Kostenlos und schnell surfen Bahn erprobt WLAN im Regionalverkehr

Auf WLAN in Regionalzügen warten Pendler schon lange. Nun treibt die Bahn dieses Angebot voran - und stellt kostenloses Internet auf ersten Strecken zur Verfügung.

Regionalzug am Hauptbahnhof in Stuttgart
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Regionalzug am Hauptbahnhof in Stuttgart


Pendler mit Smartphone oder Laptop wird es freuen: Nach der Ausrüstung aller ICE-Züge mit kostenlosem WLAN bis zum Jahresende plant die Deutsche Bahn das schnelle Internet nun auch in den Regionalzügen. "Die Versorgung mit schnellem Internet im Nahverkehr ist bislang allenfalls rudimentär", sagte Jörg Sandvoß, Vorstandschef von DB Regio, der "Welt am Sonntag". Deshalb starte das Unternehmen jetzt eine entsprechende Initiative.

Auf ersten Strecken stehe kostenloses Internet bereits zur Verfügung, teilte die Bahn mit. Dazu zählten der Fugger-Express zwischen Augsburg und München sowie die Route Kiel-Lübeck-Lüneburg. Bei der S-Bahn Stuttgart laufe ein Test.

Die Bahn hat ihr komplettes Regio-Netz geprüft und festgestellt, dass es bei 87 Prozent der Schienenwege entlang der Strecke Netzabdeckung gibt. Durch ein neues technisches System sollen die drei großen Kommunikationsanbieter so gebündelt werden, dass alle Kunden in den Regionalzügen beim Surfen immer auf einen davon zugreifen können.

Thomas Geyer, Präsident der Dachorganisation der Aufgabenträger (BAG-SPNV), befürwortet die Pläne der Bahn grundsätzlich. "Schnelles Surfen im Internet ist ein Qualitätsmerkmal, das dem Schienenverkehr hilft, sich gegenüber den Bussen zu behaupten", sagte er laut dem Zeitungsbericht.

Wer für das WLAN zahlen wird

Die Bahn hatte bereits angekündigt, mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember allen Kunden im Fernverkehr kostenloses WLAN auch in der zweiten Klasse anzubieten. Dabei wird aber das verfügbare Datenvolumen begrenzt, was in der ersten Klasse nicht der Fall ist.

Anders als im Fernverkehr, den die Bahn eigenwirtschaftlich betreibt, hängt ein WLAN-Angebot im Regionalzügen davon ab, ob die Bundesländer oder die regionalen Verkehrsverbünde es auch bestellen und bezahlen. Die Kostenübernahme liege "in erster Linie in der Verantwortung der Aufgabenträger", sagt Sandvoß. "Ich gehe davon aus, dass die Fahrgäste nicht für die WLAN-Nutzung bezahlen wollen und das auch nicht tun müssen."

Es wäre ein lang ersehnter Service für die vielen Pendler, die im Alltag mit Regionalzügen unterwegs sind. Von den täglich rund 6,2 Millionen in Deutschland beförderten Passagieren im Schienenverkehr sitzen 5,2 Millionen in Nahverkehrszügen.

jus/AFP/dpa



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
heavenstown 21.11.2016
1. Pünktlichkeit ist mir lieber...
als WLAN. Sooo lange sind die Fahrten in der Regionalbahn ja im allgemeinen nun wirklich nicht dass WLAN da Lebensnotwendig wäre.
hansgustor 21.11.2016
2. Kostenlos?
Kostenlos muss ja nicht sein, es würde genügen wenn man über seinen normalen Mobiltarfi eine Verbindung aufbauen könnte. Insbesondere weil das "kostenlos" sich vermutlich auch so anfühlt.
Robert_Rostock 21.11.2016
3.
Zitat von heavenstownals WLAN. Sooo lange sind die Fahrten in der Regionalbahn ja im allgemeinen nun wirklich nicht dass WLAN da Lebensnotwendig wäre.
Na ja. Berlin - Rostock oder Berlin-Stralsund sind schon mal über zwei Stunden, und da fahren im Taktverkehr nur Regionalexpresse. Nur ganz wenige IC oder ICE. Abgesehen davon ist WLAN schon hilfreich, wenn es mal wieder Verzögerungen im Betriebsablauf gibt, dass man sich Alternativ-Verbindungen raussuchen kann.
brehn 21.11.2016
4. naja
irgendwie wird hier relativ Oft WLAN und Internet verwechselt. Klar, ich hatte schon die letzten Jahre im ICE auf der Strecke Berlin-München WLAN. Deswegen hatte ich aber noch lange kein Internet....
CharlesLindberg 21.11.2016
5. Bei der Geschwindigkeit wird es noch Jahre dauern
bis man in Fernzügen (IC, ICE) ein WLAN sinnvoll nutzen kann. Vom Regionalverkehr wage ich mal nur zu träumen. Ich fahre zumeist mehrmals monatlich längere Strecken sowohl im ICE/IC wie auch im Regionalexpress und wäre heilfroh, wenn der Bahn wirklich etwas daran gelegen wäre, an den Strecken dafür zu sorgen, dass man über Mobilfunk Internet nutzen kann oder auch nur sinnvoll telefonieren könnte. Notwendig wären dafür m. E. nur entsprechend leistungsfähige Repeater entlang der Strecke. Solange das aber nicht funktioniert (und das tut es meiner Erfahrung nach leider überhaupt nicht, nicht mal in Ballungsräumen wie Rhein/Main oder Köln), kann ich mir nicht vorstellen, dass die Bereitstellung eines wirklich funktionsfähigen, leistungsfähigen und halbwegs stabilen WLANs möglich ist. Und das, was die Bahn mit dem neuen WLAN (kostenfrei dann auch in der 2. Klasse) nun bereitstellt, ist keine Verbesserung, sondern eine Unverschämtheit. Das von der Telekom bereitgestellte WLAN vorher war schon nicht wirklich gut, aber das neue WLAN ist eine einzige Katastrophe. Unsicher (https://hannover.ccc.de/~nexus/dbwifi/), ständige Verbindungsabbrüche und noch weniger leistungsfähig als vorher. Selbst wenn die Sicherheitsproblematik inzwischen verbessert wurde, so bekommt die Bahn das komplette Thema mangels konsistenter Strategie (was will man denn den Kunden wirklich anbieten? warum tut man das und muss dafür dann auch Geld in die Hand nehmen? etc.) nicht in den Griff. Die Werbung nach dem Motto: "Ihr mobiles Büro in der 1. Klasse..." ist für mich nur noch bittere Ironie. Vielleicht fahren die zuständigen Bahn-Manager mal in die Schweiz oder nach Finnland. Länder mit geografisch größeren Herausforderungen, die das aber deutlich besser auf die Reihe bekommen.
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