Yachten des Jahres Diese Flunder kann fliegen

Auf der weltgrößten Wassersportmesse in Düsseldorf hat eine Jury ein Segelboot prämiert, das dank seiner Tragflächen abhebt. Die spektakulärsten Neuheiten im Überblick - vom Familiensegler bis zur Luxusyacht.

Von Matthias Kriegel

EYOTY/ B. Kolthof

Der Rumpf hebt sich aus dem Wasser, das Boot zischt auf Tragflächen über die Wellen: Eine Yacht, die fliegt, ist bisher ein eher ungewöhnliches Bild. Doch Foilen, so nennen Wassersportler diese Disziplin, gilt als der neue Trend im Segelsport. Auf der weltweit größten Wassersportmesse "boot" wurde nun eine Yacht mit sogenannten foils vorgestellt und zur spektakulärsten Neuheit der Saison ernannt.

Die "Quant 23" ist beim Wettbewerb "Yachten des Jahres" die Gewinnerin in der Kategorie "besondere Boote". Sie ist das erste Kielboot, das foilen kann. Dafür fährt man in Lee - also auf der dem Wind abgewandten Seite des Bootes - Tragflächen aus, die ab einer gewissen Geschwindigkeit genügend Auftrieb entwickeln, um das Boot über der Wasseroberfläche fliegen zu lassen - mit bis zu 24 Knoten, also 45 km/h.

Schon vor zehn Jahren experimentierten Bootsbauer mit dieser Technik, jetzt wird sie populär. "Das Erstaunliche an der 'Quant 23' ist, dass man keine besondere Eignung braucht. Jeder ambitionierte Segler kann einfach fliegen gehen", sagt Jochen Rieker, Chefredakteur des Magazins "Yacht".

Das rund sieben Meter lange Segelboot ist leicht (270 Kilogramm), und es sieht ungewöhnlich aus: Die flache, rechteckige Form der Bugpartie sorgt für Sicherheit - vor allem beim Wiedereintauchen ins Wasser. Eine Kleinserie des Segelbootes ist geplant, ein Aufpreis von bis zu hundert Prozent im Vergleich zu normalen Seglern dieser Größe wahrscheinlich.

Trotz der hohen Anschaffungskosten halten viele Experten das Foilen für das Zukunftsthema im Segelsport. "Bis 2020", prognostiziert Rieker, "wird das Foil-Segeln definitiv zu einer neuen olympischen Disziplin." Helge und Christian Sach, ehemals Segel-Weltmeister in der F18-Klasse, sind bereits umgestiegen und foilen erfolgreich. Auf der "boot" berichten sie bei mehreren Vorträgen von ihren Erfahrungen mit dem rasanten Tragflächen-Segeln.

Auf der "boot", die nun in Düsseldorf begonnen hat und eine Woche dauert, werden aber auch weniger radikale Untersätze präsentiert. Eine elfköpfige Jury aus den Chefredakteuren der führenden Segel- und Motorbootmagazine Europas hat je fünf Motor- und Segelyachten ausgezeichnet. Sehen Sie sich hier die Fotos der prämierten Boote an.

Trends auf der "boot 2016"

  • Bei den Standard-Segelyachten ist das Thema Individualisierung der große Trend. Beispielhaft zeigt sich dies an der "Hanse 315", die ebenfalls als "Yacht des Jahres" ausgezeichnet wurde. "In ihrer Konfiguration von rund neun Metern bietet das Einstiegsboot dem Eigner genauso viel Bandbreite wie eine 15-Meter-Yacht. Es lässt sich exakt auf die persönlichen Wünsche anpassen", sagt Rieker. Der Einstiegspreis liegt bei 65.000 Euro. "Man kann sich aber auch eine Hanse für 100.000 Euro bestellen, je nach den Sonderwünschen."
  • Komfort auf dem Wasser ist gefragt, und der darf auch was kosten. Das gilt nicht nur für Segel-, sondern auch für Motorboote. "Die Leute sind bereit, wieder mehr Geld für neue Boote auszugeben", konstatiert "Boote"-Chefredakteur Torsten Moench. Entsprechend üppig ausgestattet sind die neuen Schiffe. "'Easy Boating' ist gefragt", erklärt Moench, "es gibt immer mehr innovative Antriebskonzepte und eine Fülle an elektronischen Helferlein." Größere Yachten wie die als "Powerboot des Jahres" ausgezeichnete "Galeon 500 Fly" mit 16,20 Metern Länge können heutzutage von einer Zweier-Crew gesteuert werden.
  • Die Kundschaft bei den Motorbooten rekrutiert sich, so die Beobachtung von Moench, immer öfter aus "älter werdenden, ehemaligen Seglern, die weiterhin Wassersport treiben möchten und umsteigen aufs Motorboot." Diese Umsteiger sind mittlerweile eine der Hauptzielgruppen der Motorbootbauer. Moench: "Da haben einige Werften reagiert und bedienen diese Kunden, die einen gewissen Anspruch haben und wissen, wie ein Boot auszusehen hat."

Die längsten Segelyachten der Welt

Die "boot" in Düsseldorf läuft vom 23. bis 31. Januar 2016.

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insgesamt 24 Beiträge
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infoseek 24.01.2016
1. Wow
3,8 Liter pro Seemeile - das sind über 200 Liter pro 100 km. Naja, wenigstens gibt es keinen Feinstaub von Bremsen und Reifen. Ist ja auch was.
christophnz 24.01.2016
2. Foiling
Der Autor haette durchaus darauf hinweisen koennen, dass der America's Cup auf ebensolchen Booten ausgetragen wird. Der letzte auf AC72 (72 foot) Booten, der naechste auf AC45 (45 foot) Booten. Training mit den AC 45's konne ich vom Buerofenster beobachten, ein absoluter Wahnsinn!
mehrbereichsölfarbe 24.01.2016
3.
Segeln ist ein toller Sport. Aber ich frage mich, warum im Profi-Wettbewerbsbereich immernoch Einrumpfboote gegenenander antreten. Das ist so, wie wenn es im Radsport eine Klasse "Hollandräder" gäbe:-)
Reg Schuh 24.01.2016
4. Segeln
Segeln auf Tragflächen, angetrieben durch den Wind - da ist die Analogie zu noch leichteren Konstruktionen, die auf dem Medium Luft statt Wasser getragen werden, nicht mehr sehr weit. Von Flugsauriern wird das hier und da theoretisch (und in Flugmodellen praktisch) gezeigt, daß ein gleitender Flugkörper mit einem vertikalen Segel quer zur Windrichtung die Windkraft zur Beschleunigung nutzen kann. Die gewonnen Geschwindigkeit erzeugt dann bei entsprechenden Tragflächen wieder Auftrieb. Das funktioniert ganz genau wie bei diesem Tragflächenboot. Und jeder Segler kann bestätigen, daß quer zum Wind höhere Geschwindigkeiten möglich sind als vor dem Wind.
hup 24.01.2016
5. Die Motoryacht, das SUV des reichen Mannes
Ein wirklich komplett optionales Fahrzeug, dessen gerühmtes bisher effektivstes Exemplar seiner klasse um die 200l Treibstoff pro 100 km verbraucht. Ein SUV mit 10l realverbrauch (also ein ebenfalls effektiver Vetreter seiner Art) kann damit praktisch einmal quer durch Europa fahren, ein sparsames Auto zweimal. 500km mit der Yacht (also ein hin- und zurück Wochendtrip) entspricht der Jahresfahrleistung eines großen Autos. Aus ökologischer Sicht kompletter Luxus-Schwachsinn ohne irgendeinen gesellschaftlichen nutzen, nur noch übertroffen von privaten business-Jets.
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