Vulkanausbruch auf Island Aschewolke legt Flughafen Frankfurt lahm

Jetzt muss auch Deutschlands größter Flughafen schließen: Die Aschewolke des isländischen Vulkans hat Frankfurt am Main erreicht. Flugzeuge dürfen nicht mehr starten oder landen. Auch die Airports in Hamburg, Berlin und Düsseldorf sind gesperrt.


Hamburg/Frankfurt am Main - Die Aschewolke vom isländischen Vulkan Eyjafjallajoküll hat am Freitagmorgen auch den größten deutschen Flughafen lahmgelegt. Flugzeuge aus dem europäischen Luftraum durften von 8 Uhr an nicht mehr auf dem Frankfurter Flughafen landen. Auch Starts gebe es nicht mehr, sagte Thomas Uber, Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Da der Luftraum aber offen bleibe, würden Interkontinentalflüge umgeleitet, hauptsächlich nach München.

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    Flugverkehr in Europa: Warten auf die Wolke
    Hamburg: Seit Donnerstagabend geht hier nichts mehr. Ob der Betrieb am Freitag wieder aufgenommen wird, hängt davon ab, in welche Richtung und mit welchem Tempo sich die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan bewege, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Bei der Sperrung handelt es sich nicht um eine generelle Blockade des Luftraums, sondern um eine Beschränkung für den Hamburger Airport auf null, die von der Flugsicherung verordnet wurde.
  • Berlin: Ab 20.30 Uhr waren auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel keine Starts und Landungen mehr möglich - die beiden Hauptstadt-Airports wurden bis 22 Uhr gesperrt. Danach gaben die Behörden den Verkehr bis 2 Uhr in der Nacht wieder frei, um verspätete Starts und Landungen zu ermöglichen.
  • Düsseldorf: Um 3.30 Uhr ist hier der Beginn der Sperrung angesetzt worden - ein Flughafensprecher sagte, der normalerweise um 6 Uhr beginnende Betrieb werde zunächst nicht aufgenommen. Wie lange die Sperrung dauern werde, sei noch nicht abzusehen.
  • Hannover, Bremen, Münster-Osnabrück, Köln-Bonn, Leipzig-Halle, Erfurt, Dresden, Saarbrücken: Auf diesen Flughäfen wurde seit Donnerstagabend nach und nach der Flugbetrieb eingestellt. "Wann An- und Abflüge wieder möglich sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Freitagmorgen.
  • Andere deutsche Flughäfen: Die Beschränkungen des Luftverkehrs in den einzelnen Regionen Deutschlands sollen schrittweise zunächst im Nordwesten und schließlich im Südosten der Republik gelten, sagte eine Sprecherin der Flugsicherung am Donnerstagabend. Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, es werde keine festen Zeiten für Schließungen geben. Zum Schutz vor der Aschewolke plane man vielmehr in den jeweiligen Gefährdungsgebieten flexible Start- und Landeverbote.
  • Europa: In Großbritannien, Irland, Belgien, den Niederlanden und den meisten skandinavischen Ländern wurde der Betrieb am Donnerstag komplett eingestellt. In Frankreich wurden schrittweise 25 Airports im Norden dichtgemacht - darunter das Drehkreuz Paris. Auch in Polen wurde der Luftraum in weiten Teilen gesperrt, in Österreich werden die Flughäfen ab Nachmittag nach und nach geschlossen. Auch in den anderen Ländern werden Behinderungen bis zum Wochenende erwartet. Erst dann soll sich die Aschewolke allmählich aufgelöst haben und weitergezogen sein.
  • Transatlantikflüge: Wegen der Aschewolken wird am Freitag nach Einschätzung der europäischen Luftfahrtbehörde nur jeder zweite Flug über den Atlantik stattfinden können: "Wir erwarten, dass wegen der Aschewolke 50 Prozent der Transatlantikflüge abgesagt werden", erklärte eine Sprecherin von Eurocontrol in Brüssel. Die Lage im europäischen Luftverkehr selbst werde "nicht besser sein als am Donnerstag".

Behörden empfehlen den Flugreisenden, sich auf den Internet-Seiten der Gesellschaften und Airports zu informieren. Fluglinien müssen den Ticketpreis für gestrichene Flüge zurückerstatten (mehr dazu...). Passagiere, die auf innerdeutschen Strecken fliegen wollten, können auch mit der Bahn reisen, teilt die Lufthansa auf ihrer Webseite mit. Dafür müsste das elektronische Ticket (etix) an einem Lufthansa-Check-in Schalter in einen Reisegutschein umgewandelt werden.

Am Donnerstag waren bis zu 5000 Flüge in ganz Europa gestrichen worden, fast ein Fünftel aller Verbindungen, teilte Eurocontrol mit. Dort registriert man normalerweise rund 28.000 Flüge am Tag. "Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte Brian Flynn, einer der Leiter der europäischen Luftraumüberwachung.

Risiken von Aschewolken
Mögliche Gefahren für Flugzeuge
• Ausfall der Triebwerke - Partikel können in Verbrennungskammern schmelzen, sich ablagern und die Triebwerke fast zerstören
• Beschädigung von Turbinenblättern und Staudruckrohren
• Verstopfung von Hightech-Sonden der modernen Bordelektronik
• Zerkratzen der Frontscheibe, so dass die Piloten keine Sicht mehr haben

mehr dazu: Gefährliche Aschewolken -: der Alptraum aller Piloten...
Folgen für die Gesundheit
Die isländische Vulkanasche besteht aus feinen Partikeln, die durch feine Zerteilung von Magma entstehen. In Deutschland muss sich Experten zufolge niemand Sorgen machen, denn die Asche ist nur bei sehr hohen Konzentrationen gesundheitsgefährlich - auch nicht für Tiere, Pflanzen und Böden. Sie ist weder radioaktiv noch giftig, sondern besteht zum größten Teil aus Glas.
Entstanden war die Aschewolke nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Experten zufolge kann die Vulkanasche, die sich in einer Höhe von sechs Kilometern befindet, die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und die Sicht der Piloten beeinträchtigen. Angesichts solcher Risiken müssen die Maschinen am Boden bleiben.

Vulkanausbruch verliert an Wucht

Am Donnerstag stößt der isländische Vulkan im Vergleich zum Vortag weniger gefährliche Stoffe in die Atmosphäre und hat an Kraft verloren. Das ergab ein nächtlicher Überwachungsflug der Küstenwacht mit Messungen über dem Vulkangebiet im südlichen Island.

Wie die Geophysikerin Sigurlaug Hjaltadóttir vom Meteorologischen Institut Reykjavík im Rundfunk angab, gelangt die Rauchwolke aus dem Gletscher nur noch in eine Höhe von sechs Kilometern - am Vortag waren es elf. Die Wolke habe jetzt auch eine veränderte und "reinere" Zusammensetzung, sie bestehe fast nur noch aus Wasser sowie Steinpartikeln. Die neuen Entwicklungen bedeuteten aber nicht, dass sich ein Ende des Ausbruchs abzeichne.

abl/AP/Reuters/dpa



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