Berliner Flughäfen Montagmorgen fallen 80 Flüge aus wegen Streik

Um fünf Uhr in der Früh wird das Sicherheitspersonal an den Flughäfen Tegel und Schönefeld die Arbeit niederlegen. Die Lufthansa streicht aufgrund des vierstündigen Warnstreiks acht Verbindungen.

Flughafen Berlin-Tegel
DPA

Flughafen Berlin-Tegel


Passagiere an den Berliner Flughäfen müssen sich am Montag auf Verzögerungen gefasst machen. Die Gewerkschaft Ver.di rief die Beschäftigten des Sicherheitspersonals von Tegel und Schönefeld am Wochenende zu einem bis zu vierstündigen Warnstreik auf. Der Ausstand solle am Montag um 5 Uhr beginnen und bis 8.45 Uhr dauern. Ver.di hatte bereits im Dezember angekündigt, dass es im Januar zu Warnstreiks kommen könnte.

Dadurch könne es zu starken Beeinträchtigungen bei der Abfertigung kommen, hieß es bei der Flughafengesellschaft. Betroffen sind fast 60 Flüge in Tegel und gut 20 in Schönefeld. Die ersten wurden bereits am Sonntag gestrichen, andere auf der Internetseite der Berliner Airports als verspätet gemeldet. Alle Passagiere sollten sich vor der Anreise bei ihrer Airline zur Lage informieren, empfahl die Berliner Flughafengesellschaft.

Kritik kam von der Lufthansa: "Es ist bedauerlich, dass das neue Jahr schon wieder mit Unregelmäßigkeiten für unsere Fluggäste beginnt", sagte Vorstand Detlef Kayser. Die deutsche Airline streicht wegen des Ausstands acht Verbindungen: jeweils vier Flüge zwischen Berlin-Tegel und Frankfurt sowie Berlin-Tegel und München, teilte Lufthansa mit.

Die 850 betroffenen Passagiere könnten ihre Tickets nun zur Fahrt mit der Bahn einsetzen, hieß es. Denn die Fluggäste dürften "in dieser Zeit voraussichtlich keine Möglichkeit haben, ihre gebuchten Flüge zu erreichen". Lufthansa-Kunden könnten sich unter lh.com über den Flugstatus erkundigen. "Passagiere, die ihre Daten online hinterlegt haben, werden aktiv informiert." Bis zum Sonntagnachmittag hatten auch Easyjet, Ryanair und Aeroflot Flüge in Schönefeld gestrichen.

Ver.di: Streiks könnten ausgeweitet werden

Mit dem Streik will die Gewerkschaft die Arbeitgeber dazu bringen, für rund 23.000 Beschäftigte der Flugsicherheit ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. "Jetzt geht es darum, Druck aufzubauen und deutlich zu machen, dass die Beschäftigten auch streikwillig sind, dass sie bereit sind, für ihre Forderungen auch auf die Straße zu gehen", sagte Ver.di-Sprecher Andreas Splanemann der Nachrichtenagentur Reuters. Berlin mache den Anfang, möglicherweise würden andere Regionen folgen. Die Ferienzeit der einzelnen Bundesländer soll dabei jedoch ausgeklammert werden

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) hatte Ende Dezember ein Angebot vorgelegt, das Ver.di als unzureichend zurückwies. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des Stundenlohns im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle auf 20 Euro. Ein Passagierabfertiger in Berlin verdient Ver.di zufolge derzeit 17 Euro brutto. Die Tarifverhandlungen sollen am 23. Januar in Berlin fortgesetzt werden.

Lufthansa äußerte am Sonntag Unverständnis für den Streikaufruf: "Die Eskalation dieses Tarifkonflikts zwischen Sicherheitsdienstleistern und der Gewerkschaft Ver.di mit Auswirkungen für viele Hundert Fluggäste in Berlin ist unnötig und ärgerlich", erklärte Kayser.

Erst zu Jahresbeginn war der Manager in das Führungsgremium von Europas größter Fluggesellschaft eingezogen - als Konsequenz der massiven Störungen im Flugbetrieb 2018. Kayser soll etwa Standards zum Betriebsablauf in allen Fluglinien der Gruppe - also Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Eurowings - koordinieren.

abl/dpa/Reuters

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nuffel01 06.01.2019
1. 17%?
In welcher Branche bekommt man denn so eine Erhöhung? Und ein Stundenlohn von 20? für eine angelernte Tätigkeit? Hier geht jedes Maß verloren.
kunibertus 06.01.2019
2. Bei einem Planansatz von 173 h/Monat
Zitat von nuffel01In welcher Branche bekommt man denn so eine Erhöhung? Und ein Stundenlohn von 20? für eine angelernte Tätigkeit? Hier geht jedes Maß verloren.
ergibt das für diese angelernte Tätigkeit 3.460 EUR brutto pro Monat. Es sollen sich mal alle die melden, die diesen Betrag ohne jegliche Ausbildung erhalten. Oder ist Sicherheitsmitarbeiter am Flughafen neuerdings ein Lehrberuf mit dreijähriger Ausbildung?
egbert_sass 06.01.2019
3. Angebot & Nachfrage?
Wäre denkbar, dass es hier Personalknappheit aufgrund der scharfen Sicherheitsüberprüfungen nach Paragraph 7 Luftsicherheitsgesetz gibt. https://www.gesetze-im-internet.de/luftsig/__7.html Mir scheinen diese Überprüfungen noch weiter zu gehen als z.B. für die Erteilung einer WBK (von Sachkunde und Bedürfnis mal abgesehen) erforderlich. Da trennt sich rasch die Spreu vom Weizen. (1a) Die Luftsicherheitsbehörde bewertet die Zuverlässigkeit des Betroffenen auf Grund einer Gesamtwürdigung des Einzelfalles. In der Regel fehlt es an der erforderlichen Zuverlässigkeit, 1. wenn der Betroffene wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe, Jugendstrafe oder Geldstrafe von mindestens 60 Tagessätzen oder mindestens zweimal zu einer geringeren Geldstrafe verurteilt worden ist, wenn seit dem Eintritt der Rechtskraft der letzten Verurteilung fünf Jahre noch nicht verstrichen sind, 2. wenn der Betroffene wegen eines Verbrechens oder wegen sonstiger vorsätzlicher Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist, wenn seit dem Eintritt der Rechtskraft der letzten Verurteilung zehn Jahre noch nicht verstrichen sind, 3. wenn tatsächliche Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Betroffene Bestrebungen nach § 3 Absatz 1 des Bundesverfassungsschutzgesetzes verfolgt oder unterstützt oder in den letzten zehn Jahren verfolgt oder unterstützt hat. Bei sonstigen Verurteilungen oder beim Vorliegen sonstiger Erkenntnisse ist im Wege der Gesamtwürdigung nach Satz 1 zu prüfen, ob sich daraus im Hinblick auf die Sicherheit des Luftverkehrs Zweifel an der Zuverlässigkeit des Betroffenen ergeben. Als sonstige Erkenntnisse kommen insbesondere in Betracht: 1. laufende oder eingestellte Ermittlungs- oder Strafverfahren, 2. Sachverhalte, aus denen sich eine Erpressbarkeit durch Dritte ergibt, 3. Sachverhalte, aus denen sich Zweifel am Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ergeben, 4. Alkohol-, Rauschmittel- oder Medikamentenabhängigkeit oder regelmäßiger Missbrauch dieser Substanzen, 5. Angabe von unterschiedlichen beziehungsweise falschen Identitäten bei behördlichen Vorgängen.
28zwei27 07.01.2019
4.
Die Anforderungen an das Personal lauten nach einer akt. Ausschreibung: * Sehr gute Deutschkenntnisse * Grundkenntnisse in Englisch * Einwandfreies Führungszeugnis * Gesundheitliche Eignung * Bereitschaft zum Schicht- und Wochenenddienst Soweit zur (richtigen) Behauptungen, es sei angelernte Personal. Die wirkliche Qualifikation hat man/frau im vergangenen Jahr gleich mehrfach sehen können: Als Flughäfen mehrfach komplett geschlossen werden mußten, weil Passagiere unkontrolliert in den Sicherheitsbereich gelangen konnten.
Hans58 07.01.2019
5.
Zitat von 28zwei27Die Anforderungen an das Personal lauten nach einer akt. Ausschreibung: * Sehr gute Deutschkenntnisse * Grundkenntnisse in Englisch * Einwandfreies Führungszeugnis * Gesundheitliche Eignung * Bereitschaft zum Schicht- und Wochenenddienst Soweit zur (richtigen) Behauptungen, es sei angelernte Personal. Die wirkliche Qualifikation hat man/frau im vergangenen Jahr gleich mehrfach sehen können: Als Flughäfen mehrfach komplett geschlossen werden mußten, weil Passagiere unkontrolliert in den Sicherheitsbereich gelangen konnten.
Bei den meisten Vorfällen waren die Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten nicht beteiligt. Wenn ein Drogenabhängiger mit seinem Auto ein geschlossenes Tor durchbricht, ist das zwar ein Sicherheitsvorfall, hat aber nichts mit der Qualifikation von Sicherheitspersonal zu tun. In einem anderen Fall war die Sicherheitskontrolle bei einem Passagier noch nicht abgeschlossen, was den Passagier aber nicht hinderte, den Bereich zu verlassen, wobei das schon öfter vorkam.
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