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Sanierung der Hohenzollernbrücke: Köln droht Bahnchaos

Anfang März starten die Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke in Köln. Einen Monat lang erneuert die Deutsche Bahn Gleise und sperrt dafür jeweils eine der drei Einzelbrücken. Passagiere müssen sich auf zum Teil erheblich längere Fahrzeiten gefasst machen.

Bauarbeiten an Bahnstrecke: Nadelöhr Hohenzollernbrücke Fotos
AFP

Hamburg/Köln - Ab 7. März müssen Kölner, Pendler im Rheinland und andere Zugfahrer, die die Millionenstadt per Bahn passieren wollen, mit Verspätungen und Umleitungen rechnen. Ab jenem Freitag wird die Deutsche Bahn die Hohenzollernbrücke wegen Sanierungsmaßnahmen zum Teil sperren. Am 7. April sollen die Arbeiten beendet sein. Komplett ausgenommen sind nur die beiden Gleise auf der nördlichen Einzelbrücke, auf denen die S-Bahnen und einige Regionalzüge verkehren.

"Die Hohenzollernbrücke ist mit rund 1220 Zügen täglich eine der meistbefahrenen Eisenbahnbrücken Deutschlands", sagte Michael Häßler, Vertriebsleiter der Bahntochter DB Netz, die für die Schieneninfrastruktur zuständig ist. "Entsprechend hoch ist die Abnutzung der Gleise und Weichen, so dass wir sie regelmäßig alle sechs bis acht Jahre instand halten müssen." Die Brücke selbst sei in einem guten Zustand und nicht sanierungsbedürftig, sagte Häßler laut einer Mitteilung der Deutschen Bahn.

Die Hohenzollernbrücke wurde zum ersten Mal 1911 in der Kaiserzeit eröffnet. Drei Fachwerkbögen überspannten den Rhein in direkter Nähe des Kölner Doms und wurden von der Wehrmacht beim Rückzug im März 1945 gesprengt. Drei Einzelbrücken mit den heute sechs Gleisen wurden von 1946 bis 1987 nach und nach wieder aufgebaut. Die nördliche Brücke ist die jüngste. Bei den routinemäßigen Sanierung der mittleren und südlichen Brücken würden 14 Weichen und 2,5 Kilometer Gleise erneuert, sagte eine Bahnsprecherin SPIEGEL ONLINE. Die Kosten betrügen elf Millionen Euro.

Umleitungen über rechte Rheinseite

"Was muss, das muss", sagte Lothar Ebbers, Sprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn in Nordrhein-Westfalen, SPIEGEL ONLINE. Die Gleisarbeiten seien notwendig. Doch da die Bauarbeiten an dem Knotenpunkt Kölner Hauptbahnhof stattfinden, werden sie Auswirkungen auf das ganze Bundesland haben: Durch die Umleitungen würden etliche Anschlüsse verpasst. "Ich habe Befürchtungen, wie die betriebliche Praxis aussehen wird", sagte Ebbers. Köln sei dafür bekannt, dass hier viele Verspätungen erst entstehen.

Die Bauarbeiten würden in mehrere Phasen aufgeteilt, sagte die Bahnsprecherin. So können vier der sechs Gleise für den Zugverkehr genutzt werden. Zeitgleich würden auch Gleise und Weichen im Hauptbahnhof Köln und im Bahnhof Köln-Messe/Deutz ausgetauscht. An zwei weiteren Wochenenden, am 11. bis 14. April und am 25. bis 28. April werden die Arbeiten abgeschlossen. Rund 80 Prozent der Fernverkehrszüge könnten auch während der Bauarbeiten planmäßig über den Kölner Hauptbahnhof fahren. Das bedeutet laut der Sprecherin, dass täglich rund 120 Fern- und 120 Nahverkehrszüge umgeleitet werden müssen.

Die Umleitungen werden zum Teil über die zweigleisige Südbrücke führen, diese Züge halten dann statt im Hauptbahnhof an den Stationen Troisdorf und Köln-Ehrenfeld. Zum Teil werden Verbindungen über den Bahnhof Köln-Messe/Deutz und zum Teil über die rechte Rheinseite umgeleitet. In diesem Fall werden Halte in Köln-Hauptbahnhof und Bonn-Hauptbahnhof gestrichen.

Die Sanierungsarbeiten an der berühmten Kölner Brücke haben laut Michael Häßler von der DB Netz nichts mit der Substanz des Bauwerks zu tun. Anders sieht es mit vielen Straßen- und Bahnbrücken in kommunaler Hand aus: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik gibt es einen Investitionsbedarf von fast elf Milliarden Euro allein für sogenannte Ersatzneubauten.

Die Fahrplanänderungen im Detail:

  • ICE-Züge der Linie 10 (Köln-Hannover-Berlin): Abfahrt in Richtung Wuppertal/Hamm je nach Zug bis zu zehn Minuten früher.
  • ICE-Züge der Linie 42 (Dortmund-Köln-Mannheim-München) werden überwiegend über Köln-Messe/Deutz umgeleitet. Der Halt in Köln-Hauptbahnhof fällt dann aus.
  • IC-Linie 32 (Berlin-Hannover-Köln-Stuttgart): Einzelne Züge werden in beiden Richtungen über die rechte Rheinseite umgeleitet. Bei diesen Zügen fallen die Halte Köln-Hauptbahnhof und Bonn-Hauptbahnhof sowie teilweise auch die Halte Andernach und Remagen aus.
  • Regionalbahnlinie 27 zwischen Koblenz und Mönchengladbach: Umleitung über die Südbrücke, Halt in Köln-Hauptbahnhof und Köln-Messe/Deutz fällt aus. An den Stationen Troisdorf und Köln-Ehrenfeld besteht Anschluss an die S-Bahn.
  • Regionalexpresslinie 9 zwischen Siegen und Aachen: Umleitung über die Südbrücke. An den Stationen Troisdorf und Köln-Ehrenfeld besteht Anschluss an die S-Bahn, zusätzlicher Halt in Köln-Süd.
  • Regionalexpresslinie 7 zwischen Rheine und Krefeld: Umleitung aus Richtung Krefeld nach Köln-Ehrenfeld, dort besteht Anschluss an die S-Bahn. Aus Richtung Rheine endet der Regionalexpress 7 in Opladen, von hier gibt es Schienenersatzverkehr zum Köln-Hauptbahnhof. Die Fahrzeit verlängert sich etwa um 40 Minuten.
  • Zu Zugausfällen kommt es im Regionalverkehr nur bei einzelnen zusätzlichen Zügen der Regionalexpresslinie 1 zur Hauptverkehrszeit zwischen Düsseldorf und Aachen, der Regionalexpresslinie 8 zur Hauptverkehrszeit zwischen Kaldenkirchen und Köln-Messe/Deutz sowie bei der Regionalexpresslinie 12 zwischen Trier und Köln.
  • Die Züge der Regionalbahnlinie 38 zwischen Neuss und Köln fahren nur bis Horrem. Die Regionalexpresslinie 22 (Trier-Köln) und die Regionalbahnlinie 24 (Gerolstein-Köln) enden schon in Köln-Hauptbahnhof und fahren nicht bis Köln-Messe/Deutz.

abl

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Erstattungsanträge stellen!
Kiste 22.01.2014
Verspätungen in Köln sind doch nichts Neues. Wenn ich eine Stunde Zeit habe und 25% meines Ticketpreises erstattet haben will, fahre ich immer über Köln.
2. Bahnchaos AG
Humboldt 22.01.2014
Zitat von sysopAFPAnfang März starten die Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke in Köln. Einen Monat lang erneuert die Deutsche Bahn Gleise und sperrt dafür jeweils eine der drei Einzelbrücken. Passagiere müssen sich auf zum Teil erheblich längere Fahrzeiten gefasst machen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/zugreisen-bahn-sperrt-hohenzollernbruecke-in-koeln-a-944847.html
mmh, also alle 6-8 Jahre müssen die hochbelasteten Gleise und Weichen auf der Hohenzollernbrücke ausgetauscht werden. Und warum droht ausgerechnet nun ein Bahn-Chaos? Gibt es etwa Unterschiede zwischen der heutigen Bahn AG - Abteilung Netz (= "Köln droht Bahnchaos") und der damaligen Bundesbahn (= "Chaos? Was ist das? Wir sind nur unfreundlich").
3.
Robert_Rostock 22.01.2014
Zitat von sysopAFPAnfang März starten die Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke in Köln. Einen Monat lang erneuert die Deutsche Bahn Gleise und sperrt dafür jeweils eine der drei Einzelbrücken. Passagiere müssen sich auf zum Teil erheblich längere Fahrzeiten gefasst machen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/zugreisen-bahn-sperrt-hohenzollernbruecke-in-koeln-a-944847.html
Wie man sieht, war Mehdorn ein kluger, weitsichtiger Bahnchef, der vor allem mit dem maximalen Reduzieren von Instandhaltung und Wartung völlig richtig lag. Denn -siehe Artikel- wenn die Bahn Wartungsarbeiten durchführt, werden diese von den Medien und der Öffentlichkeit ausschließlich als maximale Schikane verstanden mit dem einzigen Ziel, den Fahrgast zu ärgern.
4. Deutz
kahabe 22.01.2014
Zitat von sysopAFPAnfang März starten die Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke in Köln. Einen Monat lang erneuert die Deutsche Bahn Gleise und sperrt dafür jeweils eine der drei Einzelbrücken. Passagiere müssen sich auf zum Teil erheblich längere Fahrzeiten gefasst machen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/zugreisen-bahn-sperrt-hohenzollernbruecke-in-koeln-a-944847.html
Ich finde, die ICE sollten auf ihrer Fahrt Dortmund - Süddeutschland dauerhaft über Deutz-Tief geleitet werden. Das Anfahren der scheelen Seite mit den gefühlt unendlich langen Haltezeiten im Hauptbahnhof (da staunt man in Stuttgarts Kopfbahnhof) wäre somit hinfällig. Ansonsten, es ist erstaunlich, das die Deutsche Bahn AG unter "laufendem Rad" sanieren will, also ohne bei der Firma übliche Streckensperrung. Kann sie das? Lassen wir uns überraschen.
5. Lästiger Superlativ
millbridge 22.01.2014
Ich finde, dass das Wort "Chaos" in diesem Zusammenhang unnötig ist. Das, was droht, ist bestimmt kein Chaos. Etwas mehr Sachlichkeit würde der Journaille bestimmt gut tun. Sorry, dass ich mich der allgemeinen Aufregung nicht anschließen kann.
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