Raumschiff-Spotting in Baikonur Russland öffnet Weltraumbahnhof für Touristen

Wenn Kosmonauten ins All fliegen, ist das für viele ein großer Moment. Der betriebsamste Weltraumbahnhof der Erde öffnet sich nun offiziell für Touristen. Trips zum Raketenstart-Spotting sollen bald buchbar sein.

REUTERS

Mitten in der kasachischen Steppe liegt ein Ort, der künftig mehr Besucher anziehen dürfte als zuvor: Baikonur. Hier befindet sich der betriebsamste Weltraumbahnhof der Erde. Von keiner anderen Station starten pro Jahr mehr Raketen in die Weiten des Alls. Um bei einem solchen Spektakel dabei zu sein, können Interessierte sich bald mit offizieller Erlaubnis an einen Reiseveranstalter wenden - und einen Trip zum Kosmodrom planen.

Mehr als 40 Unternehmen hoffen derzeit darauf, eine Lizenz von Russlands Weltraumbehörde Roscosmos zu erhalten. Dies berichtet das russische Nachrichtenportal "Russia Beyond the Headlines". Bei welchen Anbietern man das Raketen-Spotting künftig wird buchen können, soll noch im Dezember bekannt gegeben werden.

Die Raumfahrtbehörde will durch die Erlaubnisvergabe den Weltraumtourismus am Boden fördern - und auch besser überwachen, wie es in dem Bericht unter Berufung auf eine Pressemitteilung von Roscosmos heißt. Bisher gebe es nur etwa zehn Unternehmen, die Touristen nach Baikonur bringen, offenbar nicht ganz offiziell und auch nur dank persönlicher Verbindungen ins Kosmodrom.

"Wer neu im Geschäft ist, benötigt Kontakte zu Roscosmos", sagt Tatyana Avgustinovich, Projektmanagerin bei der Spaceport Travel Agency. Nur so sei es bisher möglich, direkt mit Baikonur Abmachungen zu treffen. Bisher bringt das Geschäft mit Reisen nach Baikonur um die 100 Millionen US-Dollar jährlich ein. Künftig könnte sich diese Summe deutlich erhöhen.

Zu den beliebtesten Attraktionen, sagt Tatyana Avgustinovich, zählen die Starts von bemannten Raumschiffen. Davon gibt es in Baikonur jährlich jedoch nur etwa vier. Deutlich häufiger heben Weltraumfahrzeuge ohne Kosmonauten ab. Im Jahr 2014 gab es in Baikonur 21 Starts. Zum Vergleich: Von Cape Canaveral in den USA hoben im selben Jahr 18 Raketen ab.

Russland will den gepachteten Weltraumbahnhof in Kasachstan noch bis 2050 betreiben. Im kommenden Jahr, voraussichtlich im April 2016 und mit einem Verzug von vier Monaten, soll das neue Kosmodrom Wostotschnij eröffnet werden, das Prestigeprojekt von Präsident Wladimir Putin. Von dem Startplatz an der Grenze zu China will Moskau Raumschiffe zum Mond schicken und mit Satellitenstarts viel Geld verdienen.

jus



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insgesamt 5 Beiträge
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Pfaffenwinkel 03.12.2015
1. Wurde auch Zeit
Endlich mal etwas, was sich nur wirklich Reiche leisten können - einen bezahlten Trip ins Weltall. Man gönnt sich ja sonst nichts.
SpitzensteuersatzZahler 03.12.2015
2.
Ich durfte mal den Start einer Atlas Rakete bewundern und würde jederzeit viel dafür geben, bei einer richtigen Mission wie Space Shuttle (leider ja nicht mehr) oder anderen bemannten großen Vorhaben observieren zu dürfen.
transsib_reisen 03.12.2015
3. kombinieren mit Transsibirischer Eisenbahn:
nach Baikonur geht es easy mit der Transsibirischen Eisenbahn, damit schlaegt man 2 Fliegen mit 1 Klappe: http://www.transsibirischeeisenbahn.me Was heisst hier "bald" zu buchen? Gibt es schon heute, Link siehe oben. Auch Flug mit echter MiG 29 ist im Programm, allerdings muss vorher Medizin-Check bestanden werden wegen extremer vertikaler Beschleunigung bis 22 km Hoehe.
totalmayhem 03.12.2015
4.
Da den russischen Touristen die beliebten Urlaubsziele wie Aegypten, Tuerkei und Montenegro ausgehen und Urlaub bei Kerzenlicht auf der Krim nicht jedermanns Sache ist, muessen sie ja irgendwohin. ;)
Robert_Rostock 04.12.2015
5.
Zitat von PfaffenwinkelEndlich mal etwas, was sich nur wirklich Reiche leisten können - einen bezahlten Trip ins Weltall. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Lesen-verstehen... Scheint wirklich für manche eine riesige Herausforderung zu sein. Hier geht es um Reisen nach Kasachstan zum Kosmodrom, um dort bei einem Raketenstart zuzusehen. Man bleibt also mit beiden Füßen auf der Erde. Weltraumtourismus, also bezahlte Flüge ins All, gibt es schon länger. Der erste Tourist im All war Dennis Tito im Jahr 2001.
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