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Zugverkehr: Deutsche Bahn erwartet ICE-Probleme auch für kommende Winter

Die ICE-Achsprobleme werden die Bahn wohl noch jahrelang beschäftigen. Das teilte der Technikvorstand des Unternehmens mit. Man habe "schlichtweg keinerlei Reserven mehr", sagte ein Sprecher.

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AP

Dauerbrenner Achsprobleme: An 67 ICE-Zügen sollen Bauteile ersetzt werden

Frankfurt/Main - Bahnfahrer müssen auch in den kommenden beiden Jahren mit Einschränkungen im ICE-Verkehr rechnen. Zwar gebe es eine Einigung über den Austausch der Achsen auch bei den ICE-T-Zügen, doch könne dieser erst Ende 2011 beginnen, sagte Deutsche-Bahn-Technikvorstand Volker Kefer am Donnerstag. Die Bundesregierung setzt sich derweil dafür ein, die Industrie bei Pannen stärker in Haftung zu nehmen.

Kefer sagte, nach einer Einigung mit den Herstellern des ICE-3, den Konzernen Siemens und Bombardier, gebe es nun auch eine Vereinbarung über die finanziellen Lasten für den Austausch mit dem französischen Alstom-Konzern, der die ICE-T-Züge mit Neigetechnik herstellt. Die Einigung sieht demnach vor, dass die Achsen, deren Sicherheit in Frage steht, an 67 ICE-Zügen ausgetauscht werden sollen. Insgesamt würden 1872 Radsätze ausgetauscht.

Der Austausch wird nach Angaben Kefers voraussichtlich Monate dauern. Solange bleibe die ICE-Flotte auf heutigem Stand. Der Konzern könne "keine zusätzlichen Kapazitäten herbeizaubern". Zu den Kosten sagte der Bahn-Vorstand lediglich, diese lägen "in der zweiten Hälfte des zweistelligen Millionenbereichs", also zwischen 50 Millionen und 99 Millionen Euro.

Die Bahn verfügt insgesamt über 250 ICE-Züge. Hintergrund der Einigung mit Alstom, Bombardier und Siemens sind Probleme mit ICE-Radätzen, die bei der Entgleisung eines Zuges am Kölner Hauptbahnhof im Sommer 2008 zutage getreten waren. Seitdem muss die Bahn die Züge in deutlich kürzeren Intervallen untersuchen.

"Keinerlei Reserven mehr"

Die momentanen Probleme der Bahn im Fernverkehr bezeichnete Kefer als "Resultat überlagerter Effekte". Neben den höheren Inspektionsintervallen beeinträchtigten auch Probleme der ICE-Züge angesichts des Winterwetters das Zugangebot. Der Konzern habe "schlichtweg keinerlei Reserven mehr. Daran kranken wir". Bei der Bahn kommt es seit Wochen zu Verspätungen und teils auch zu Zugausfällen.

Die Bundesregierung will nach den Pannen an ICE-Zügen und bei der S-Bahn in Berlin unterdessen durchsetzen, dass die Hersteller von Zügen bei Pannen stärker haften müssen. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Welt" von Donnerstag, nannte aber keine Einzelheiten.

Die Zeitung hatte Regierungskreise zitiert, wonach das Ziel sei, "dass die Bahnindustrie in Zukunft deutlich mehr Verantwortung für ihre Produkte übernimmt". Um dies zu ermöglichen, muss demnach das Allgemeine Eisenbahngesetz geändert werden. Das soll bis Jahresende auf den Weg gebracht werden.

sto/AFP

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