Winteralstervergnügen genehmigt: Hamburg geht aufs Glatteis

Das Eis ist dick genug: Die Umweltbehörde hat Hunderttausende Hamburger zu einem riesigen Winterfest eingeladen. Freitagmittag beginnt das Eisvergnügen auf der gefrorenen Alster, erstmals seit 15 Jahren. Kältefans sollten am Wochenende Schlittschuhe oder dicke Stiefel anziehen.

Alstervergnügen: Eisspaziergang im Herzen Hamburgs Fotos
AP

Hamburg - Zentimeter für Zentimeter frisst sich der Bohrer ins dunkle Eis der Hamburger Außenalster. Wilhelm Mähl, Fachmann für Wasserwirtschaft bei der städtischen Umweltbehörde, klopft den Bohrkopf frei und senkt die Spitze wieder ins Eis. Kurz darauf schwappt Wasser an die Oberfläche. Mähl stochert mit einem Messstab im Bohrloch und liest die Markierung ab. "Das sind, jo, knapp 20 Zentimeter", sagt er.

Die Umweltbehörde will kein Risiko eingehen. Bevor die endgültige Entscheidung über das Winterspektakel auf der Außenalster fallen konnte, musste Mähl noch 32 weitere Löcher bohren, an verschiedenen Stellen. Jetzt steht fest: Das Eis ist dick genug. "Ich freue mich, Ihnen zu sagen, dass das Alstereisvergnügen am Wochenende stattfinden kann", verkündete Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) am Mittwochnachmittag. "Meine Fachleute sagen: Es hält."

Am Freitagmittag soll der Budenzauber beginnen. Die Imbiss- und Getränkestände seien Freitag bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, teilten die angrenzenden Bezirke mit. Die Buden sollen jedoch nicht auf dem Eis, sondern am Ufer aufgestellt werden. So würden sich nicht so viele Menschen auf dem Eis zusammendrängen, und der Blick auf die Stadtsilhouette bleibe frei, erklärte der Sprecher der Umweltbehörde, Frank Krippner. Auch lande dann nicht so viel Müll auf der Alster. Gefahrenzonen wie die Eisflächen unter Brücken und die Fahrrinne am östlichen Ufer würden noch markiert, sagte die Senatorin bei der Bekanntgabe der Entscheidung.

"20 Zentimeter blasenfreies Eis"

Beim bisher letzten offiziellen Alstereisvergnügen vor 15 Jahren standen rund 150 Buden auf dem zugefrorenen innerstädtischen Gewässer - damals sei eine Dicke von 30 Zentimetern gemessen worden, sagte der Behördensprecher. Im Winter 2009/2010 hatte es trotz wochenlanger Kälte keine offizielle Genehmigung gegeben. Dennoch hatten sich Ende Januar 2010 an einem Wochenende 80.000 Hamburger auf eigene Gefahr auf die zugefrorene Außenalster gewagt.

"Was wir brauchen für ein erfolgreiches Alstervergnügen sind 20 Zentimeter blasenfreies Eis", hatte Krippner bei der ersten Bohrung am Mittwochmorgen gesagt. Mit den 15 bis 22 Zentimetern Dicke, die die Messungen nun ergeben haben, ist er zufrieden. Auch die Vorhersage des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation, die Minusgrade und viel Sonnenschein verspricht, kommt den Hamburgern gelegen.

Trotz der Ankündigung, dass das Alstereisvergnügen stattfinden kann: Das Risiko beim Betreten der Eisfläche trägt jeder selbst. Die Behörde gebe nicht grundsätzlich eine Eisfläche zum Betreten frei, sagt Krippner. Die vielen Eisläufer und Spaziergänger, die die schneegefleckte Fläche bereits erobert haben, handeln also auf eigene Gefahr - auch die Eishockey-Profis der Hamburg Freezers, die ihr Training am Mittwochnachmittag schon mal auf die Außenalster verlegten.

Vor dem Betreten der Binnenalster jedoch warnt die Umweltbehörde ungeachtet der Messergebnisse im äußeren Teil des Gewässers. Weil an mehreren Stellen der Binnenalster Wasser zuläuft, sei die Eisdecke dort nicht stabil. "Hier herrscht akute Lebensgefahr", sagt Krippner.

jus/dapd

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