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Wiederaufnahme des Luftverkehrs: Deutsche Airlines fahren Flugbetrieb hoch

Offiziell gilt das Flugverbot über Deutschland noch bis 14 Uhr - dennoch nutzen die Fluglinien vermehrt die Ausnahmeregelung. In Frankfurt, München und Berlin weiten die Gesellschaften den Betrieb aus. Mit Spannung werden jetzt die Ergebnisse eines Messfluges durch die Aschewolke erwartet.

Hamburg - Einen Tag nach der teilweisen Öffnung des Luftraums nimmt der Betrieb an den deutschen Airports zu. In Frankfurt, München und Berlin rollten am Dienstagmorgen wieder erste Maschinen über die Start- und Landebahnen.

Die Deutsche Flugsicherung hatte wegen der über Europa hängenden isländischen Aschewolke den Luftraum zwar bis 14 Uhr geschlossen, Flüge zu Sonderkonditionen aber erlaubt. Am Montag hatten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten zudem auf eine Lockerung des Flugverbots verständigt.

Auf dem größten deutschen Airport in Frankfurt am Main waren am Montag rund 25 Maschinen gestartet und gelandet. Am Dienstag sollten es nach Angaben eines Sprechers deutlich mehr werden. Die Lufthansa plant für den Tag rund 140 Flüge.

In München will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihr reguläres Programm wieder aufnehmen. Auch die Lufthansa wolle sich rasch ihrem Normalprogramm nähern, sagte Flughafen-Sprecher Peter Prümm. "Wenn alles wie geplant läuft, werden wir heute 457 Flüge abwickeln." Das seien etwa 40 Prozent eines normalen Flugtages. Angesteuert würden deutsche Städte, aber auch weiter entfernte Ziele wie Peking, Phuket oder Kairo.

Auf dem Berliner Flughafen Tegel hob kurz nach 6 Uhr der erste Flieger in Richtung Palma de Mallorca ab. Ebenso wie in den anderen Städten, darunter auch Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg, waren auf den beiden Flughäfen der Hauptstadt bereits am Montagabend die ersten Flugzeuge gestartet und gelandet. Trotz der Ausnahmeregelungen werden aber weiterhin Dutzende Flüge ausfallen. Viele Streichungen sind laut Fluggastinformation in Berlin-Schönefeld zu erwarten. Für genauere Informationen klicken Sie auf die Links zu den einzelnen Flughäfen in der linken Spalte.

Gestrandete Fluggäste werden zurückgebracht

Die Air Berlin fliegt nach Angaben ihres Vorstandschefs Joachim Hunold wieder größtenteils nach Plan. "Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Tages zu einem Normalbetrieb zurückkehren werden," sagte Hunold am Dienstag im Deutschlandfunk. Es seien lediglich einige Verbindungen gestrichen worden.

Bereits am Montag habe es 104 Flüge durch Air Berlin gegeben. Dabei seien 15.000 Passagiere zurückgeholt worden. In den nächsten zwei bis drei Tagen sollten alle gestrandeten Fluggäste wieder nach Deutschland gebracht werden, gab sich Hunold optimistisch. Angesichts der hohen Zahl von noch immer festsitzenden Passagieren plädierte Hunold für eine zeitlich befristete Lockerung des Nachtflugverbots.

Die Lufthansa hatte am Montag eine Sondererlaubnis für 50 Flüge aus Asien, Nord- und Südamerika erhalten, mit denen am Dienstag 15.000 Passagiere in Frankfurt, München und Düsseldorf zurückerwartet wurden. Die ersten Flugzeuge waren am Dienstagfrüh bereits gelandet. Die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol erwartete eine Normalisierung des Luftverkehrs bis Donnerstag, sollte die Aktivität des Asche speienden isländischen Vulkans weiter abnehmen.

Die EU-Verkehrsminister hatten am Montag beschlossen, den Luftraum teilweise wieder freizugeben. Der Luftraum solle in drei Zonen unterteilt werden und nur dort geschlossen werden, wo eine bestimmte Konzentration der Asche überschritten wird. Entscheidende Kriterien werden unter anderem Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein.

Reykjavik gibt Entwarnung

Während in Deutschland wieder geflogen wird, müssen die Briten wohl noch länger warten: Die Aussichten auf eine baldige Normalisierung des Luftverkehrs in Großbritannien haben sich wieder verschlechtert. Von Island nähere sich eine neue Vulkanaschewolke, teilte die britische Flugsicherung am Montagabend mit. Die Fluggesellschaft British Airways hat deshalb für Dienstag bereits alle Kurzstreckenflüge gestrichen.

Die Eruptionen des Vulkans auf Island seien wieder stärker geworden und eine Aschewolke breite sich nach Süden und Osten in Richtung Großbritannien aus. Man habe es mit rasch wechselnden Bedingungen zu tun. An ihren Plänen für eine teilweise Öffnung des Luftraums ab Dienstagmorgen hielt die Flugaufsicht aber fest. Zunächst sollen um 8 Uhr in Schottland die Flüge wieder aufgenommen werden. Die Beschränkungen für Nordengland und Wales sollten um 14 Uhr aufgehoben werden. Für die Londoner Flughäfen gelte dies aber noch nicht, teilte die Behörde mit. Am Montag hatte Premierminister Gordon Brown Schiffe der Royal Navy über den Ärmelkanal geschickt, um gestrandete britische Urlauber nach Hause zu bringen.

Die Meldungen aus London über neue Aschewolken widersprechen jüngsten Erklärungen des Meteorologischen Instituts in Reykjavik. Danach schickt der Gletschervulkan auf Island kaum noch Asche Richtung Europa. Der Vulkan unter dem Gletscher Eyjafjallajökull sei zwar weiter unvermindert aktiv. Er stoße aber immer mehr Lava statt Wasserdampf und Asche aus. Außerdem erreicht die Rauchsäule nur eine sehr geringe Höhe.

Auch Unionspolitiker kritisieren Ramsauer

Mit möglichen Konsequenzen aus dem Flugverbot will sich der Bundestagsverkehrsausschuss an diesem Dienstag in einer Sondersitzung befassen. Dabei wollten die Abgeordneten mit Vertretern von Regierung, Fluggesellschaften, Flugsicherung, Flughäfen und Deutschem Wetterdienst eine Bestandsaufnahme machen und Maßnahmen erörtern. Die Fluggesellschaften befürchten Milliardenverluste und kritisieren die für die Luftraumsperrungen verantwortlichen Computersimulationen des Londoner Volcanic Ash Advisory Centers.

Scharfe Kritik gibt es derweil auch aus der Politik am Krisenmanagement von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) - auch aus der eigenen Regierungskoalition. Der CDU-Obmann im Wirtschaftsausschuss, Andreas Lämmel, sagte der "Bild"-Zeitung: "Verkehrsminister Ramsauer muss sich fragen lassen, wie die unterschiedlichen Bewertungen zu erklären sind. Es darf nicht sein, dass wir uns angesichts der immensen wirtschaftlichen Schäden vor allem im Tourismus allein auf Messungen berufen, die höchst umstritten sind."

Der FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring kritisierte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" die Wortwahl Ramsauers, der den Fluggesellschaften zynisches Aufrechnen von Umsatzeinbrüchen und Risiken für Leib und Leben von Passagieren vorgeworfen hatte. Er hätte die Sicherheitsphilosophie der Fluggesellschaften nicht in Zweifel gezogen, sagte Döring, der sich in der Sache aber hinter Ramsauer stellte.

Dörings Fraktionskollege Horst Friedrich kritisierte dagegen die Amtsführung Ramsauers. Der Minister habe "zu starr" ausschließlich die Sicherheit im Blick und vernachlässige die Probleme der Menschen, die aus dem Ausland endlich zurückkommen wollen, sagte der FDP-Verkehrsexperte.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte bereits am Montag auf SPIEGEL ONLINE der Bundesregierung "Nachlässigkeit" im Umgang mit dem Chaos im Luftverkehr vorgehalten. Ramsauer hatte zuletzt Kritik von Fluggesellschaften an dem Flugverbot als unverantwortlich zurückgewiesen. Sicherheit habe für ihn oberste Priorität. Das internationale Regelwerk sei mit der Sperrung von weiten Teilen des europäischen Luftraums strikt befolgt worden.

Mit Spannung werden an diesem Dienstag die Messergebnisse eines Forschungsflugzeuges vom Typ Falcon 20E des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erwartet, das am Montagnachmittag von Oberpfaffenhofen aus zu einem mehr als dreistündigen Flug über Deutschland gestartet war, um die Aschewolke zu erkunden. Bei dem Flug hatte die Maschine Aschewolkenstrukturen in sehr unterschiedlichen Höhen zwischen zwei und zwölf Kilometer festgestellt. Die Ergebnisse sollen laut DLR bis Dienstagmittag ausgewertet sein. Die Experten konnten bei dem Flug deutliche Braunfärbungen der Luft feststellen. "Es gibt die Wolke wirklich", sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

anr/dpa/ddp/AFP/Reuters

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Fotos Michael Kappeler/ DDP, Bulls/ Barcroft Media

Heft 16/2010:
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Was ist ein Sichtflug?

Grundprinzip des Sichtfluges ist - der Name lässt es vermuten -, dass der Pilot genügend Sicht nach draußen hat. Flüge in Wolken sind also verboten. Normalerweise fliegen so nur kleine Propellerflugzeuge.

Allein der Pilot ist für die Sicherheit von Maschine und Passagiere zuständig. Er muss im unteren Luftraum auch ohne Lotsenhilfe Mindestabstände zu anderen Flugzeugen und den Wolken einhalten. Dabei kann er aber Funkfeuer und Satelliten-Navigation nutzen. Die Lufthansa-Flüge sollen als sogenannte kontrollierte Sichtflüge durchgeführt werden. Radarlotsen unterstützen dabei die Piloten.

Im Sichtflug können wesentlich weniger Flugzeuge gleichzeitig unterwegs sein als unter Kontrolle der Flugsicherung, die sie staffelt und in Luftkorridore einreiht. Außerdem verbrauchen die Jets im unteren Luftraum viel mehr Kerosin, weil der Luftwiderstand größer ist.

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Was Arbeitnehmer beachten müssen
Besteht Lohnanspruch bei Fehltagen wegen Flugausfall?
Nein, fehlen Arbeitnehmer im Job, darf der Chef ihnen das Gehalt kürzen. Das gilt auch, wenn sie nicht zur Arbeit kommen können, weil ihr Flug wegen der Aschewolke aus Island ausfallen musste. Sie haben keinen Anspruch auf eine Fortzahlung des Lohns. Arbeitnehmer tragen das sogenannte Wegerisiko: Beschäftigte sind selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich zur Arbeit kommen.
Wie ist die Rechtslage?
Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sieht vor, dass Arbeitnehmer weiter Anspruch auf ihren Lohn haben, wenn sie ohne eigenes Verschulden "vorübergehend verhindert" sind und deshalb fehlen. Dafür muss ein Arbeitnehmer aber einen Grund haben, der "in seiner Person" liegt. Das gilt etwa, wenn der Vater oder die Mutter eines kranken Kindes zu Hause bleiben. Ereignisse wie einen Fluglotsenstreik oder einen Vulkanausbruch, die nicht nur den Einzelnen betreffen, fallen nicht darunter.
Droht eine Abmahnung?
Arbeitnehmer müssen keine Abmahnung fürchten, wenn sie infolge des gesperrten Luftraums über Europa am Urlaubsort festsitzen. Der Arbeitgeber kann auch nicht argumentieren, dass Arbeitnehmer sich schon früher um eine Alternative zur Reise mit dem Flugzeug hätten kümmern müssen.
Wann ist der Arbeitgeber zu informieren?
Arbeitnehmer sind verpflichtet, den Arbeitgeber sofort zu informieren, wenn sie wegen eines ausgefallenen Fluges nicht zum Dienst kommen können. (Quelle: dpa)
Fotostrecke
Island: Nahaufnahmen vom Vulkan

Sperrung des Luftraums
Für eine Sperrung des Luftraums sind die nationalen Verkehrsministerien zuständig - in Deutschland dementsprechend das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Über eine etwaige Sperrung wird in enger Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entschieden.

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol koordiniert die Flugbewegungen zwischen den verschiedenen europäischen Lufträumen. Ihr Hauptsitz ist in Brüssel, in Deutschland ist die Organisation nur für einen geringen Teil der Flüge im Norden des Landes zuständig. Um die Abstimmung der Flugpläne in Europa kümmert sich die Unterabteilung Central Flow Management Unit (CFMU). Von dort werden die Informationen zu den Fluglotsen an den Flughäfen weitergeleitet.