern "Weedy Seadragon" genannt, der "Grasige". Ein richtig großes Exemplar steht bewegungslos nur wenig Zentimeter über dem Meeresgrund. Nur die kleinen Flossen hinter den Kiemen flirren leicht. Mike, der Tauch-Guide, streckt seinen Arm aus, um das Tier in Richtung der Gruppe zu bugsieren. Das jedoch legt den Rückwärtsgang ein, schwirrt wie ein Hubschrauber um die eigene Achse und verschwindet im dichten Grün.
Schon wenige Augenblicke später zeigt sich ein weiterer Weedy zwischen den Kelpstangen. Dieser scheint die Tauchgruppe zu ignorieren. Direkt vor Mike sinkt der kleine Seedrache langsam auf eine kleine Sandfläche. Winzige Glasgarnelen tummeln sich über einer Anemone. Der Seedrache gaukelt den Garnelen vor, ein Stück treibendes Seegras zu sein, und nähert sich so seiner Beute unbemerkt.
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