Zugtaufe Bahnchef Grube präsentiert neuen ICE 4

Bessere Klimaanlagen, größere Fenster - und endlich auch Stellplätze für Fahrräder: Der ICE 4 soll den Fahrgästen mehr Reisekomfort bieten. Bis Passagiere mit einem der neuen Züge fahren können, müssen sie allerdings noch zwei Jahre warten.

DPA

Die neuen ICE-4-Züge der Deutschen Bahn sollen über bessere Klimaanlagen als das Vorgängermodell verfügen. Dies versprach Konzernchef Rüdiger Grube bei der Zugtaufe am Berliner Bahnhof Südkreuz. Die Klimaanlage sei für Temperaturen zwischen minus 25 und plus 45 Grad Celsius ausgelegt und damit leistungsfähiger als bisher.

Nicht nur das dürfte die Fahrgäste erfreuen - vor allem diejenigen, die wegen nicht funktionierender Kühlungssysteme schon mal gehörig in der Bahn schwitzen mussten.

Zu den Vorzügen der neuen Flotte zählt außerdem der verbesserte Komfort beim Reisen: größere Fenster, mehr Bildschirme und neue Sitze mit Rückenlehnen, die beim Verstellen in den Rahmen gleiten. Vorgesehen sind außerdem ein Servicewagen mit Kleinkindabteil und Familienbereich - sowie endlich auch Stellplätze für Fahrräder.

Die wichtigsten Neuerungen sind auf den ersten Blick jedoch nicht zu erkennen. Durch eine neue Antriebstechnologie könnten die Wagen flexibler zusammengesetzt werden, erläuterte Grube. So könne man die Zuglänge gezielter an die Passagierzahl anpassen. In seiner größten Variante besteht der ICE 4 aus zwölf Teilen, misst fast 350 Meter und hat 830 Sitzplätze, davon 205 in der 1. und 625 in der 2. Klasse.

Pro Sitzplatz soll etwa ein Fünftel weniger Energie verbraucht werden. Die Bahn will damit eine "neue Ära im ICE-Verkehr" beginnen. Der neue ICE 4 werde "das Rückgrat des künftigen Fernverkehrs", sagte Grube.

"Gute Nachricht für alle Radler"

Die Bahn will ihr Angebot im Fernverkehr bis 2030 um ein Viertel ausbauen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sicherte dabei seine Unterstützung zu: "Wir gehen den Weg der Investition, Modernisierung und Digitalisierung der Bahn gemeinsam."

Fertigung und Zulassung der neuen ICE lägen im Zeitplan, betonte der Bahnchef. Im Dezember 2017 sollen die ICE 4 in den Regelbetrieb aufgenommen werden. Derzeit würden sie auf der Schiene getestet. Die ersten Passagiere sollen im Herbst 2016 im Probebetrieb mitfahren.

Wer möchte, wird dann auch zusammen mit seinem Fahrrad verreisen dürfen. Die Bahn reagiert auf die langjährige Kritik von Radlern und wird in der neuen ICE-Flotte ein "umfangreiches" Angebot zur Mitnahme von Fahrrädern einführen. Das erklärte der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber vor wenigen Tagen unter Berufung auf ein Schreiben der Deutschen Bahn. Jeder neue Zug solle mit acht Stellplätzen ausgestattet werden. "Das ist eine gute Nachricht für alle Radler", sagte Huber.

jus/dpa

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Spelt 04.12.2015
1. ...können die Wagen flexibler zusammengesetzt werden...
Das dürfte lediglich (Kosten)vorteile für die Bahn mit sich bringen. Nach Möglichkeit wird immer der kürzestmögliche Zug eingesetzt werden. Die Reisenden müssen sich daher auf vollere Wagen einstellen. Den Effekt kann man seit einigen Jahren schon bei den innerdeutschen Strecken der Lufthansa beobachten, wo teilweise noch kurz vor dem Start auf den nächstkleineren Airbus-Typ umgestellt wird, um die Auslastung zu maximieren.
vantast64 04.12.2015
2. Ich wünsche mir stattdessen, daß die Züge sicherer werden,
indem nicht mehr die jetzigen billigen Wagenverbindungen benutzt werden, sondern (weitgehend) starre Wagenverbindungen, damit der "Zieharmonikaeffekt" nicht auftreten kann, wie es in Eschede geschah. Weniger Tote wären die Folge, auch, wenn der Betrieb etwas aufwendiger wäre.
Robert_Rostock 04.12.2015
3.
"Durch eine neue Antriebstechnologie könnten die Wagen flexibler zusammengesetzt werden, erläuterte Grube. So könne man die Zuglänge gezielter an die Passagierzahl anpassen." Das wage ich mal zu bezweifeln. Zumindest, dass diese Anpassung relativ kurzfristig passieren soll und kann. Schon jetzt ist es ja auch bei normalen lokbespannten Zügen bei der DB so, dass die immer als Einheit (Lok und Wagen) zusammen bleiben. Dass mal freitags bei höherem Verkehrsaufkommen ein Extra-Wagen rangehängt wird, gab es vllt. vor 25 Jahren mal, von Kurswagen ganz zu schweigen. Außerdem dürfte das mit dem flexiblen Zusammenstellen bei den ICE 1 und 2 auch einfacher sein als beim ICE4, da sind einzig die Triebköpfe angetrieben und die Wagen nicht. Beim ICE4 sind meines Wissens einige angetriebene Wagen im Zug verteilt. Was Grube wohl gemeint hat, man kann vom ICE4 viele verschiedene Varianten mit unterschiedlich vielen Wagen und unterschiedlich verteilten Antriebseinheiten bestellen.
Robert_Rostock 04.12.2015
4.
Zitat von vantast64indem nicht mehr die jetzigen billigen Wagenverbindungen benutzt werden, sondern (weitgehend) starre Wagenverbindungen, damit der "Zieharmonikaeffekt" nicht auftreten kann, wie es in Eschede geschah. Weniger Tote wären die Folge, auch, wenn der Betrieb etwas aufwendiger wäre.
Nicht schon wieder dieses Märchen. In Eschede ist eine Brücke auf den Zug gefallen. Das hätte auch mit Jacobs-Drehgestellen (die Sie wahrscheinlich meinen) nicht weniger Tote gegeben.
rainer_daeschler 04.12.2015
5. Gute Nachricht dringend gesucht
Offensichtlich war der Druck durch Negativschlagzeilen so hoch, dass schnell eine Jubel-Nachricht her musste. Da stört es auch nicht, dass es um etwas geht, was erst in zwei Jahren relevant ist. Und nächstes Jahre feiern wir halt die Eröffnung des neuen Stuttgarter Bahnhofs, der dann 5 Jahre (oder mehr) später den Fahrgästen zur Verfügung stehen wird.
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