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27. März 2015, 14:12 Uhr

A320-Absturz

Deutsche Airlines führen Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein

Hätte ein Crewmitglied im Cockpit den tragischen Absturz in den Alpen verhindern können? Deutsche Fluggesellschaften führen jetzt die Zwei-Personen-Regel ein. Auch Airlines anderer Länder verändern ihre Richtlinien.

Berlin - Der Absturz des Germanwings-Airbus am Dienstag hat die Luftfahrtbranche weltweit alarmiert. Und die Unternehmen vor allem dazu gebracht, ihre Cockpit-Regeln zu überprüfen: Viele Airlines wollen nun keine Piloten mehr allein im Cockpit erlauben, Flugsicherheitsbehörden kündigen Neuregelungen oder Überprüfungen an. Sicherheitsexperten warnen jedoch davor, von dem "Vier-Augen-Prinzip" zu viel zu erwarten.

Bei dem Unglück in den französischen Alpen soll nach Erkenntnissen der Ermittler der Pilot ausgesperrt gewesen sein und der Co-Pilot das Flugzeug auf Crashkurs gesteuert haben. Viele Airlines sind jetzt in Sorge, dass Passagiere das Vertrauen ins Fliegen verlieren.

In Europa sind die Airlines bislang nicht zum Vier-Augen-Prinzip verpflichtet, teilweise wurde es aber schon so praktiziert. Zurzeit denken die EU-Behörden aber über neue Empfehlungen für die Besetzung des Cockpits nach. EU-Mitarbeiter erklärten in Brüssel, sie berieten mit der Branche und den nationalen Regierungen darüber. Derzeit würden kurzfristige Maßnahmen geprüft, hieß es. "Wir sprechen über die Zahl der Personen im Cockpit." Es werde ermittelt, ob neue Empfehlungen angemessen und machbar seien.

In Deutschland haben sich die Airlines am Freitag darauf verständigt, dass sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten soll. Die Fluglinien hätten die freiwillige Vereinbarung als Reaktion auf das tragische Flugzeugunglück in Frankreich beschlossen, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in Berlin mit. Danach müssen immer zwei autorisierte Crewmitglieder im Cockpit eines Flugzeugs sein.

Wie alle andern verändert auch die Lufthansa ihre Sicherheitsregeln. Die Passagier-Airlines des Konzerns, also neben den deutschen Fluglinien auch Swiss und Austrian, sollten so schnell wie möglich in Abstimmung mit ihren jeweiligen Aufsichtsbehörden das neue Verfahren umsetzen, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Auch Österreich führte offiziell die Zwei-Personen-Regelung für Cockpits ein. Die Maßnahme gelte ab sofort, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Wien. Sie forderte eine entsprechende europaweite Regelung.

Die Regelung der Flugüberwachung Austro Control betrifft die Fluggesellschaften Austrian Airlines und Flyniki. Austrian Airlines ist eine Tochter der Lufthansa, Flyniki gehört zu Air Berlin. Air Berlin selbst hatte ebenso wie Easyjet und mehrere andere Fluggesellschaften bereits am Donnerstag angekündigt, dass künftig stets zwei Menschen im Cockpit anwesend sein müssen.

In Großbritannien ändern die meisten Airlines ihre Regeln nach einer Empfehlung der Flugsicherheitsbehörde. In Frankreich hieß es von Air France, man verfolge aufmerksam Entwicklung und Ergebnisse der juristischen und technischen Untersuchungen. Die Frage der Anwesenheit einer zweiten Person im Cockpit sei ein wichtiges Thema.

In den USA schreiben die Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde FAA bereits seit den Anschlägen vom 11. September vor, dass sich immer mehr als ein Besatzungsmitglied im Cockpit aufhält.

Auch Australien überprüft die Regeln. Die Regierung habe von den Fluglinien Informationen zu den Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Neuseeland führt die Zwei-Personen-Regel ab sofort ein, teilte die dortige Zivil-Luftfahrtbehörde (CAA) mit.

Allerdings besteht bei den Experten Skepsis, ob eine Vier-Augen-Regel wirklich etwas bewirken kann: BDL-Geschäftsführer von Randow hatte am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" gewarnt, in puncto Sicherheit seien "Schnellschüsse das Falscheste, was man machen kann".

Der ehemalige Sicherheitschef der polnischen Fluggesellschaft LOT, Jerzy Dziewulski, sagte, Flugbegleiter könnten während der Abwesenheit eines der Piloten nichts machen, um eine Katastrophe zu verhindern. "Der Pilot in der Kabine sagt: Setz dich, fass nichts an, du hast keine Ahnung. Ich bin derjenige, der die Maschine steuert", sagte er im Sender TVN 24.

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann erklärte im ZDF: "Mir stellt sich die Frage, wenn ein Mensch mit solcher Energie einen kriminellen Akt begehen will, ob das dann zu verhindern ist, wenn beispielsweise eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter im Cockpit ist."

Im Video: Deutsche Fluglinien führen Zwei-Personen-Regel ein

abl/dpa/AFP

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