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Vulkanasche-Alarm über Deutschland: Flughäfen in Norddeutschland und Düsseldorf gesperrt

Die Vulkanasche-Wolke erreicht Deutschland: Acht Flughäfen mussten geschlossen werden, darunter Hamburg, Berlin und Düsseldorf. Frankfurt soll voraussichtlich im Lauf des Tages schließen. Nie zuvor hat es einen derartigen Vorfall im Luftverkehr gegeben.

Flugverkehr in Europa: Warten auf die Wolke Fotos
DPA

London/Hamburg/Frankfurt am Main - Ausnahmezustand im Norden Deutschlands wegen der gigantischen Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, die Airports von Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Münster und Köln sind gesperrt. Mehr als 350 Flüge wurden bereits am Donnerstag abgesagt. Frankfurt als größter deutscher Flughafen muss wohl im Laufe des Freitagsvormittags geschlossen werden. Ankommende Flugzeuge aber könnten in einem solchen Fall wahrscheinlich auf andere Flughäfen wie München ausweichen, teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit. In Süddeutschland wird die Aschewolke am Freitagabend erwartet.

  • Frankfurt: Geplant sei, dass der Frankfurter Flughafen bis etwa 8 Uhr anfliegbar sei, sagte ein Airport-Duty-Officer. Dann werde man voraussichtlich im Bereich der Aschewolke liegen. Starts seien schon jetzt nur noch in Richtung Süden möglich. Auch der Flughafen Frankfurt-Hahn werde im Verlauf des Vormittags voraussichtlich geschlossen sein, hieß es von der Flugsicherung weiter. Die Aschewolke ziehe sich wie ein Band Richtung Süden. Wann die großen Flughäfen in Stuttgart und München erreicht werden, sei noch unklar.
  • Hamburg: Seit Donnerstagabend geht hier nichts mehr. Ob der Betrieb am Freitag wieder aufgenommen wird, hängt davon ab, in welche Richtung und mit welchem Tempo sich die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan bewege, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Bei der Sperrung handelt es sich nicht um eine generelle Blockade des Luftraums, sondern um eine Beschränkung für den Hamburger Airport auf null, die von der Flugsicherung verordnet wurde.
  • Berlin: Ab 20.30 Uhr waren auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel keine Starts und Landungen mehr möglich - die beiden Hauptstadt-Airports wurden bis 22 Uhr gesperrt. Danach gaben die Behörden den Verkehr bis 2 Uhr in der Nacht wieder frei, um verspätete Starts und Landungen zu ermöglichen.
  • Düsseldorf: Für 3.30 Uhr ist hier der Beginn der Sperrung angesetzt worden - ein Flughafensprecher sagte, der normalerweise um 6 Uhr beginnende Betrieb werde zunächst nicht aufgenommen. Wie lange die Sperrung dauern werde, sei noch nicht abzusehen.
  • Andere deutsche Flughäfen: Die Beschränkungen des Luftverkehrs in den einzelnen Regionen Deutschlands sollen schrittweise zunächst im Nordwesten und schließlich im Südosten der Republik gelten, sagte eine Sprecherin der Flugsicherung am Abend. Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, es werde keine festen Zeiten für Schließungen geben. Zum Schutz vor der Aschewolke plane man vielmehr in den jeweiligen Gefährdungsgebieten flexible Start- und Landeverbote.
  • Europa: In Großbritannien, Irland, Belgien, den Niederlanden und den meisten skandinavischen Ländern wurde der Betrieb am Donnerstag komplett eingestellt. In Frankreich wurden schrittweise 24 Airports im Norden dichtgemacht - darunter das Drehkreuz Paris. Der Flugverkehr in Großbritannien soll mindestens bis Freitag um 14 Uhr Ortszeit ruhen, entschied die dortige Flugsicherung am Abend. Auch in den anderen Ländern werden Behinderungen bis zum Wochenende erwartet. Erst dann soll sich die Aschewolke allmählich aufgelöst haben und weitergezogen sein.
  • Transatlantikflüge: Wegen der Aschewolken wird am Freitag nach Einschätzung der europäischen Luftfahrtbehörde nur jeder zweite Flug über den Atlantik stattfinden können: "Wir erwarten, dass wegen der Aschewolke 50 Prozent der Transatlantikflüge abgesagt werden", erklärte eine Sprecherin von Eurocontrol in Brüssel. Die Lage im europäischen Luftverkehr selbst werde "nicht besser sein als am Donnerstag".

Behörden empfehlen den Flugreisenden, sich auf den Internet-Seiten der Gesellschaften und Airports zu informieren. Fluglinien müssen den Ticketpreis für gestrichene Flüge zurückerstatten (mehr dazu...).

Bis zu 5000 Flüge in ganz Europa wurden am Donnerstag gestrichen, fast ein Fünftel aller Verbindungen, teilte Eurocontrol mit. Dort registriert man normalerweise rund 28.000 Flüge am Tag.

"Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte Brian Flynn, einer der Leiter der europäischen Luftraumüberwachung. Entstanden war die Aschewolke nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Experten zufolge kann die Vulkanasche, die sich in einer Höhe von sechs Kilometern befindet, die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und die Sicht der Piloten beeinträchtigen. Angesichts solcher Risiken müssen die Maschinen am Boden bleiben.

"Kann ja mal passieren, dass ein Vulkan ausbricht"

So auch am Londoner Airport Heathrow, einem der größten Luftfahrtdrehkreuze der Welt. Am Donnerstagnachmittag herrschte in Heathrow eine ungewöhnliche Ruhe. Kurz nach Beginn des britischen Flugstopps um 12 Uhr hatte sich der Großflughafen bereits stark geleert. "Viele Passagiere sind gar nicht erst erschienen", sagte ein Flughafenmitarbeiter. Seit dem Morgen hatten die Medien über die bevorstehende Schließung aller Londoner Flughäfen berichtet.

Risiken von Aschewolken
Mögliche Gefahren für Flugzeuge
• Ausfall der Triebwerke - Partikel können in Verbrennungskammern schmelzen, sich ablagern und die Triebwerke fast zerstören
• Beschädigung von Turbinenblättern und Staudruckrohren
• Verstopfung von Hightech-Sonden der modernen Bordelektronik
• Zerkratzen der Frontscheibe, so dass die Piloten keine Sicht mehr haben

mehr dazu: Gefährliche Aschewolken -: der Alptraum aller Piloten...
Folgen für die Gesundheit
Die isländische Vulkanasche besteht aus feinen Partikeln, die durch feine Zerteilung von Magma entstehen. In Deutschland muss sich Experten zufolge niemand Sorgen machen, denn die Asche ist nur bei sehr hohen Konzentrationen gesundheitsgefährlich - auch nicht für Tiere, Pflanzen und Böden. Sie ist weder radioaktiv noch giftig, sondern besteht zum größten Teil aus Glas.
Die gestrandeten Reisenden reagierten gelassen. Auf dem Fußboden in Heathrows Terminal 1 saßen die deutschen Zwölftklässler Simon Junski, Matthias Prockle, Christian Matthies und Patrick Schönwiese. Ihr Lufthansa-Flug nach Frankfurt war gestrichen worden. Die Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums im pfälzischen Frankenthal hatten die Woche auf Kursfahrt in London verbracht. Die Planänderung nahmen sie locker. "Kann ja mal passieren, dass ein Vulkan ausbricht", sagte Junski. "Jetzt chillen wir ein bisschen hier." Zwei der vier Lehrer waren am Lufthansa-Schalter, um eine Übernachtung zu organisieren. Am frühen Freitagmorgen fliegen sie nun über Brüssel nach Frankfurt - weiteres Warten in der belgischen Hauptstadt inklusive.

Flugausfälle in Frankfurt

Auch am Zielflughafen der Schülergruppe fielen Flüge aus. Zwar war der Luftraum über Frankfurt am Main am Donnerstag nicht gesperrt. Beeinträchtigungen gab es dennoch am größten deutschen Flughafen. Insgesamt wurden in Deutschland rund 350 Flüge abgesagt, allein in Frankfurt wurden bis zum Donnerstagnachmittag 83 Starts und 76 Landungen gestrichen, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport.

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Vulkanausbruch in Island: Asche behindert Flugverkehr
Vor allem Flüge nach Norden kamen auf die Streichliste, so auch der von Mark Tasker aus Prescott im US-Bundesstaat Wisconsin. Er wollte von Frankfurt nach Manchester reisen. Prescott erfuhr erst am Check-in-Schalter, eineinhalb Stunden vor dem geplanten Abflug, dass sein Flug ausfiel. Eine Ausweichverbindung sei nicht buchbar, wurde ihm gesagt. Nun saß er mit seinem Blackberry auf einer Bank und versuchte, eine Lösung zu finden, "auf sich allein gestellt", wie er sagte. Die Fluggesellschaft war ihm keine Hilfe, beklagte sich der Amerikaner.

Andere deutsche Flughäfen kämpften ebenfalls mit Problemen. Der Airport München berichtete am Nachmittag von 70 ausgefallenen Starts und Landungen, Düsseldorf von 73 und Hamburg von 39.

"Ich lege mich aufs Gepäckband"

Am Hamburger Flughafen gaben sich die Passagiere überwiegend gelassen. Nur vor den Lufthansa-Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Verärgert reagierte Ilse Angst aus Wien, die nach einer Zwischenlandung in Hamburg mit sieben Personen weiter nach Amsterdam reisen wollte. Ihre Bordkarten hielt sie schon in Händen, dann fiel der Flug aus: "Ich verstehe ja, dass die bei einer Naturgewalt nichts machen können, aber dass nur ein oder zwei Schalter offen sind, ist eine Unverschämtheit", sagte sie. "Wir stehen schon eine Stunde in der Schlange, eigentlich könnten wir schon längst eine Grachtenfahrt in Amsterdam machen."

Die Passagiere wurden gegen 20 Uhr mit einer Lautsprecherdurchsage von der Sperrung des Flughafens unterrichtet. Zuvor hatte es widersprüchliche und unklare Informationen von den Fluggesellschaften gegeben.

Ein gestrandeter Norweger sang derweil: "I wanna go home." Und ein älterer Herr, der schon nach Stockholm eingecheckt hatte und nun festsaß, suchte sich bereits ein Nachtlager. Wenn er es am Donnerstag nicht mehr nach Stockholm schaffe, "dann leg ich mich bei der Lufthansa aufs Gepäckband und schlafe dort, das ist ja deren Problem". Bleibt zu hoffen, dass er noch vor der späteren Sperre des Hamburger Flughafens einen Flug bekommen hat.

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Island: Vulkanausbruch am Gletscher

abl/cvo/trö/sef/AP/Reuters/dpa

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Sperrung des Luftraums
Für eine Sperrung des Luftraums sind die nationalen Verkehrsministerien zuständig - in Deutschland dementsprechend das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Über eine etwaige Sperrung wird in enger Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entschieden.

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol koordiniert die Flugbewegungen zwischen den verschiedenen europäischen Lufträumen. Ihr Hauptsitz ist in Brüssel, in Deutschland ist die Organisation nur für einen geringen Teil der Flüge im Norden des Landes zuständig. Um die Abstimmung der Flugpläne in Europa kümmert sich die Unterabteilung Central Flow Management Unit (CFMU). Von dort werden die Informationen zu den Fluglotsen an den Flughäfen weitergeleitet.
Infos zum Flugverkehr und Reiseveranstalter
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Websites bekannt. Zur aktuellen Lage nach dem isländischen Vulkanausbruch ist eine Hotline der Flughäfen eingerichtet: 0180/5000186

Berliner Flughäfen
Flughafen Bremen
Flughafen Dresden
Flughafen Düsseldorf
Flughafen Erfurt
Flughafen Frankfurt
Flughafen Friedrichshafen
Flughafen Hamburg
Flughafen Hannover
Flughafen Köln/Bonn
Flughafen Leipzig/Halle
Flughafen München
Flughafen Münster/Osnabrück
Flughafen Nürnberg
Flughafen Paderborn
Flughafen Saarbrücken
Flughafen Stuttgart
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin: Hotline 0800 5737 8000 Air France
British Airways
Condor
Germanwings
Iberia
Lufthansa: Hotline 0800-8506070
Ryanair
SAS Scandinavian Airlines
Southwest Airlines
Tuifly
United Airlines
Zur aktuellen Lage nach dem isländischen Vulkanausbruch haben die Veranstalter Hotlines eingerichtet:
Tui: 0511-5678 000
FTI: 089-2525 1000
Alltours: 0203-3636360 oder 0203-3636500
Air Berlin: 0800-5737 8000
Dertour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen: 069-9588 2770
ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg: 02203-42875
Neckermann Reisen und Thomas Cook Reisen: 06171-6565 190
Bucher Last Minute und Air Marin: 02132-93080
Öger Tours: 01805-35 10 35
Olimar: 0221-20 590 590

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Eyjafjallajökull-Gletscher

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Vulkan Eyjafjallajökul
Der 1666 Meter hohe Vulkan Eyjafjallajökull im Süden Islands liegt großteils unter Eismassen verborgen. Er war bislang weniger aktiv als andere Vulkane Islands. Nur vier Eruptionen wurden seit der Besiedelung Islands dokumentiert. Sie verliefen anscheinend weniger explosiv als die aktuelle Eruption. Der Vulkan verfügt über einen vier Kilometer breiten Krater. Lava und Asche strömen zudem aus Klüften und Spalten, die sich über Dutzende Kilometer erstrecken.

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Vulkanausbruch auf Island: Feuer im Eis

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Grafiken und Satellitenbilder: Die Folgen der Vulkan-Eruption