Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wegen Wirtshausschlägerei: USA warnen vor Reisen nach Garmisch-Partenkirchen

Von

Der Appell des US-Konsulats ist eindringlich: US-Bürger sollen Garmisch-Partenkirchen an diesem Wochenende meiden - im Interesse ihrer eigenen Sicherheit. Hintergrund der Warnung ist eine Schlägerei vor einer Kneipe, bei der böse Worte gefallen waren. Deutsche Behörden sind verärgert.

Hamburg - Bei der zuständigen Polizeibehörde Oberbayern ist man genervt. Immer wieder die Anrufe und die Fragen, was das US-Konsulat veranlasst habe, eine Reisewarnung für die bayerische Provinz auszugeben. Und Garmisch-Partenkirchen, bekannt für Sommerfrische, Wintersport und Alpenidyll, mit Iran, Sri Lanka und dem Jemen in punkto Sicherheit beinahe auf eine Stufe zu stellen. Eine Antwort darauf hat man im Polizeipräsidium nicht. Dafür eine Menge Unverständnis.

In einem Schreiben, das US-Bürgern in ganz Deutschland tausendfach per E-Mail zugeschickt und auch im Internet veröffentlicht worden ist, heißt es: "Das US-Konsulat in München rät amerikanischen Staatsbürgern, öffentliche Sammelplätze, vor allem Restaurants, Bars und Discotheken, die von Amerikanern besucht werden, im Großraum Garmisch-Partenkirchen am Wochenende des 4. Juli zu meiden."

Pläne für den Katastrophenfall

In der Begründung heißt es, es gebe Berichte, wonach "eine deutsche Gruppe einen Vergeltungsschlag gegen US-Bürger in Garmisch-Partenkirchen plant". Der Grund sei eine Auseinandersetzung zwischen einem Mitglied der amerikanischen Streitkräfte und deutschen Staatsangehörigen.

"An diesem Wochenende werden US-Bürger dazu angehalten, besonders wachsam zu sein und angemessene Maßnahmen zu treffen, um ihre Sicherheit zu erhöhen", warnt das US-Konsulat. Amerikaner werden dazu aufgerufen, sich auf den Websites der US-Botschaften über die Sicherheitslage in Deutschland zu informieren und sich im Internet zu registrieren, damit "es dem Konsulat im Katastrophenfall leichter fällt, sie zu informieren."

Das Konsulat in München hat die Warnung bekräftigt: "Wenn wir so eine Bedrohung haben, müssen wir unsere Bürger informieren", sagte Konsulatssprecherin Kathryn Crockart.

"Alltägliche Wirtshausschlägerei"

Bis zum Sonntagmittag war es in der 27.000-Einwohner-Stadt mit Alpenpanorama laut eines Polizeisprechers ruhig geblieben. Ansonsten, so grantelt man, gebe es zu dem Vorfall nichts weiter zu sagen. Die Sache sei "irgendwie entsponnen und dann hochgeschaukelt worden".

Im Klartext heißt das: Die oberbayerischen Behörden sollen über die Warnung im Vorfeld nicht informiert gewesen sein. Der Anlass scheint aus Sicht der deutschen Sicherheitsbehörden banal. Am vergangenen Wochenende ist es demnach vor der Kneipe "Peaches" in der Garmisch-Partenkirchener Innenstadt zu einer Prügelei zwischen einem zivilen Angestellten der US-Armee und einem Deutsch-Türken gekommen.

Mehrere Menschen wurden verletzt. Am Ende soll einer der beteiligten Deutsch-Türken laut einem Bericht des "Münchner Merkur" dem Amerikaner gedroht haben, man werde mit mehreren Freunden zurückkehren und Rache üben.

Bei der oberbayerischen Polizei spricht man von einer "alltäglichen Wirtshausschlägerei". Diese sei von den US-Behörden völlig falsch interpretiert worden, sagte ein Sicherheitsbeamter dem "Münchner Merkur". Ein Vergeltungsschlag gegen alle Amerikaner? Weit gefehlt.

"Die Kirche im Dorf lassen"

Vielmehr geht man bei der Polizei davon aus, dass es sich um "Drohgehabe" nach der Schlägerei gehandelt habe. Anzeichen für einen Vergeltungsschlag gab es laut einem Polizeisprecher bis zum Sonntagnachmittag nicht. Irritiert waren die deutschen Behörden über das vorschnelle Handeln des US-Konsulats allemal.

Insofern bemüht man sich in Garmisch-Partenkirchen mit aller Kraft, die Idylle wiederherzustellen - und Misstöne zu vermeiden. Der Bürgermeister gestand den Amerikanern zu, ihre Bürger zu informieren. "Aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen", sagte Thomas Schmid vom Christlich Sozialen Bündnis dem "Garmisch-Partenkirchener Tagblatt" . Er hoffe sehr, dass sich die Situation schnell wieder entspanne.

Bei der Polizei zeigte man sich zwar überrascht über die Heftigkeit der Reaktion des US-Konsulats, bemühte sich aber um Deeskalation. "Wir nehmen den Sachverhalt sehr wohl ernst, aber die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen sind ausreichend", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Rosenheim.

Man sei nach der Warnung zwar besonders aufmerksam und habe die Kollegen vor Ort sensibilisiert - aber man dürfe den Vorfall, der zu der Reisewarnung führte, auch "nicht überbewerten". Inzwischen habe sich die Lage etwas entspannt.

Die Drohungen seien nach einem Gespräch mit dem Beteiligten wieder zurückgenommen worden, hieß es von der Polizei. Der Mann habe nach eigener Aussage nicht beabsichtigt, seine Drohung wahrzumachen.

Auch das US-Konsulat hat angekündigt, zurückzurudern und die Warnung Montag aufzuheben: "Wir werden das höchstwahrscheinlich wieder von unserer Website nehmen", erklärte Sprecherin Kathryn Crockart.

Dann ist ja auch das Wochenende des US-Unabhängigkeitstages vorbei. Und in Garmisch-Partenkirchen vermutlich der Alltag wieder eingekehrt.

Mit Material von dpa und AP.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Garmisch-Partenkirchen: US-Reisewarnung für Oberbayern