Hotelangebote Wellness trotz Kinder? Mit Kindern!

Hoteliers von Wellnesshäusern machen Kindern Platz am Pool. Immer mehr gestresste Eltern buchen Familienpakete. Doch nicht bei allen Gästen löst Kindergeschrei im Erholungsurlaub Begeisterung aus - und auch in der Branche ist die Entwicklung umstritten.

Mit den Eltern im Pool: In vielen Wellnesshotels gibt es mittlerweile Kinderzeiten im Spa
TMN

Mit den Eltern im Pool: In vielen Wellnesshotels gibt es mittlerweile Kinderzeiten im Spa


Berlin - Wellnessurlaub heißt für viele: Abschalten, Entspannung und endlich etwas Ruhe haben. Kinder wollen im Urlaub aber: Action, Spannung und laut sein dürfen. Kann das zusammenpassen? Offenbar schon: Unter Wellnessurlaubern sind immer mehr Gäste mit Kindern. Und viele Hoteliers haben inzwischen Familienangebote für gestresste Eltern. Nach Expertenansicht wären sie auf dem Bauernhof oft aber besser aufgehoben als im Spa.

"Familien haben zunehmend Wellness für sich entdeckt", sagt Antonino Minneci von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die auf der Reisemesse ITB aktuelle Daten zum Thema vorgestellt hat. Demnach sind immer mehr Familien unter den Wellnessurlaubern: Lag der Anteil 2011 noch bei gut einem Zehntel (11 Prozent), stieg er 2012 auf fast ein Fünftel (18 Prozent).

Vor zehn Jahren wäre diese Entwicklung noch undenkbar gewesen, sagt Michael Altewischer von der Kooperation Wellness Resorts & Hotels, die die GfK-Studie zusammen mit dem Reiseportal Beauty24 in Auftrag gegeben hat. Damals habe der einzige Wunsch der Gäste noch gelautet: Ruhe, bitte! Das habe sich inzwischen geändert - nicht zuletzt dadurch, dass Männer Wellness für sich entdeckt hätten und die Hoteliers deshalb mehr Aktivprogramm böten.

Tobestunde am Pool

Jetzt machen die Hoteliers auch Kindern Platz im Pool: Seit ein paar Jahren haben immer mehr Häuser Familienpakete im Angebot. Denn auch sie spüren das gestiegene Interesse, wie eine Befragung von Hoteliers gezeigt hat: Rund jeder Achte (gut zwölf Prozent) hat 2012 eine höhere Nachfrage von Familien verbucht.

Zum veränderten Angebot gehörten etwa Kinderzeiten im Spabereich und in der Sauna, erklärt Altewischer. "In der Regel morgens ein bis zwei Stunden und nachmittags noch mal eine Stunde." In dieser Zeit sei klar, dass es lauter werden kann. "Kinder müssen toben dürfen." So seien solche Zeiten zum Teil extra als "Tobestunden" deklariert.

Einige Häuser bieten zusätzlich eine Kinderbetreuung, die etwa geführte Wanderungen umfasst. Oder eine Kinderabteilung, wo zusammen gekocht wird und die Kleinen etwas über gesunde Ernährung lernen, zählt Altewischer auf. Der Vorteil dieser Kombination: Eltern könnten ihre Kinder mitnehmen, aber trotzdem zwischendurch eine Auszeit nehmen und ein paar Stunden für sich haben, erklärt Roland Fricke von Beauty24.

Lutz Hertel hält das dennoch für keine so gute Idee: "Kinder haben ganz andere Bedürfnisse als Erwachsene, das passt also ganz schlecht zusammen", sagt der Experte vom Deutschen Wellness Verband, der die Qualität von Anbietern in diesem Bereich prüft. Erwachsene wollten in der Regel in Ruhe entspannen. Kinder seien laut und gehörten raus in die Natur. "Beides lässt sich ganz schlecht unter einen Hut bringen."

Ältere Hotelbesucher sind gelassener

Auch einige Hoteliers stehen der Idee skeptisch gegenüber - in manchen Häusern sind Familien mit jüngeren Kindern ausdrücklich unerwünscht. Eltern sollten sich daher immer vorab erkundigen, welche Regeln im Wellnesshotel gelten, rät Altewischer. Wenn klar geregelt sei, wann im Spa Ruhe herrsche, lasse sich Streit vermeiden. Lutz Hertel ist da etwas weniger optimistisch. Er erlebe es immer wieder, dass sich Gäste wegen Kinderlärms in die Haare kriegen, erzählt er. Zwar kennt auch er Beispiele, bei denen der Spagat gelingt. "Aber das sind Luxushotels." Für Familien mit in der Regel kleinem Budget also eher nichts.

In einigen Häusern gibt es sogar spezielle Wellness-Anwendungen für Kinder. Gesichtsmasken und Schokomassagen für Fünfjährige. Was ist denn von solchen Spielereien zu halten? "Gar nichts", meint Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Auch Hertel findet solche Angebote "furchtbar": "Ich halte das für sehr fragwürdig und nicht kindgerecht."

Rolf Pieper vom Deutschen Sauna-Bund empfiehlt außerdem, Kinder erst ab dem dritten Lebensjahr mit in eine öffentliche Sauna zu nehmen. Zumindest sollten Eltern die Früherkennungsuntersuchung U4 im vierten Lebensmonat abwarten, um gesundheitliche Risiken abzuklären. Anfangs sollten Kinder außerdem nur eine halbe Minute in die Sauna hineinschnuppern und sich dann langsam steigern, ergänzt Fegeler.

Wenn Familien ernsthaft etwas für eine gesunde Lebensweise tun wollen, seien sie auf einem Bauernhof oft besser aufgehoben, sagt Lutz Hertel. Ansonsten sei die Frage, ob sie sich nicht besser ein Familienhotel mit Wellnessbereich als ein Wellnesshotel mit Familienbereich suchen sollten.

Tobias Schormann, dpa



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
ISTQB 12.03.2013
1. Nur noch Lärm...
Zitat von sysopTMNHoteliers von Wellnesshäusern machen Kindern Platz am Pool. Immer mehr gestresste Eltern buchen Familienpakete. Doch nicht bei allen Gästen löst Kindergeschrei im Erholungsurlaub Begeisterung aus - und auch in der Branche ist die Entwicklung umstritten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/wellnesshotels-immer-mehr-angebote-fuer-familien-a-888190.html
und tobende Bälger und Eltern die ihre Kinder nur begleiten anstatt sie zu erziehen. Egal wo man sich seinen Rückszugsort vom Streß im Alltag gesucht hat - irgendwann fällt die Heuschreckenplage auf 2 Beinen wieder ein... Und da wundern sich die Gutmenschen, wenn man sich lieber allein ins Auto setzt anstatt mit dem Zug zu fahren oder seine Euros zusammen hält um sich den Luxusurlaub fern ab vom "Familienurlaub" finanzieren zu können... Das Problem sind nicht die Kinder, sondern die Eltern, die sich das Recht heraus nehmen ihre selbstgetroffene Wahl des Elterndaseins anderen Menschen partout aufoktruieren zu müssen. Und wenn diese keine Lust dazu haben, dann ist man kinderfeindlich.
spmc-129372683232763 12.03.2013
2.
Nach meiner Erfahrung ist diese Einstellung zu Kindern sehr weit verbreitet!! Merkel sollte sich den Demographiegipfel schenken !! Der Zug ist abgefahren! Das hedonistische Individuum ist der Mensch der Zukunft!
frieda1975 12.03.2013
3. Wie könnte man bloß
Zitat von ISTQBund tobende Bälger und Eltern die ihre Kinder nur begleiten anstatt sie zu erziehen. Egal wo man sich seinen Rückszugsort vom Streß im Alltag gesucht hat - irgendwann fällt die Heuschreckenplage auf 2 Beinen wieder ein... Und da wundern sich die Gutmenschen, wenn man sich lieber allein ins Auto setzt anstatt mit dem Zug zu fahren oder seine Euros zusammen hält um sich den Luxusurlaub fern ab vom "Familienurlaub" finanzieren zu können... Das Problem sind nicht die Kinder, sondern die Eltern, die sich das Recht heraus nehmen ihre selbstgetroffene Wahl des Elterndaseins anderen Menschen partout aufoktruieren zu müssen. Und wenn diese keine Lust dazu haben, dann ist man kinderfeindlich.
auf die Idee kommen, dass Sie kinderfeindlich wären? Sie waren sicher nie ein "tobendes Balg" oder? Ob man nun mit seinen kleinen Kinder in ein Wellness-Hotel verreisen muss, sei mal dahingestellt. Ebenso wie mein Mann und ich uns Besuche in einem feineren Restaurant mit unserenzwei "Bälgern" gerade auch nicht vorstellen können, finde ich Ihren Duktus äußerst bedenklich. Also ich habe mich meiner Entscheidung für eine Familie wegen bislang weder als "Heuschreckenplage" noch als "Gutmensch" angesehen. Und wissen Sie: Ebenso, wie Sie unsere Gegenwart ertragen müssen, müssen wir die Ihre ertragen.
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