Weltenbummler Die verrückte Reise in einem unglaublich leichten Flugzeug

Ein Pärchen aus Berlin fliegt mit einem Ultraleichtflugzeug über 100 Länder. Der gefährlichste Moment ihrer Reisen ist immer die Landung: Wehe, wenn die Wolkendecke zu dicht ist.

Von Katja Döhne

trike-globetrotter.de

Was ihnen richtig gefährlich werden kann, sind dicke Wolken. "Wenn wir da rein geraten, verlieren wir komplett die Orientierung." Andreas Zmuda fliegt mit seiner Co-Pilotin Doreen Kröber in einem denkbar kleinen Flieger, einem Ultraleichtflugzeug. Einmal um die ganze Welt, das ist der Plan. Sofern sie immer einen Weg finden, sicher zu landen.

In Kolumbien ist das fast schief gegangen. "Die Wolkendecke war so dicht, wir haben einfach kein Loch zum Runtergehen gefunden." Eine brenzlige Situation, denn der kleine Tank fasst nur Sprit für wenige Stunden Flug. "Der Tower in Kolumbien hat uns in letzter Minute zwei Kampfjets geschickt. Die haben dann in 20 Kilometer Entfernung ein Wolkenloch gefunden", erzählt Zmuda, immer noch aufgeregt beim Gedanken an diesen Moment.

Durch kräftiges Auf- und Abfliegen schafften es die Kampfjets, das Wolkenloch größer und damit schneller erreichbar für den Miniflieger zu machen. Die Rettung. "Als wir gelandet waren, hat mir einer der Kampfjet-Piloten aus Achtung vor meiner Leistung sein kolumbianisches Hoheitsabzeichen geschenkt. Er hat es mit einem Messer von der Uniform geschnitten und mir überreicht. Da hatte ich schon feuchte Augen."

Fliegende Nomaden

Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit erlebten Doreen Kröber und Andreas Zmuda überall auf ihrer Reise um die Welt. Das mag daran liegen, dass die beiden sympathisch rüberkommen: der 53-jährige Zmuda mit seiner Lebemann-Aura und seiner Berliner Schnauze, die auch im Englischen deutlich zu hören ist, und Kröber, seine zehn Jahre jüngere Freundin, zurückhaltender als ihr Lebensgefährte, aber genauso notorisch gut gelaunt.

Es liegt aber wohl vor allem daran, dass sie in vielen Ländern schlichtweg eine Sensation sind. Denn mit ihrem offenen Fluggerät, das nicht viel mehr ist als ein Trike mit Propeller und zwölf Meter breitem Flugsegel, landen sie auf internationalen Airports, zwischen Passagierflugzeugen und Privatjets. Und wenn es sein muss, auch mal auf einer verlassenen Landebahn mitten im Amazonasdschungel oder an einem verlassenen Strand in Ecuador. Klar, dass da die Bevölkerung im Dörfchen nebenan ihren Augen nicht traut.

Seit vier Jahren ist das Berliner Pärchen jetzt schon unterwegs. Hundert Länder wollen sie schaffen, Land Nummer 36, die Dominikanische Republik, haben sie vor ein paar Wochen erreicht. Ursprünglich war der Plan, den Globus in drei Jahren zu umfliegen, Ankunft im Frühjahr 2015 - die Frist ist längst verstrichen.

Zu sensibel reagiert ihr kleiner Flieger auf ungünstige Wetterlagen, manchmal warten sie wochenlang auf Ersatzteile oder notwendige Papiere. "Das hier ist für uns keine Reise mehr, es ist längst unser Lifestyle. Wir sind jetzt fliegende Nomaden", sagt Kröber. Gleich geblieben ist der Zielort: In Sydney wollen sie eines Tages landen. Nur wann es soweit ist, darauf wollen sie keine Antwort mehr geben.

Machu Picchu und Afrikas Elefanten

Für die Reise haben sie ihr früheres Leben hinter sich gelassen. "Das war für mich ein wesentlich größerer Schritt als für ihn", sagt Doreen Kröber. Ihr Freund Andreas hat schon immer ein unkonventionelles Leben geführt. Vor Jahrzehnten verließ der gelernte Elektriker seine Heimat Berlin, schlug sich in Mittel- und Südamerika durch. Zuletzt als Touristenführer im Amazonasgebiet.

Kröber hingegen führte ein eher normales Leben: Die Wirtschaftsingenieurin aus Halle arbeitete auf einer verantwortungsvollen Position auf der Großbaustelle am Berliner Flughafen BER. Ihren Hunger auf mehr Abenteuer im Leben stillte sie damals mit Fernreisen. 2010 flog sie nach Peru - einmal Machu Picchu sehen. Ihr Reiseführer ist Andreas Zmuda, die beiden verlieben sich, ziehen gemeinsam nach Berlin.

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In Deutschland fangen sie schon bald an, gemeinsam Reisepläne zu schmieden. "Unsere erste Idee war es, mit einem Ultraleichtflugzeug durch die USA zu fliegen", sagt Zmuda. Doch Kröber will auch die Orte sehen, an denen ihr Freund gelebt hat, bevor die beiden sich kannten: Belize, Kolumbien, Venezuela, Tobago, Ecuador.

So muss das alles irgendwie aus dem Ruder gelaufen sein. "Plötzlich wollte Doreen auch noch die Elefanten in Afrika sehen." Sie einigten sich auf eine Weltreise, und verkauften ihre Möbel, Wohnung, Kleider. "Ich habe nur noch ein Sommerkleidchen", sagt Kröber. Ansonsten trägt sie Funktionskleidung, alles andere wäre in ihrem Miniflieger Übergepäck.

Alleine über den Atlantik

Für 50.000 Euro ließen sie sich das Ultraleichtflugzeug bauen und starteten im Juli 2012 ihre Reise in den USA. Ein bürokratischer Trick, denn hier gilt ihr 230 Kilogramm leichtes Fluggerät als "Leichtsportflugzeug". Wäre es, wie in Deutschland, als "Ultraleichtflugzeug" klassifiziert, wäre ihnen die Fliegerei in vielen Ländern von vornherein verboten.

Nur wenige Tage vor dem geplanten Reisestart in Florida muss Zmuda noch die Prüfung für den notwendigen Flugschein bestehen. Trotz jahrelanger Flugerfahrung in kleinen Fliegern fällt er durch - darf die Prüfung aber ausnahmsweise schon am nächsten Tag wiederholen.

Wie sie denn ihre Reise finanzieren, das ist eine der meistgestellten Fragen an die beiden. Der Ausverkauf des alten Lebens hat ihnen den Start ermöglicht. Nun unterbrechen sie ihre Reise einmal im Jahr, kommen nach Deutschland, verkaufen Bücher und gehen auf Tour: In Vorträgen erzählen sie von ihrem Abenteuer, zeigen Videos und lassen die spektakulärsten Momente vor Publikum Revue passieren.

Dieser Heimataufenthalt ist im Gegensatz zu ihrer Weltumrundung zeitlich begrenzt. Im März geht es zurück in die Dominikanische Republik. Dort haben sie ihren Flieger zwischengeparkt. Sie wollen weiter Richtung New York, Kanada, über Grönland, Island, die Shetland-Inseln rüber nach Norwegen. Zum ersten Mal wird Andreas Zmuda alleine fliegen müssen, denn für die langen Flüge braucht er einen extra Tank - kein Platz für seine Co-Pilotin. "Da ist mir schon ein bisschen mulmig", sagt Kröber. Bei der waghalsigen Atlantiküberquerung wäre sie gerne mitgeflogen, anstatt am Boden zu warten.

Webseite von Andreas Zmuda und Doreen Kröber: www.trike-globetrotter.de

SPIEGEL TV berichtete 2013 über die beiden Weltenbummler:



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
didi2212 12.02.2016
1. Über den Atlantik?
Die Entfernungen zwischen Kanada > Grönland > Island sind nicht so groß, als dass man es mit einem Zusatztank nicht schaffen könnte. Aber die Wetterverhältnisse über den nördlichen Regionen sind sehr launisch. Ein Begleitboot unten auf dem Wasser wäre ratsam.
naklar261 12.02.2016
2. gut zu sehen
das es noch Leute gibt die tun was sie wollen, gefaellt mir
FrankDr 12.02.2016
3.
Ich habe selbst Weltenbummler als Freunde und die erinnern mich oft daran, im spießigen Leben auch mal verrückte, kindische Dinge zu tun.
humptata 12.02.2016
4. Wenn man in Deutschland VFR,
das ist nach Visual Flight Rules, also Sichtflugregeln, über einer geschlossenen Wolkendecke fliegt, dann ist das legal, solange das Loch vom Dienst da ist und man mit einem ausreichenden Abstand zu den Wolken wieder unter die Wolkendeck kommt. Hat das Loch vom Dienst Urlaub, bekommt man Ärger, weil man dann ohne die erforderliche Lizenz und/oder die erforderliche Ausrüstung durch die Wolken nach unten muss. Und da kommen dann in der Regel auch keine Kampfflugzeuge, die einem ein Loch in die Wolken brennen, und aus der Kombi geschnittene Hoheitszeichen gibt's auch nicht. Stattdessen gibt es, wenn das jemand merkt, eins zwischen die Hörner.
joerg.begau 12.02.2016
5. Nicht nur Weltenbummler ...
... die beiden sind auch sehr gute Reiseleiter. Noch einmal vielen Dank für die 3 spannenden Wochen am Amazonas und die eine oder andere Fliegerstory, wenn es drohte langweilig zu werden....
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