Yacht-Spotting Auf der Spur der weißen Riesen

Sie gelten als der Inbegriff des Luxus: Superyachten bieten Prestige und höchsten Komfort. Die meist millionenschweren Eigner versuchen, ihre Traumschiffe vor fremden Blicken zu schützen. Doch im Internet verfolgt eine stetig wachsende Fangemeinde jede Bewegung der Yachten.


Hamburg - Der Traum in Weiß ist dort, wo er hingehört: Exakt 163 Meter lang und 22 Meter breit, schmiegt er sich in den "Dschabal Ali Port" im Wüstenemirat Dubai. Es gibt wohl kaum einen Ort an den Gestaden der Weltmeere, an den dieses stahlgewordene Wunder besser passen würde als der Hafen der arabischen Glitzermetropole im ewigen Sand. Wegen der brennenden Wüstensonne tragen hier nicht nur fast alle Einheimischen weiße Gewänder, sondern auch die meisten Autos und Gebäude sind weiß. So erscheint es geradezu logisch, dass die längste Yacht der Welt nicht nur in Dubai liegt, sondern auch "Dubai" heißt.

Die deutschen Schiffbauer Blohm & Voss und Lürssen hatten die von vier 7177 kw starken Motoren angetriebene Yacht ursprünglich für den Prinzen von Brunei entworfen. Doch als diesem vom Sultan kurzerhand das "Taschengeld" gekürzt wurde, musste er seinen Traum ziehen lassen. Scheich Mohammed Ibn Raschid Al Maktum, der Kronprinz von Dubai, hatte das nötige Kleingeld, um das Schiff zu übernehmen. Derzeit lässt er es im Hafen des Emirats aufrüsten, um es seinen Wünschen anzupassen. Gesehen haben es bislang nur wenige Menschen, denn Seine Hoheit lässt ihren Schatz vor fremden Blicken verbergen.

Das halten die meisten Yachtbesitzer so: Der Schutz ihrer Privatsphäre ist ihnen heilig, wobei ihre Definition von "Privatsphäre" meistens sehr weit ausfällt. Fremde lassen nur die wenigsten Eigner von Superyachten an Bord, auf Fotos wollen sie ihre "Babys" auch nicht abgebildet sehen. US-Golfstar Tiger Woods verklagte kürzlich die kanadische Werft Christensen, bei der er für rund 20 Millionen Dollar seine 47 Meter lange Motoryacht "Privacy" erstanden hatte. Weil die Schiffbauer sich vertragswidrig mit Woods Namen schmückten, um ihr Unternehmen zu bewerben, mussten sie dem Sportler 1,6 Millionen Dollar zahlen.

Bordbar mit Glasboden

Doch die Besitzer der Luxusschiffe haben die Rechnung ohne die kleine, aber stetig wachsende Gemeinde der weniger vermögenden Yachtfans gemacht: Rund um den Globus gibt es immer mehr Menschen, die einen regelrechten Sport daraus machen, möglichst viele Bilder von Superyachten zu schießen und diese dann mit Angaben zu Technik und Ausstattung der Schiffe in Internet-Foren zu veröffentlichen. Im Portal Yachtspotter.com verkünden die Liebhaber der weißen Riesen, in welchem Hafen sie welche Traumschiffe gesehen haben - und lotsen so weitere Schaulustige zu den Yachten. Zusätzliche Informationen beziehen sie beispielsweise aus dem Online-Portal des  "Power & Motoryacht Magazine", das eine detaillierte und regelmäßig aktualisierte Liste der 100 größten Yachten führt. Dort kann man etwa lesen, dass die "Octopus" von US-Milliardär Paul Allen über ein komplettes Musikstudio, ein eigenes Kino und eine Bar mit Glasboden verfügt. So können die Gäste des Microsoft-Mitbegründers beim Cocktail die Unterwasserwelt betrachten. Laut Yachtspotter.com wurde das Schiff zuletzt im Hafen von Exmouth in Australien gesehen. Allen besitzt zudem eine weitere Megayacht namens "Tatoosh".

Die Listen in den Online-Portalen werden immer länger, denn die Zahl der Luxusschiffe nimmt rasant zu. Mittlerweile gibt es weltweit rund 7000 Yachten mit einer Länge von über 24 Metern - das sind mehr als doppelt so viele wie Mitte der neunziger Jahre. Doch nicht nur die Anzahl ist gestiegen, auch die Riege der Eigentümer hat sich verändert: Waren Superyachten vor 20 Jahren noch überwigend eine Domäne reicher Euopäer und saudischer Ölprinzen, so sind heute viele der Schiffe in amerikanischem Besitz, allein fünf der 20 größten Yachten gehören US-Bürgern.

Per Helikopter von der Yacht zu den WM-Stadien

Und auch ein Russe hat in der Yachtszene viel von sich reden gemacht: Dem Geschäftsmann Roman Abramowitsch, Eigentümer des englischen Fußballclubs FC Chelsea, gehören gleich drei Traumschiffe: Die "Pelorus", die er einem Saudi abkaufte, die "Le Grand Bleu" und die "Ecstasea". Zur Ausstattung dieser schwimmenden Paläste gehören auch Hubschrauber. Auf Yachtspotter.com ist genau verzeichnet, wann die Boote in welchem Hafen lagen. So ist die 115 Meter lange und rund 100 Millionen Euro teure "Pelorus" während der WM in den Media Docks in Lübeck vertaut. Von dort fliegt der Milliardär direkt zu den Fußballspielen.

Auch das wohl außergewöhnlichste Traumschiff der Weltmeere haben bereits einige Yacht-Spotter zu Gesicht bekommen: Die "Al-Salamah" des saudi-arabischen Kronprinzen und Verteidigungsministers Sultan bin Abdulaziz gilt als absoluter Superlativ in Sachen Komfort und Ausstattung. Acht Decks und 82 Räume verteilen sich auf das 140 Meter lange Schiff. 3300 der 8000 Quadratmeter Bodenfläche sind mit Teakholz verkleidet, den Pool an Bord überspannt ein Glasdach. 1999 wurde das Luxusschiff unter dem Tarnnamen "Mipos" in den deutschen Werften HDW und Lürssen in Kiel und Bremen gebaut. Billig war es nicht, der Kaufpreis wird laut dem US-Sender CNN auf mindestens 200 Millionen US-Dollar geschätzt. Genaueres konnten auch die Yacht-Spotter im Internet nicht herausfinden.



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