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Warnung an Dubai-Touristen: Mohnbrötchen-Schmugglern droht Haftstrafe

Reisende in die Vereinigten Arabischen Emirate sollten vor dem Abflug keine Mohnbrötchen essen: Selbst kleinste Krümel auf der Jacke könnten mehrere Jahre Gefängnis nach sich ziehen, warnen Rechtshelfer. Ein deutscher Reisender sitzt jetzt sogar wegen Besitzes eines Medikaments im Gefängnis.

Im boomenden Reiseziel Dubai gelten Stoffe als Drogen, die man hierzulande beim Bäcker oder in der Apotheke kaufen kann. Schon kleinste Spuren von ihnen können in den Vereinigten Arabischen Emiraten mehrere Jahre Gefängnis nach sich ziehen, wie die Organisation Fair Trials International warnt.

Blick auf das Burj Al Arab Hotel und die Palmeninsel Jumeirah: Dubai-Touristen werden immer wieder als vermeintliche Drogenschmuggler verhaftet
REUTERS

Blick auf das Burj Al Arab Hotel und die Palmeninsel Jumeirah: Dubai-Touristen werden immer wieder als vermeintliche Drogenschmuggler verhaftet

"Wir haben Berichte über einen Schweizer, der in Dubai verhaftet wurde. An seiner Kleidung hatte man Mohnsamen von einem Brötchen gefunden, das er vor dem Start am Flughafen Heathrow gegessen hatte", sagt Catherine Wolthuizen, Chefin von Fair Trials International. "Mohn ist in den Emiraten verboten wie Cannabis", sagt Wolthuizen.

Die Organisation setzt sich mit Anwälten für gerechte Verfahren gegen Touristen ein, denen in den Golfstaaten der Prozess gemacht wird. "In den vergangenen 18 Monaten ist die Zahl der Fälle massiv gestiegen", sagt Wolthuizen.

Häufig endet die Dubai-Reise hinter Gittern, weil Sicherheitsleute verbotene Medikamente im Koffer finden. Seit rund zwei Wochen wartet ein deutscher Mitarbeiter der TV-Produktionsfirma Endemol auf eine Anklage in Dubai: Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird der 31 Jahre alte Cat Le-Huy, der als technischer Leiter an der Produktion der Reality-TV-Show "Big Brother" in Großbritannien beteiligt ist, wegen Besitzes illegaler Substanzen festgehalten.

Nach Angaben von Angehörigen und Freunden des Inhaftierten hatte Le-Huy, der in London lebt und in Dubai Urlaub machen wollte, eine Flasche mit dem Hormon Melatonin bei sich - als Mittel gegen Schlafstörungen nach langen Flügen.

Auch im deutschen Auswärtigen Amt sind die strengen Einreisebestimmungen der Vereinigten Arabischen Emirate immer wieder ein Thema. In den Reisehinweisen verweist die Behörde darauf, dass auf die Einfuhr geringster Mengen Drogen in Reisegepäck, an Kleidung oder am Körper langjährige Haftstrafen stehen können. "Selbst der unter Umständen einige Tage zurückliegende Konsum auch weicher Drogen wird durch Bluttests festgestellt und entsprechend hart bestraft", heißt es. Dass Reisende wegen Drogenbesitzes bei kleinsten Mengen vier Jahre ins Gefängnis gehen, sei "nicht ungewöhnlich", bestätigt ein Sprecher.

Auf seiner Internetseite veröffentlicht das Gesundheitsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate eine Liste von verbotenen Stoffen. Darunter ist auch Kodein, ein Bestandteil von einigen rezeptpflichtigen Schmerzmitteln.

Haft wegen Cannabis-Spuren unter dem Schuh

Die Organisation Fair Trials International setzt sich zurzeit für einen Briten ein, bei dem bei einem Zwischenstopp in Dubai ein Zigarettenstummmel unter dem Schuh klebte. Die Kontrolleure fanden darin 0,003 Gramm Cannabis. Im September 2007 wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Mann wartet nun auf eine Gelegenheit für ein Gnadengesuch. Jedes Jahr erlässt der Scheich von Dubai zum Fastenmonat Ramadan eine Amnestie.

Nur wenige Wochen hat eine 45-jährige Britin im Jahr 2005 im Gefängnis verbracht, nachdem sie mit Kodein erwischt wurde. Sie kam frei, nachdem ein Arzt bescheinigt hatte, dass das Medikament ausschließlich für ihre chronischen Rückenschmerzen eingesetzt werde.

reh

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