Wetterlage in der Unglücksnacht: Hohe Wolken, heikler Job

Die Flugstrecke von Rio de Janeiro nach Paris führt durch eine Zone, die für Turbulenzen bekannt ist. In der Unglücksnacht, in der der Air-France-Flug AF447 verschwand, türmten sich die Wolken bis zu 16 Kilometer hoch. Diese zu umfliegen ist eine anspruchsvolle Aufgabe für Piloten.

Hamburg - Auf dem Weg von Südamerika nach Europa queren Flugzeuge die sogenannte Innertropische Konvergenzzone, ein Tiefdruckgebiet in Äquatornähe, in dem oft schwere Gewitter auftreten und starke Turbulenzen entstehen. Auch die Route des Air-France-Flugs AF447 führte direkt in diese Zone. Das Flugzeug verschwand in den frühen Morgenstunden des Pfingstmontags aus bislang noch nicht bekannten Gründen.

Satellitenbild in der Nacht des Verschwindens: "Typisch für die Jahreszeit"
Meteomedia / Unwetterzentrale.de

Satellitenbild in der Nacht des Verschwindens: "Typisch für die Jahreszeit"

Ein Satellitenbild des Wetterdienstes Meteomedia, aufgenommen zur mutmaßlichen Absturzzeit, zeigt die für die Konvergenzzone typischen, perlenschnurartig aufgereihten Wolken. Je weißer die Darstellung auf dem Infrarot-Wärmebild ist, desto tiefer sind die Temperaturen - und umso höher sind die Wolken.

Die Meteomedia-Analyse der Satellitenbilder ergibt eine Temperatur der höchsten Wolken von minus 75 bis minus 77 Grad Celsius, teilte der Dienst mit, das entspreche einer Wolkenobergrenze von 16 bis 17 Kilometer Höhe. Der vermisste Air-France-Airbus soll in elf Kilometer Höhe geflogen sein.

"Die Crew hatte die Aufgabe, diese hochreichenden Wolken mit Hilfe des Bordradars und dem Blick aus dem Cockpit-Fenster zu umfliegen", erklärt Meteomedia-Chef Jörg Kachelmann. Dass Gewitterwolken umflogen werden müssen, passiere auch in Europa und in Deutschland laufend. Ein Durchstoßen der Wolken könnte wegen der extremen Turbulenzen strukturelle Schäden am Flugzeugrumpf verursachen.

Die Gewitterwolken wären somit fünf bis sechs Kilometer höher als das Flugzeug selbst gewesen. Laut Kachelmann wäre ein Überfliegen von Gewitterwolken auch bei weniger hohen Wolken eine nach vorherrschender Pilotenmeinung eher problematische Entscheidung, die in diesem Fall aber erst recht keine Option war. Das Umfliegen von Gewitterwolken aber sei besonders bei Nacht keine einfache Angelegenheit, weil das Bordradar hintereinander liegende Gewitterzellen schlecht einschätzen könne.

Flug AF447: Verschwunden über dem Atlantik
SPIEGEL ONLINE

Flug AF447: Verschwunden über dem Atlantik

Trotzdem, so Kachelmann, sei die "Gewitterlage über dem Atlantik nicht schwieriger oder gefährlicher als üblich" gewesen. Auf dem Satellitenbild sei zu erkennen, dass zwischen den hellweißen Gewitterwolken größere weniger aktive Zwischenräume ohne Gewitter vorherrschten.

Aus den meteorologischen Gegebenheiten ließen sich daher keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Absturzursache ziehen. Die Wetterlage über dem Atlantik sei typisch für diese Jahreszeit gewesen.

abl

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