Wütender Flugbegleiter Steven Slater kommt mit Geldstrafe davon

Der zum Internet-Held gehypte Flugbegleiter muss nicht ins Gefängnis. Ein US-Gericht verurteilte Steven Slater zur Zahlung von 10.000 Dollar, außerdem muss er in psychiatrische Behandlung. Seine Uniform wird zurzeit kopiert und verkauft - als Halloween-Kostüm.

Steven Slater vor dem New Yorker Gericht: Steward muss in psychiatrische Behandlung
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Steven Slater vor dem New Yorker Gericht: Steward muss in psychiatrische Behandlung


New York - Ein US-Flugbegleiter, der sich nach der Landung in New York im Zorn über eine Notrutsche abgesetzt hatte, kommt mit einer Geldstrafe und einer psychiatrischen Behandlung davon. 10.000 Dollar muss Steve Slater laut dem Urteil des New Yorker Gerichts als Entschädigung an seinen Arbeitgeber Jet Blue zahlen. Ihm hatte anfangs eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren gedroht.

Der 38-jährige Steward war der rücksichtslosen und kriminellen Gefährdung seiner Passagiere angeklagt. Er selbst bekannte sich des versuchten kriminellen Unfugs in zwei Fällen schuldig. Seine Anwälte hatten Slaters Handeln damit entschuldigt, dass er wegen der schweren Krankheit seiner Mutter, des kürzlichen Todes des Vaters und eigener Gesundheitsprobleme zur Tatzeit unter großem Stress gestanden habe.

Seine psychiatrische Behandlung, die auch eine Drogenberatung umfassen wird, soll ein Jahr dauern. Auch der Staatsanwalt sagte, dass Slater nicht nur genervt von seinem Job oder wütend über eine Passagierin gewesen sei, als er aus dem Flugzeug stürmte. Die Ermittler vermuteten vielmehr, dass der Steward betrunken gewesen sei und an psychischen Problemen gelitten habe.

Als Steward zur Halloween-Fete

Slater war im August nach einem Flug von Pittsburgh nach New York ausgerastet. Eine Passagierin war trotz der Aufforderung, angeschnallt zu bleiben, aufgestanden und hatte sich am Gepäckfach zu schaffen gemacht. Als er zu ihr eilte, wurde er Medienberichten zufolge von ihrem Koffer am Kopf getroffen - schon zuvor trug er wegen einer Verletzung an Bord einen Stirnverband. Nach einem heftigen Wortwechsel beschwerte sich Slater in einer Durchsage an die gesamte Kabine über die Frau und die Passagiere im Allgemeinen.

Dann löste er die Notrutsche aus, verschwand auf der Landebahn und fuhr mit seinem geparkten Wagen nach Hause. Dort wurde er später festgenommen, weil die Notrutsche nicht nur Tausende Dollar kostet, sondern auch jemanden vom Bodenpersonal hätte verletzen können. Er wurde nach dem Vorfall von der Arbeit suspendiert und hat mittlerweile selbst gekündigt.

Sein abrupter Abgang machte Slater zum Volkshelden: Er beeindruckte viele, die am liebsten selber ihren Job mit Paukenschlag hinschmeißen würden. Auch mit dem Urteil wird sein Ruhm nicht so schnell verblassen. Mehrere Unternehmen verkaufen nun ein neues Kostüm für Halloween-Partys: die des wütenden Flugbegleiters. "Es besteht aus einem blauen Steward-Shirt mit einem hellblauem Schlips, dazu eine Binde für die Stirn", sagte der Chef eines Kostüm-Shops.

abl/dpa/AP



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