Winterfahrplan Bahn-Vorzeigestrecke und höhere Preise

Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember wird Bahnfahren teurer. Außerdem fällt der Mitfahrer-Rabatt weg. Dafür wirbt die Bahn kräftig für ihre neue Paradestrecke: Für die Strecke Hamburg-Berlin braucht der ICE ab Sonntag nur noch anderthalb Stunden.


Fahrplanwechsel: Für die Strecke Hamburg-Berlin braucht der ICE nur noch anderthalb Stunden
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Fahrplanwechsel: Für die Strecke Hamburg-Berlin braucht der ICE nur noch anderthalb Stunden

Berlin - Für die Bahn ist es der Beginn einer neuen Ära: Mit der Eröffnung der millionenteuren ICE-Ausbaustrecke zwischen Hamburg und Berlin an diesem Sonntag geht der bundeseigene Konzern im harten Konkurrenzkampf mit dem Auto in die Offensive - die kürzere Reise soll deutlich mehr Fahrgäste anlocken. Der Fahrplanwechsel am dritten Advent beschert Bahnfahrern im ganzen Land aber zugleich erneut teurere Tickets. Sie bekommen die zweite Preiserhöhung dieses Jahres im Portemonnaie zu spüren. Auch ein beliebter Mitfahrer-Rabatt fällt weg. Fahrgastvertreter warnen, Kunden erneut zu verprellen.

An die neue Paradestrecke zwischen den beiden größten deutschen Städten knüpft Bahnchef Hartmut Mehdorn hohe Erwartungen. Denn beschleunigen kann die Bahn dort erst mit Verspätung - der längst geplatzte Traum einer Vorzeigestrecke für die Magnetbahn Transrapid war im Weg. Für 650 Millionen Euro wurden die 287 Gleiskilometer zwischen der Hauptstadt und der Hansestadt jetzt in vier Jahren zur Hochgeschwindigkeitstrasse ausgebaut. Die ICE rasen künftig mit Tempo 230 über die Gleise statt wie bisher mit 160 Kilometern pro Stunde. Die Fahrtzeit schmilzt um eine gute halbe Stunde auf rund 90 Minuten. Und das soll nicht nur Geschäftsreisende locken.

Selbst mit dem Auto nicht schneller

Zwischen den Metropolen kann die Bahn nun beweisen, wie attraktiv sie wirklich ist. Die Voraussetzungen sind günstig. Konkurrenz von Billigfliegern oder der Lufthansa gibt es nicht. Über die Autobahn dürften es selbst Raser nicht schneller von City zu City schaffen als die weißen Neigetechnikzüge auf der Schiene. Für das nächste Jahr kalkulieren die Planer denn auch mit einem Sprung von derzeit 2,4 Millionen auf 2,8 Millionen Fahrgäste. Wie voll die Züge werden, muss sich aber erweisen. Die neue Trasse sei eine gute Sache, heißt es beim Fahrgastverband Pro Bahn. Dass die schnellen ICE nur alle zwei Stunden im Fahrplan stehen, sei allerdings noch "ein dünner Takt".

Für mehr Tempo müssen die Kunden zudem auch mehr zahlen: Der Preis für die einfache ICE-Fahrt zweiter Klasse steigt von derzeit 49 Euro auf 55 Euro. Wer es günstiger möchte, kann für 45 Euro in die etwas langsameren Intercity steigen - doch auch sie kosten damit vom dritten Advent an drei Euro mehr. Denn allen Protesten zum Trotz hebt die Bahn die Tarife erneut bundesweit an. Für Pendler wird die Fahrt außerhalb von Verkehrsverbünden im Schnitt um 3,6 Prozent teurer. Bei Fernzügen sind es 3,1 Prozent. Grund seien stark gestiegene Kosten für Energie, heißt es bei der Bahn wie schon bei Fluggesellschaften.

Aus für Mitfahrer-Rabatt

Fahrgastvertreter fürchten jedoch, die Bahn werde so gerade erst gewonnene Kunden wieder abschrecken. "Das ist Rudern in die falsche Richtung", sagt der Pro-Bahn-Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Negativ sei auch das Aus für ein beliebtes Rabattangebot zum Fahrplanwechsel: Mit einem Fernverkehrsticket zum normalen Preis lassen sich künftig nicht mehr bis zu vier Mitfahrer zum halben Preis mitnehmen. "Zwei Leute, die nebeneinander Zug fahren würden, nehmen dann wohl eher das Auto", kritisiert Naumann.

Dabei kann die Bahn einen kräftigen Schub im Fernverkehr dringend gebrauchen. Nach dem Comeback der alten Bahncard und stark gefragten Sonderangeboten stieg die Auslastung von ICE und Intercity im Oktober zwar spürbar auf 46 Prozent, wie Mehdorn gerade den Mitarbeitern schrieb. Auch in diesem Jahr kommt die Sparte jedoch nicht aus den roten Zahlen heraus, in den Zügen bleiben noch immer zu viele Sitze leer. Rückenwind für die geplante Fahrt in Richtung Börsenfähigkeit erhofft sich die Bahn da auch von der neuen Paradestrecke. Damit das Angebot alle Kunden erreicht, war aber noch vor der Premiere ein zweiter Anlauf nötig: In der Berliner Ausgabe des Fahrplanhefts "Städteverbindungen" wurden ausgerechnet die Hochgeschwindigkeitszüge zunächst vergessen.



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