Winterchaos: Mehr als 100.000 Bahnfahrer wollen Geld zurück

Bei der Deutschen Bahn sind in diesem Winter etwa 110.000 Anträge auf Fahrpreiserstattung eingegangen. Grund ist die große Zahl an Verspätungen und Ausfällen. Unternehmenschef Rüdiger Grube sprach von dem härtesten Winter seit 40 Jahren.

Anzeigetafel in Hamburg (im Dezember): Härtester Winter "seit 40 Jahren" Zur Großansicht
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Anzeigetafel in Hamburg (im Dezember): Härtester Winter "seit 40 Jahren"

Weimar - Zehntausende Bahnfahrer fordern nach dem Winterchaos im Schienenverkehr ihr Geld zurück. Bei der Deutschen Bahn AG hätten bislang rund 110.000 Fahrgäste wegen Zugausfällen und Verspätungen eine Erstattung beantragt, sagte der für den Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Ulrich Homburg am Freitag in Weimar.

Das seien mehr als im vergangenen Winter. Mit welchen Summen das Unternehmen zu rechnen habe, sei bislang unklar. Viele Anträge würden noch bearbeitet. "Nicht jeder Antrag ist auch berechtigt", sagte Homburg.

Bahnchef Rüdiger Grube verteidigte sein Unternehmen unterdessen gegen wachsende Kritik. Rasche Abhilfe gegen die Technikprobleme der Deutschen Bahn im Winter gebe es nicht, sagte er am Freitag in der ARD. Die Bundesregierung nahm den staatseigenen Konzern angesichts der vielen Zugausfälle und Verspätungen im verschneiten Dezember in Schutz. Das Verkehrsministerium drängte die Bahn zugleich zu Investitionen in eine neue S-Bahn-Flotte für Berlin. Mehr Geld vom Bund soll es dafür jedoch nicht geben.

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Bahn im Winter: Ärger durch Schnee und Eis
Schnelle Lösungen gibt es nicht

Grube stellte in dem Interview fest: "Schnelle Lösungen gibt es bei der Bahn nicht, weil alles zertifiziert, alles berechnet, alles freigegeben werden muss vom Eisenbahnbundesamt." Der Bahnchef wies abermals die Behauptung zurück, die Bahn habe mit einem harten Sparkurs die Probleme selbst verursacht.

"Ich glaube, man darf es sich auch nicht zu einfach machen. Was haben zu dünn konstruierte Räder oder ein falsch ausgewählter Werkstoff an einer Achse mit Sparen zu tun? Überhaupt nichts", sagte Grube. Hier lägen technische und konstruktive Mängel vor. "Das ist beim ICE 3 der Fall, das ist auch bei anderen Fahrzeugen der Fall, das ist auch bei der Berliner S-Bahn der Fall."

Die Bahn sei zudem mit dem härtesten Winter "seit 40 Jahren" konfrontiert: "Da hat sich die Bahn im Vergleich zum Flugzeug und zum Auto hervorragend geschlagen", sagte Grube.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, man sehe die großen Bemühungen der Bahn, ihre enormen Probleme in den Griff zu bekommen. "Eine ideale Bahn ist eine, die bei Wind und Wetter immer pünktlich kommt und jeden auf die Minute genau abliefert. Das ist noch nirgends erreicht worden", sagte Seibert.

Bei der notleidenden Berliner S-Bahn ist eine Entscheidung über die Anschaffung neuer Züge noch nicht gefallen. Das Verkehrsministerium macht aber Druck auf den Mutterkonzern Deutsche Bahn. Möglichst schnell sollen neue Züge in Auftrag gegeben werden, damit in etwa vier Jahren die ersten eingesetzt werden können.

Neue Flotte muss her

Bei einem Treffen von Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle mit Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag seien sich beide einig gewesen, dass in den kommenden Jahren "eine neue Flotte her muss", sagte Ministeriumssprecher Richard Schild. Derzeit kann wegen Reparaturen und umfangreicher Wartungen nur rund die Hälfte der Wagen eingesetzt werden.

Die Beschaffung neuer S-Bahn-Züge muss der Bahn-Vorstand beschließen. Die bundeseigene Deutsche Bahn ist der Mutterkonzern der S-Bahn Berlin. Die Länder Berlin und Brandenburg bestellen die Verkehrsleistungen der S-Bahn. Bis die ersten neuen Fahrzeuge einsatzbereit wären, dürften mindestens vier Jahre vergehen. Der Auftrag muss nach EU-Recht ausgeschrieben werden.

Der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) betonte, die Bahn sei ohnehin vertraglich verpflichtet, in bestimmten Abständen neue Züge anzuschaffen. "Das ist nichts Neues. Etwas Konkretes habe ich von Herrn Scheurle noch nicht gehört", sagte Wowereit.

sto/dpa

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Für Geld die verprochene Leistung erhalten
mundi 07.01.2011
Zitat von sysopBei der Deutschen Bahn sind in diesem Winter etwa 110.000 Anträge auf Fahrpreiserstattung eingegangen. Grund ist die große Zahl an Verspätungen und Ausfällen. Unternehmenschef Rüdiger Grube sprach von dem härtesten Winter seit 40 Jahren. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,738386,00.html
Wieso Geld zurück? Sie sind doch Bahn gefahren und somit die versprochene Leistung, von A nach befördert zu werden, erhalten.
2. So hart war der Winter nicht
Bluecher, 07.01.2011
Zitat von mundiWieso Geld zurück? Sie sind doch Bahn gefahren und somit die versprochene Leistung, von A nach befördert zu werden, erhalten.
Aber nicht in der zugesagten Zeit! Herr Grube hat wohl ein schlechtes Gedächtnis. Der Winter 1978/79 war mit Sicherheit härter als der Dezember 2010. In den 80igern waren auch einige sehr strenge Winter, wo es mir kalt wurde (diesen Winter war mir noch nicht kalt). Wenn solche Sprüche dahin gehauen werden, sollte sich der Vorstand einer Bundeskonzern-Behörde vorher schon mal etwas informieren!
3. Wo er recht het, hat er recht!
usti 07.01.2011
""Da hat sich die Bahn im Vergleich zum Flugzeug und zum Auto hervorragend geschlagen", sagte Grube. "
4.
archie, 07.01.2011
Der härteste Winter seit 40 Jahren? So ein Quatsch! "Das faulste Volk seit 40 Jahren" würde es besser beschreiben. Niemand nimmt mehr eine Schaufel in die Hand. Wo ist der legendäre Rentner, der um 6 den Bürgersteig freischaufelt, geblieben? Ach, der sitzt auf dem Frankfurter Flughafen fest, weil er Weihnachten im Süden verbringen wollte. Nicht nur, dass die Leute zu faul sind, Schnee wegzuräumen, die Angestellten des Ordnungsamtes sind auch zu faul, diese Gesetzesverstöße zu ahnden.
5. Jaja ...
MikeNaeheHamburg 07.01.2011
Zitat von BluecherAber nicht in der zugesagten Zeit! Herr Grube hat wohl ein schlechtes Gedächtnis. Der Winter 1978/79 war mit Sicherheit härter als der Dezember 2010. In den 80igern waren auch einige sehr strenge Winter, wo es mir kalt wurde (diesen Winter war mir noch nicht kalt). Wenn solche Sprüche dahin gehauen werden, sollte sich der Vorstand einer Bundeskonzern-Behörde vorher schon mal etwas informieren!
Jaja .. früher war alles besser. Vor allem die Dieselloks waren deutlich verbreiteter als heutzutage - und wie gut die Luft in deren Nähe war. Könnte man doch bloß die Zeit zurückdrehen. Meine Frau und ich schwärmen heute noch von den digitalen Heizungen (unerträgliche Hitze oder ausgeschaltet), dem hervorragend kundenorientierten Servicepersonal („Da hätten Sie sich vorher informieren müssen ...“) und den gut durchlüfteten Bahnhöfen, die als einzige Ernährungsmöglichkeit einen Automaten („Bitte nur passend einwerfen“) mit abgelaufenen Schokoriegeln zu bieten hatten. Ja, das war schon toll damals. Es gab auch nie Verspätungen. Und wenn, dann wurde halt eine als „Bahnservice“ verkleidete Gefängniswärterin vorgeschickt, die einen anblaffte, sodass man wirklich glaubte, es hätte nie eine noch so geringe Verspätung gegeben. Mal im ernst: Diejenigen, die im tiefsten Eis Bahn fahren wollen und am lautesten motzen, das sind größtenteils diejenigen, deren Flieger schon nicht mehr fliegt und die an ihren Autos Sommerreifen montiert haben. Hört auf zu flennen.
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Keolis
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