Winterchaos in Frankfurt Lufthansa gibt Fraport Schuld an Flugausfällen

Schleppende Enteisung, zu wenig Personal für die Abfertigung: Die Lufthansa gibt dem Frankfurter Flughafen eine Mitschuld an Hunderten von Flugstreichungen. Fraport wehrt sich, verweist auf höhere Gewalt - und auf die ungewöhnliche Konsistenz des Schnees.

dapd

Frankfurt am Main - Das Winterwetter hat zu Hunderten Flugausfällen am Flughafen Frankfurt geführt. Die Lufthansa gibt dem Betreiber Fraport dabei eine erhebliche Mitschuld: Der Flughafen habe sich nicht ausreichend auf die frostigen Temperaturen vorbereitet - obwohl der Wintereinbruch vorhersehbar gewesen sei.

Fraport habe der Airline die Enteisung von 50 Flugzeugen in der Stunde zugesagt, am Dienstag habe sie aber nur rund 20 Lufthansa-Maschinen pro Stunde auf die Starts im kalten Winterwetter vorbereiten können, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft. Am Vortag seien es sogar noch weniger Maschinen pro Stunde gewesen - am Montag waren in Frankfurt 414 Flüge annulliert worden.

Ein Großteil der mehr als hundert Lufthansa-Annullierungen allein am Dienstag bis zur Mittagszeit sei auf fehlende Kapazitäten bei Fraport zurückzuführen. Auch beim Beladen der Maschinen mit Gepäck oder beim Betanken gebe es Verzögerungen wegen fehlenden Personals. "Man muss schon mal kritisch hinterfragen, wie kann es zu so vielen Flugstreichungen kommen", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. "Das ist ein Zustand, den die Fraport mitzuverantworten hat."

"Was hier passiert, liegt außerhalb der Grenzen des Akzeptablen"

Fraport räumt Probleme bei der Enteisung der Flugzeuge ein, wehrt sich aber gegen die Vorwürfe ihres größten Kunden: "Die Lufthansa erzeugt den Anschein, dass hier alles zusammenbricht. Dem ist aber nicht so", sagte Fraport-Sprecher Thomas Uber SPIEGEL ONLINE. Er verweist auf die Zahl von 1400 planmäßigen Starts und Landungen an einem Dienstag, denen bislang 266 ausgefallene Flüge bis zum frühen Nachmittag gegenüberstünden. Verzögerungen bei der Abfertigung der Flugzeuge wegen fehlenden Personals gebe es nicht.

Den Hauptgrund für das Chaos am Frankfurter Flughafen sieht Uber in den speziellen Witterungsbedingungen: Die mit der Lufthansa vereinbarten Kapazitäten bezögen sich auf für Frankfurt erwartbare Wetterlagen. Der gefallene Schnee habe aber eine andere Konsistenz als gewohnt. Daher dauere die Enteisung der Flugzeuge nicht wie üblich 10 bis 15 Minuten, sondern bis zu 45 Minuten. Zu den üblicherweise 36 eingesetzten Enteisungsmaschinen habe man nun auch noch sechs weitere in den Dienst gestellt, die eigentlich zur Wartung vorgesehen seien. Auch das Personal wurde verstärkt.

Die Lufthansa zeigt sich nicht beschwichtigt: "Bei allem Verständnis für die momentane Wettersituation - was zurzeit hier in Frankfurt, einem der weltweit größten internationalen Luftfahrtdrehkreuze passiert, liegt außerhalb der Grenzen des Akzeptablen", sagte Jachnow. Lufthansa hat ihren Heimatflughafen in Frankfurt und ist dort der mit Abstand wichtigste Kunde.

Die Lufthansa empfahl ihren Kunden, sich vor dem Abflug über ihren Flug zu informieren. Auf innerdeutschen Strecken werde das Flugticket für Bahnfahrten akzeptiert. Entsprechende Voucher könnten bei den Check-in-Automaten bezogen werden.

fdi/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
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Bre-Men, 30.11.2010
1. Zuwenig Personal!
Selber schuld. Drücken Frapport Personal abzubauen um Gebühren zu sparen und wundern sich dann, wenn keiner da ist. Diese Leute sind nur noch schizo.
bigcanvas 30.11.2010
2. Wohl eher die höhere Gewalt der Privatisierung
Wenn Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften privatisiert werden, wird nun mal alles der Gewinnmaximierung untergeordnet. Flugausfälle sind hier nur die harmloseren Begleiterscheinungen. Viel prekärer sind die sicherheitsrelevanten "Einsparungen" in den Fluggast- und Gepäckkontrollen sowie der Wartungsarbeiten an Fluggeräten und Instandsetzungsaufschübe bei Gebäudetechnik und Infrastruktur. Beim mehr und mehr zu einem Einkaufszentrum mutierenden Frankfurter Flughafen ist die von Aushilfen und Zeitarbeitern geprägte Beschäftigtenstruktur ein viel größeres Risiko als es die den Aktionären verpflichteten Finanzvorstände zugeben wollen.
alibaba2010 30.11.2010
3. Na und?
Was macht es schon aus, wenn ein paar Flüge ausfallen? Die Welt wird sich weiterdrehen...
Berlinger, 30.11.2010
4. Hier stimmt was nicht!
Sechs Enteisungsmaschinen wurden zusätzlich in Dienst gestellt, obwohl sie zur Wartung vorgesehen waren, heißt es jubelnd in dem Artikel. Doch hinter dieser scheinbar positiven Nachricht verbirgt sich ein unfreiwilliger Hinweis der Fraport-Führung auf Missmanagement: Man gibt doch Enteisungsmaschinen nicht gerade dann in die Wartung, wenn der schlimmste Wintereinbruch zu erwarten ist? Bisher gab es keine Flugzeuge zu enteisen, standen die Maschine somit den ganzen Sommer rum und mussten jetzt, ausgerechnet zu Beginn des Wintereinbruchs, in die Wartung? Hier stimmt doch was nicht! Das können die Fraport-Häuptlinge doch nicht mal ihren Großmüttern erzählen!
yk007 30.11.2010
5. Fraport ist ein Witz
Zitat von sysopSchleppende Enteisung, zu wenig Personal für die Abfertigung: Die Lufthansa gibt dem Frankfurter Flughafen eine Mitschuld an Hunderten von Flugstreichungen. Fraport wehrt sich und verweist auf höhere Gewalt.* http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,732051,00.html
Für Fraport geht es nicht um die Personenvekehr, sondern die Gebühren und Geschäft der Flughafen für den Luftfahrtshandel einkassiert. Personenverkehr ist für Fraport ein notwendiges Übel, mehr nicht. Man muss im Flughafen nur rumschauen. Die Sicherheitskontrollenbereiche sind alt und irgendwo in einer Ecke versteckt, und die glänzende Shops haben Vorrang. Die Toiletten sind entweder zu voll und schmützig oder man findet die mehr kaum. Die Arroganz des Flughafens seit dem der Flughafen auf der Börse gegangen ist, ist einfach zum Kotzen.
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