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Winter-Vorbereitung: Bahn testet Glykol gegen Schnee und Eis

Vereiste Strecken, kaputte Züge: Der Winter legt den Schienenverkehr immer wieder lahm. Nun setzt die Deutsche Bahn auf ein paar Strecken vorbeugend Frostschutzmittel ein. Bewährt sich die Methode, könnte sie häufiger angewandt werden.

ICE in der Glykoldusche: 16 Schnellzüge testen die neue Enteisungsanlage der Bahn Zur Großansicht
REUTERS

ICE in der Glykoldusche: 16 Schnellzüge testen die neue Enteisungsanlage der Bahn

Frankfurt am Main - Großzügig sprühen 42 Düsen von unten den ICE-3 mit einem warmen Glykolgemisch ein. Sieben Minuten dauert die Fahrt über die Dusche. Das klebrige Gemisch legt sich um die am meisten gefährdeten Drehgestelle an den Rädern. Es soll für mindestens 24 Stunden verhindern, dass sich dort während der Fahrt Eis- und Schneeklumpen bilden. Diese sorgen immer wieder für Verspätungen und Ausfälle im Schnellbahnverkehr.

Die vorbeugende Behandlung mit dem Frostschutzmittel sollen zunächst nur 16 ICE 3-Züge der Deutschen Bahn bekommen - und zwar im Verkehr nach Frankreich, Belgien und in die Niederlande. Die Pilotanlage dafür - die erste dieser Art in Deutschland - wurde in Frankfurt am Main aufgestellt.

Schnell fahrende Züge saugten den Schnee förmlich an, sagte DB-Projektleiter Carsten Burmeister. Unter den Fahrzeugen wachsen daraus dicke Klumpen. Wenn sie sich irgendwann lösen und auf das Gleisbett stürzen, wirbeln sie Schottersteine hoch, die mit Wucht von unten gegen das Blech der Züge schlagen und dort Schäden verursachen. Das müsse repariert werden.

Der Schotterbelag sei allerdings nur in Frankreich noch ein Thema, denn hierzulande führen die Schnellzüge über Beton, sagte Burmeister. Aber alle vereisten Züge müssten bisher vor der Wartung drei bis vier Stunden lang enteist werden. Das soll künftig nur noch 15 Minuten dauern - Burmeister rechnet mit 80 Prozent weniger Schnee an den Zügen, wenn sie mit Frostschutz fahren.

Glykole üblich in Frostschutzmitteln

In der rund 600.000 Euro teuren Frankfurter Pilotanlage wird ein Gemisch aus jeweils 50 Prozent Propylen-Glykol und Wasser auf die Unterseite der Züge aufgesprüht, sobald die Temperaturen unter drei Grad sinken und Schneefall zu erwarten ist. Glykole werden häufig in Frostschutzmitteln und Enteisern verwendet. Ihr Schmelzpunkt liegt bei minus 11 Grad Celsius, in Verbindung mit Wasser bei bis zu minus 55 Grad.

Das Mittel sei biologisch abbaubar und ungiftig, sagte Burmeister. Im kommenden Frühjahr soll Bilanz gezogen und entschieden werden, ob weitere Anlagen in Betrieb genommen werden. Bis zu zehn seien für das gesamte DB-Netz nötig, schätzt Burmeister.

Im vergangenen Winter war nach Bahn-Statistiken zeitweise jeder vierte Fernzug verspätet. Um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten, stellt die Bahn nach eigenen Angaben mehr als 28.000 Mitarbeiter und externe Dienstleister bereit, die Schnee und Eis räumen sollen. 7500 Weichen wurden abgedeckt, damit Eisbrocken sie nicht blockieren können, außerdem wurden die Heizungen an 48.000 Weichen überprüft.

bon/Sabine Ränsch/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Umweltschaedlich?
Altesocke 07.11.2013
Im Gegensatz zu Flugzeugenteisungen wird ja am Bahnkoerper keine Auffangdrainage liegen. Wo beginn die Verseuchung des Grundwassers? Naja, die Weigeschichte wurde ja auch ueberlebt!
2. Gut so!
JaguarCat 07.11.2013
Glykol ist übrigens auch das übliche Frostschutzmittel in Scheibenwaschwasser in Autos. Mal schauen, ob es hilft, und die Bahn diesen Winter pünktlicher ist. Der letzte große "Sommerschaden", nämlich die Sperrung der Schnellfahrtstrecke zwischen Berlin und Hannover aufgrund Schäden des Elbe-Hochwassers, ist ja erst vor kurzem behoben worden: Seit Montag ist die Strecke wieder frei :-) Jag
3. Wie bitte?
tweet4fun 07.11.2013
Seit wann soll Glykol ungiftig sein? Oder ist Chemie "Neuland" für die Bahn? Glykol in Verbindung mit Wasser ist ab etwa 100 ml für Menschen durchaus tödlich. Wenn das Gemisch nicht ordentlich aufgefangen wird, kann es ins Grundwasser gelangen und wird somit zur Umweltgefahr.
4. So so....
graf.koks 07.11.2013
DB-Projektleiter Carsten Burmeister ist also der Ansicht, daß Glykol ungiftig ist. Fein dann! Er kann ja dann seinen Morgenkaffee mit Glykol süßen anstatt mit Zucker. Das Lernergebnis wird dann unter der Kategorie "Angewandte Evolutionstheorie" eingeordnet.
5.
c.PAF 07.11.2013
Außerdem ist das Zeug biologisch abbaubar, dann ist ja alles gut. Übrigens, Plastiktüten sind auch biologisch abbaubar, dauert halt nur ein paar hundert Jahre...
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