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Vulkanasche über Europa: Deutscher Luftraum bleibt bis 20 Uhr gesperrt

Die Flugsicherung hat die Sperrung des deutschen Luftraumes verlängert, eine Rückkehr zum Normalbetrieb verschiebt sich damit erneut. Die Airlines setzen jetzt auf Sondergenehmigungen - und auf den umstrittenen Sichtflug.

DPA

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Deutsche Flugsicherung hat die Sperrung des deutschen Luftraums bis Dienstag 20 Uhr ausgeweitet. Pressesprecherin Kristina Kelek begründete die Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa mit den aktuellen Wetterprognosen.

Zuvor hatten sich die großen deutschen Fluglinien Lufthansa Chart zeigen und Air Berlin noch optimistisch gezeigt, möglicherweise schon im Lauf des Tages zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. Eigentlich sollte die Sperrung nur bis 14 Uhr andauern.

Flüge nach Sicht (siehe Kasten links) sind aber von dem Verbot ausgenommen. Dementsprechend starteten und landeten am späten Montagabend und am Dienstag zahlreiche Flugzeuge auf deutschen Airports.

Die EU-Verkehrsminister hatten sich am Montag darauf geeinigt, die Beschränkungen für den europäischen Luftraum teilweise aufzuheben. Unter anderen erhielten die Lufthansa, Condor und Air Berlin in Deutschland vom Luftfahrtsbundesamt Sondergenehmigungen für die kontrollierten Sichtflüge. Insgesamt waren in Deutschland für Dienstag 700 bis 800 Sichtflüge angemeldet, wie der Sprecher der Flugsicherung, Axel Raab, dem Fernsehsender N24 erklärte. Dies entspreche etwa sieben Prozent des normalen Verkehrsaufkommens.

Entscheidung liegt beim Piloten

Die neue Regelung ist umstritten. Die Gewerkschaft Cockpit sieht die Risiken der neuen Sichtflug-Ausnahme auf die Piloten abgewälzt. Kurz vor dem ersten Messflug am Montagnachmittag habe man "schnell die Lufträume durch juristische Winkelzüge geöffnet, um dann loszufliegen", erklärte Sprecher Jörg Handwerg am Dienstag im Sender n-tv. Die Vorgehensweise sei aus Sicht der Piloten inakzeptabel, "zumal die Verantwortung jetzt voll auf die Piloten abgeschoben wird".

Denn letztendlich liegt die Entscheidung immer beim Piloten selbst, ob er unter den gegebenen Bedingungen fliegt oder nicht - etwa bei der Entscheidung, ob er auch bei diesigem Regenwetter einen Sichtflug durchführen will.

Auf dem Hamburger Flughafen wurde wegen der Aschewolke das Nachtflugverbot befristet aufgehoben. In den ersten zwei Nächten nach der Freigabe des Luftraumes durch die Bundesregierung dürfen Flugzeuge durchgehend auch nachts in Hamburg starten und landen. Die Freigabe kann um zwei Tage verlängert werden, wie die zuständigen Behörden der Stadt mitteilten. Bisher besteht von 23 Uhr bis 6 Uhr ein Nachtflugverbot. Für einzelne Flüge wurden bereits in der Nacht auf Dienstag Ausnahmen gemacht.

Entspannung über Europa

In anderen europäischen Ländern wurde das Flugverbot am Dienstag gelockert. Nach Angaben der Flugsicherheitsagentur Eurocontrol war der Luftraum über 75 Prozent des europäischen Festlandes wieder geöffnet. In der Folge würden am Dienstag 55 bis 60 Prozent der Flüge wieder genehmigt. Bis 10 Uhr seien schon 10.000 von 27.500 planmäßigen Verbindungen angesetzt oder bereits in der Luft. "Schritt für Schritt wird der normale Flugbetrieb wieder aufgenommen", sagte ein Sprecher.

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Luftraum-Freigabe: Mehr Flüge über Europa
Demnach würde selbst ein weiterer Vulkanausbruch derzeit nicht die verheerenden Folgen wie in den vergangenen fünf Tagen haben - denn die Wetterbedingungen seien nicht so schlecht wie in der Vorwoche. In Großbritannien war schon am Dienstagmorgen die Sperrung bis 20 Uhr verlängert worden.

Debatte über Sichtflüge

In Deutschland allerdings sind die Gesellschaften nun weiter auf die Sichtflugregelung angewiesen. Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte bereits am Montag Sicherheitsbedenken gegen deren Einführung geäußert. "Nach unserer Einschätzung ist nicht mit Sicherheit ausgeschlossen, dass es zu Vorfällen kommen kann", sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg in der ARD-Sendung "Beckmann".

Handwerg warf Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vor, unter dem Druck der Fluggesellschaften eingeknickt zu sein. "Kurz vor einem Messflug, der endlich die Daten liefert, auf die wir alle seit Tagen warten, heißt es plötzlich: Dann fliegt halt nach Sicht. Das heißt, wir fliegen mal los, weil ein paar Flüge gut gegangen sind, und, na ja, es wird schon gut gehen", sagte der Cockpit-Sprecher.

"Die Piloten fühlen sich unter Druck gesetzt, weil sie sich ihrem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet fühlen", sagte Handwerg weiter. Er äußerte zugleich die Befürchtung, dass bei Unfällen die Piloten dafür verantwortlich gemacht würden: "Wenn etwas passiert, wird jeder sagen: Das war alles genehmigt, das war abgestimmt, uns kann man nichts vorwerfen. Ja, der Pilot hat den Fehler gemacht, der hätte ja nicht durch die Wolke fliegen dürfen." Das juristische Risiko sei jetzt auf die Piloten verlagert worden.

Verkehrsminister Ramsauer verteidigte sein Flugverkehr-Krisenmanagement. Die Behinderungen durch Vulkanasche seien ein Phänomen, das es im europäischen Luftraum so bislang nicht gegeben habe, sagte er am Dienstag in Berlin vor Beratungen des Verkehrsausschusses des Bundestages. Der sofort eingerichtete Krisenstab tage seit Donnerstag rund um die Uhr.

"Wir haben ein ganz klares internationales strenges Regelwerk für solche Vorfälle", fügte Ramsauer hinzu. Angesichts der Einbindung in das europäische Flugverkehrswesen sei eine enge Abstimmung mit den anderen Ländern erforderlich.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Geld vor Sicherheit
Arthi, 20.04.2010
Zitat von sysopDie Flugsicherung hat die Sperrung des deutschen Luftraumes verlängert, eine Rückkehr zum Normalbetrieb verschiebt sich damit erneut. Die Airlines setzen jetzt auf Sondergenehmigungen - und auf den umstrittenen Sichtflug. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,690040,00.html
Wofür noch Flugverbote wenn eh alle Airlines die genug Druck machen eine Ausnahmegenehmigung bekommen? Ganz klar geht hier Geld vor Sicherheit und die Flugsicherheit lässt sich zum Affen machen.
2. ...
SIBO, 20.04.2010
Zitat von sysopDie Flugsicherung hat die Sperrung des deutschen Luftraumes verlängert, eine Rückkehr zum Normalbetrieb verschiebt sich damit erneut. Die Airlines setzen jetzt auf Sondergenehmigungen - und auf den umstrittenen Sichtflug. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,690040,00.html
*Lach* bis 20.00 h, da merke ich hier im Rhein-Main-Gebiet aber nichts davon. Seit ca. 14.00 h fliegen die Vögel wieder, und zwar nacheinander im Minutentakt. Gott, was war die Stille herrlich.
3. Auskaspern
Auskasper 20.04.2010
könnt ich, Krisenmanagement seit Donnerstag?Wo? Wann? Wieviel? Herr Ramsauer tagt seit Donnerstag????? Geht's noch? Wo ist denn da ein Management? Piloten sollen entscheiden? Wieso hat Deutschland es seit Donnerstag nicht geschafft Messungen durchzuführen? Wie Panne ist das denn? Wie technologisch hochentwickelt stehen wir denn da? Und wieso bringt mich meine Airline nicht zu irgendeinem offenen Flughafen auf dem europäischen Festland, hm? Die Zusammenarbeit in Europa ist doch sooo eng? Unverschuldet häng ich hier fest, ich bin nicht mal in einem Krisengebiet aus Dämlichkeit entführt worden, sonst wär ich schon längst mit der Bundeswehr auf dem Weg heim. Oh wär das schön! Ich will heim, schickt mir die Fregatte vor Somalia, ich brauche sie dringender, als die Profiteure des Schiffsverkehrs. Hiiiilfeeeeee
4. Objektiv keine Gefahr
Umbriel 20.04.2010
Zum Glück scheint sich die Vernunft durchzusetzen. Manche freuten sich ja richtiggehend über die Flugblockade, nicht wenige wünschten sich mehr Asche. Ich kann das nicht verstehen. So viel hängt am Flugverkehr, wie kann man sich darüber freuen, wenn andere Leute in riesige Schwierigkeiten geraten? Spätestens seit dem hochnotpeinlichen Auftritt des deutschindischen Klimakatastrophisten und ARD-Experten Mojib Latif gestern bei Beckmann ist klar worum es geht. Er freute sich über den Stillstand, er sagte das sei ein Zeichen, daß "der Westen" seine Lebensweise überdenken müsse. Sachargumente: Fehlanzeige Eingehen auf Fakten: Rhetorisch umschiffen Diese Klimaleute sind eine Gefahr für die Vernunft. Bitte schleunigst ersetzen.
5. lach
sverris 20.04.2010
Zitat von UmbrielZum Glück scheint sich die Vernunft durchzusetzen. Manche freuten sich ja richtiggehend über die Flugblockade, nicht wenige wünschten sich mehr Asche. Ich kann das nicht verstehen. So viel hängt am Flugverkehr, wie kann man sich darüber freuen, wenn andere Leute in riesige Schwierigkeiten geraten? Spätestens seit dem hochnotpeinlichen Auftritt des deutschindischen Klimakatastrophisten und ARD-Experten Mojib Latif gestern bei Beckmann ist klar worum es geht. Er freute sich über den Stillstand, er sagte das sei ein Zeichen, daß "der Westen" seine Lebensweise überdenken müsse. Sachargumente: Fehlanzeige Eingehen auf Fakten: Rhetorisch umschiffen Diese Klimaleute sind eine Gefahr für die Vernunft. Bitte schleunigst ersetzen.
Peinlich sind solche Beitraege und die Koepfe dahinter. ICH FREUE MICH UEBER DEN STILLSTAND, auch wenn er sich auch auf mich ausgewirkt hat.
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Was ist ein Sichtflug?

Grundprinzip des Sichtfluges ist - der Name lässt es vermuten -, dass der Pilot genügend Sicht nach draußen hat. Flüge in Wolken sind also verboten. Normalerweise fliegen so nur kleine Propellerflugzeuge.

Allein der Pilot ist für die Sicherheit von Maschine und Passagiere zuständig. Er muss im unteren Luftraum auch ohne Lotsenhilfe Mindestabstände zu anderen Flugzeugen und den Wolken einhalten. Dabei kann er aber Funkfeuer und Satelliten-Navigation nutzen. Die Lufthansa-Flüge sollen als sogenannte kontrollierte Sichtflüge durchgeführt werden. Radarlotsen unterstützen dabei die Piloten.

Im Sichtflug können wesentlich weniger Flugzeuge gleichzeitig unterwegs sein als unter Kontrolle der Flugsicherung, die sie staffelt und in Luftkorridore einreiht. Außerdem verbrauchen die Jets im unteren Luftraum viel mehr Kerosin, weil der Luftwiderstand größer ist.


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Besteht Lohnanspruch bei Fehltagen wegen Flugausfall?
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Arbeitnehmer müssen keine Abmahnung fürchten, wenn sie infolge des gesperrten Luftraums über Europa am Urlaubsort festsitzen. Der Arbeitgeber kann auch nicht argumentieren, dass Arbeitnehmer sich schon früher um eine Alternative zur Reise mit dem Flugzeug hätten kümmern müssen.
Wann ist der Arbeitgeber zu informieren?
Arbeitnehmer sind verpflichtet, den Arbeitgeber sofort zu informieren, wenn sie wegen eines ausgefallenen Fluges nicht zum Dienst kommen können. (Quelle: dpa)
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Island: Nahaufnahmen vom Vulkan

Sperrung des Luftraums
Für eine Sperrung des Luftraums sind die nationalen Verkehrsministerien zuständig - in Deutschland dementsprechend das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Über eine etwaige Sperrung wird in enger Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entschieden.

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol koordiniert die Flugbewegungen zwischen den verschiedenen europäischen Lufträumen. Ihr Hauptsitz ist in Brüssel, in Deutschland ist die Organisation nur für einen geringen Teil der Flüge im Norden des Landes zuständig. Um die Abstimmung der Flugpläne in Europa kümmert sich die Unterabteilung Central Flow Management Unit (CFMU). Von dort werden die Informationen zu den Fluglotsen an den Flughäfen weitergeleitet.