Reiserücktritt & Co. Wie Flugportale mit Versicherungen Kunden abzocken

Aggressiv werben Buchungsportale beim Ticketkauf für Zusatzversicherungen - oft zu überhöhten Preisen. Der Vergleich eines Reisemagazins zeigt, wo die größten Fallen lauern.

Ab in die Sonne: Bei der Flugbuchung lauern einige Fallen
REUTERS

Ab in die Sonne: Bei der Flugbuchung lauern einige Fallen


Wer bei dem Buchungsportal Tripsta einen Flug bucht, bekommt dazu nicht nur eine überteuerte Reiserücktrittsversicherung angeboten, sondern sogar noch einen Schutz vor Insolvenz der Airline für 29,99 Euro. "Schließt man alle angebotenen Versicherungen ab, kommen … zum Flugpreis fast 165 Euro dazu", rechnet das Magazin "Reise & Preise" für ein 500-Euro-Flugangebot nach Bangkok vor.

Bei einem Vergleich von neun Anbietern kam heraus, dass die meisten Zusatzversicherungen auf Flugportalen zu überhöhten Preisen angeboten werden. Wer sich selbst entsprechend versichert, kam fast immer günstiger weg, wie die Tester herausfanden. Vier der getesteten Flugportale (Tripsta, Fluege.de, Cheaptickets und Flugladen) wurden als "nicht empfehlenswert" eingestuft, weil die Versicherungspolicen mehr als doppelt so teuer waren wie vergleichbare Versicherungen, die direkt beim Versicherer abgeschlossen werden.

Zwei weitere Portale (Opodo und Expedia) erhielten die Note "bedingt empfehlenswert", weil der Preis zwar stimmte, aber die Erstattungsleistungen eingeschränkt waren. Nur drei der neun getesteten Angebote (Fly.de, Ebookers und McFlight) wurden als "empfehlenswert" eingestuft, weil sich Preis und Leistungen mit den Offerten der Versicherungspartner weitgehend deckten. Die Bestnote "sehr empfehlenswert" erhielt keines der Portale.

Ein Grund für die teils stark überteuerten Angebote sind laut dem Magazin die immer geringer werdenden Margen im Ticketgeschäft. Kunden sollten bei vielen der "Rundum-sorglos"-Pakete überdenken, dass viele der dort enthaltenen Details für die EU schon von der normalen Krankenversicherung abgedeckt sind und ein Zusatzschutz für den Rest der Welt schon ab acht Euro pro Jahr erhältlich ist. Auch über die Kreditkarte sind manche Kunden bereits anderweitig geschützt. Andere Absicherungen (zum Beispiel vor einer Insolvenz der Airline) sollten daraufhin geprüft werden, ob der Schadensfall nicht relativ unwahrscheinlich ist.

Die Tester beanstandeten, dass der Verbraucher bei einigen Portalen während des Buchungsvorgangs durch Warnhinweise wie "Wollen Sie wirklich keinen Schutz, jeder dritte Reisende ist im Urlaub schon einmal erkrankt" gezielt verunsichert wird und so zum Abschluss von Leistungen gedrängt wird, die er eigentlich gar nicht haben will.

sto

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