Wallfahrtsziele im Duell: Lourdes gegen Heroldsbach

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Wunder gibt es immer wieder, sang Katja Ebstein. Doch nicht jeder, der eins erlebt hat, kann dessen Echtheit beweisen. Zum Beispiel wenn es um die Marienerscheinungen in Heroldsbach geht. Für viele Wallfahrer ist das fränkische Dorf trotzdem das deutsche Lourdes.

REUTERS; DDP

Lourdes Heroldsbach
Was?

Nach Rom die meistbesuchte katholische Wallfahrtsstätte.
Was?

Umstrittener Schauplatz von Mariensichtungen.
Wo?

In den Pyrenäen im Südwesten Frankreichs.
Wo?

In Oberfranken, nicht weit von Nürnberg.
Das Wunder:

Im Jahr 1858 soll die 14-jährige Bernadette Soubirous in einer Grotte mehrmals der Gottesmutter begegnet sein.
Das Wunder:

Zwischen 1949 und 1952 soll Maria fast täglich sieben Kindern erschienen sein - und Dinge gesagt haben wie "Wenn ihr nicht betet, dann werden die Russen kommen und euch erschlagen".
Das sagte der Papst:

Ein Wunder - Soubirous wurde im Jahr 1933 heilig gesprochen.
Das sagte der Papst:

Kein Wunder - die Kinder wurden umgehend exkommuniziert.
Risiken und Nebenwirkungen?

Dass Gebrechliche die Krücken von sich werfen und heimwärts joggen, passiert eher selten. Doch in den vergangenen 150 Jahren hat die Kirche immerhin 66 Fälle als Wunderheilung anerkannt.
Risiken und Nebenwirkungen?

Es herrscht ein starker Verdacht, dass bei Nachfolgewundern manipuliert wurde. Zum Beispiel als im Februar 2007 eine Marienstatue geweint haben soll. Auch am ursprünglichen Vorfall gibt es Zweifel - die Kinder hatten wenige Wochen vor der ersten Marienerscheinung einen Kinofilm über Lourdes gesehen.
Wen treffen Sie hier?

Viele Alte und Kranke und die Beitragszahler einer großen holländischen Versicherung - die finanziert jedes Jahr ein paar hundert Mitgliedern die fünftägige Reise.
Wen treffen Sie hier?

Einige sehr fanatische Wundergläubige - der mit der Untersuchung der weinenden Statue beauftragte Theologe wurde per Post darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm in Kürze "Ratten übers Grab laufen" würden, sollte er den Vorfall nicht als Wunder anerkennen.
Warum jetzt hinfahren?

Weil der Riesentrubel zum 150. Jahrestag der Erscheinung und zum Papstbesuch vorbei ist und dadurch wieder leichter Zimmer zu kriegen sind.
Warum jetzt hinfahren?

2001 soll eine Jesusfigur "geweint" haben (im Mülleimer fand der Pfarrer mehrere Pipetten), 2007 eine Marienstatue - das nächste scheinbar übernatürliche Ereignis scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.
Bleiben Sie bloß zu Hause, wenn ...

... Sie mit dem Ortsnamen nicht Maria, sondern den Popstar Madonna in Verbindung bringen - die Sängerin nannte ihre Tochter "Lourdes".
Bleiben Sie bloß zu Hause, wenn ...

... Sie das alles für mystischen Unsinn halten.

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