Wütender Steward als Internet-Held: "Wo ist meine Rutsche?"

Zwei Bier in der Hand und ein Sprung - das hat Steven Slater berühmt gemacht. Der Flugbegleiter, der nach einem Streit seine Maschine über die Notrutsche verließ, ist im Internet zum Held avanciert. Eine Facebook-Gruppe sammeln Geld für ihn, und ein US-Moderator kreiert eine Ballade.

Entnervter Steward: Abgang über die Notrutsche Fotos
AP

New York - Der Flugbegleiter Steven Slater hat offenbar vielen Amerikanern aus der Seele gesprochen, als er am Dienstag nach der Landung einem Passagier über das Bordlautsprechersystem seine Meinung geigte und sich mit zwei Bierdosen in der Hand über die Notrutsche aus dem Flugzeug verabschiedete.

Im Internet wird er mittlerweile wie ein Volksheld gefeiert. Sein Name ist einer der fünf am häufigsten genannten Begriffe auf Twitter, und auf Facebook wurden Gruppen wie "Free Steven Slater" oder "I Support Steven Slater" gegründet. Auch eine eigene Website wurde für ihn eingerichtet.

Noch am Abend nach dem Vorfall wurde der 38-jährige Flugbegleiter in seiner Wohnung festgenommen. Mittlerweile ist er gegen eine Kaution von 2500 Dollar wieder frei. Er wurde einem Richter vorgeführt, um wegen Sachbeschädigung, grob fahrlässiger Gefährdung und Landfriedensbruchs angeklagt zu werden. Damit drohen ihm im Höchstfall sieben Jahre Haft. Es habe sich niemand in Gefahr befunden, verteidigte ihn sein Anwalt öffentlich.

T-Shirts mit "Free Steven Slater"-Aufdruck

Eine der Facebook-Gruppen, die von einem Piloten gegründet wurde, sammelt bereits Spenden für Slaters Verteidigung vor Gericht. Der "Steven Slater Legal Defense Fund" mit seinen 650 Mitgliedern habe bis Mittwoch bereits 1500 Dollar (1150 Euro) eingesammelt, sagte der Gründer der Gruppe.

Auf der ihm gewidmeten Website freestevenslater.com fordern ihn die Macher auf: "Steve! Diese Seite ist für dich. Nimm Kontakt mit uns auf und sag uns, was damit passieren soll!" Bis sie neue Anweisungen haben, scheinen die Macher alle Arten von Veröffentlichungen im Zusammenhang mit Slater zusammenzutragen - von Videos, Liedern und Comics bis hin zu Kaffeetassendesigns.

Auf Twitter ist es zu einer populären Beschäftigung geworden, sich zu dem Thema Sprüche auszudenken, wie sie auf T-Shirts gedruckt werden könnten. Beispielsweise: "Vorderseite: Ich sitze zwar im Knast... Rückseite: aber immerhin habe ich zwei kostenlose Bier abgestaubt". T-Shirts mit dem Aufdruck "Free Steven Slater" können bereits online bestellt werden.

Auf eBay wurde ein Gepäckschild mit der Aufschrift "Steven Slater: An American Hero" angeboten, und ein Gemälde, das den neuen Helden zeigt, wie er eine Häftlingsnummer vor sich hält, erzielte am Mittwoch auf dem Onlinemarktplatz 355 Dollar (270 Euro).

"Schnapp dir zwei Bier und spring!"

Der ungewöhnliche Held hat auch eine Reihe von Sängern inspiriert. In einer Late Night Show im US-Fernsehsender NBC sang Moderator Jimmy Fallon "The Ballad of Steven Slater". Die Refrainzeile hieß übersetzt: "Schnapp dir zwei Bier und spring."

Ähnliche Oden an den Flugbegleiter und seinen Einsatz tauchten auf Youtube auf. Jonathan Mann, der mit seinem Vorhaben, jeden Tag einen neuen Song zu schreiben, online bereits gewisse Bekanntheit erreicht hat, veröffentlichte ebenfalls eine Ballade auf Slater.

Darin singt er: "Steven Slater, ich habe diesen Song für dich geschrieben, weil du ausgesprochen hast, was wir uns nicht trauen." Und mittlerweile wirkt sich Slaters Ausraster auch im Alltag aus. Ein User twitterte, in seinem Büro sei "Wo ist meine Rutsche und wo ist mein Bierwagen" zum geflügelten Wort geworden.

Nachdem Slater aus seiner Haft entlassen wurde, sagte er: "Es scheint, dass das etwas bei einigen Leuten ausgelöst hat. Und das ist irgendwie klasse."

Jake Coyle, apn

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insgesamt 8 Beiträge
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1. .
cromagnon 12.08.2010
Beam me down, Stevie!
2. Starker Abgang
dango 12.08.2010
Ich kann nur sagen: Starker Abgang und viel Glück bei der Verhandlung ! Eher unwahrscheinlich - aber vielleicht denken ja mal ein paar arrogante Schnösel darüber nach warum sie der Ansicht sind, beispielsweise Servicepersonal weniger respektvoll behandeln zu können als sie selbst behandelt werden möchten.
3. ISt das jetzt
Foul Breitner 12.08.2010
üblich, daß in "Artikeln" nur aufgezählt wird, was Leute bei Twitter und Ebay machen ? Und welche Gruppen sich wo gründen ?
4. ++
saul7 12.08.2010
Zitat von sysopZwei Bier in der Hand und ein Sprung - das hat Steven Slater berühmt gemacht. Der Flugbegleiter, der nach einem Streit seine Maschine über die Notrutsche verließ, ist im Internet zum Held avanciert. Eine Facebook-Gruppe sammeln Geld für ihn, und ein US-Moderator kreiert eine Ballade. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,711469,00.html
Der Beruf des Flugbegleiters wird immer seltsam glorifiziert. Allerdings stelle ich es mir sehr anstrengend vor, ständig in engen Flugzeuggängen Essen und sonstige Dinge auszugeben. Ich möchte den Job nicht machen und habe Verständnis für den Ausraster von Steven Slater...
5. Werde aus dem Artikel nicht so richtig schlau
derSchuft 12.08.2010
Warum ist jemand ein Held, wenn er mit zwei Dosen Bier das Flugzeug via Rutsche verlässt? Hab ich da was verpasst?
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