Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zwischenklasse Premium-Economy: Jeder Zentimeter zählt

Von Helge Sobik

Immer mehr Airlines bieten gegen Aufpreis eine Klasse zwischen Economy und Business Class an. Endlich zieht auch die Lufthansa nach - aus der genauen Ausstattung der Sitze macht sie jedoch bislang ein Geheimnis.

Premium Economy: Willkommen in der Zwischenklasse Fotos
SAS

Es gibt Momente auf Reisen, da ist man plötzlich sicher, dass man sich Glück doch kaufen kann: dann, wenn man auf dem Langstreckenflug nach Fernost oder an die US-Westküste 30 Zentimeter mehr Bewegungsfreiheit genießt als die meisten anderen. Dann, wenn die Knie nicht an die Rückenlehne des Vordermanns stoßen, die Beine sich fast ausstrecken lassen, eine Fußstütze das Sitzen angenehmer macht, der eigene Platz einen Stromanschluss für den Laptop hat. Und das Essen ein bisschen besser ist als weiter hinten.

Die zwei Zauberworte heißen "Premium Economy" - eine meist nur aus wenigen Sitzen bestehende Zwischenklasse, die unterhalb der Business mit ihren breiten Liegesitzen und doch deutlich oberhalb der engen Economy Class angesiedelt ist und dabei doch nur moderat mehr kostet als die Holzklasse.

Immer mehr Urlauber gönnen sich auf Langstreckenflügen dieses gewisse Mehr an Komfort und sind bereit, zwei-, drei- oder auch vierhundert Euro extra pro Strecke dafür auszugeben, während es für die noble Geschäftsreiseklasse zwei- bis dreitausend mehr wären.

Gut für Umsatz und Image

Die Zwischenklassen, anfangs nur bei eher exotischen Airlines wie der taiwanesischen Eva Air zu finden, erfreuen sich inzwischen großer Beliebtheit und sind für die Fluggesellschaften zum lukrativen Geschäft und zum Imagefaktor geworden. Auch die Lufthansa kommt daran nun nicht mehr vorbei.

Weltweit sind es inzwischen rund 30 Airlines, die eine Premium Economy anbieten, teils auch unter anderen Namen: zum Beispiel "World Traveller Plus" bei British Airways, "Deluxe Economy Class" bei Vietnam Airlines oder "Pacific Premium Economy" bei Air New Zealand.

Lange hatte die Führung der Kranich-Airline dafür keinen Bedarf gesehen, während Star-Alliance-Partner wie United und SAS ihr Produkt schon vor Jahren um die Premium Economy ergänzt hatten. Umso überraschender kam nun die Ankündigung, dass Lufthansa die eigene Premium Economy in Langstreckenmaschinen im Frühjahr 2014 auf der Reisemesse ITB vorstellen und die gesamte Fernflugflotte damit ausrüsten wolle. Die neue Zwischenklasse werde "ab Mai buchbar" und voraussichtlich "zum Herbst hin fliegbar" sein, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Gorny.

Details wie die exakte Beschaffenheit der Sitze und die Preispolitik werden zunächst jedoch noch strikt unter Verschluss gehalten. Der Satz, wonach der Sitz "zu einer horizontalen Liegefläche verwandelbar" sein werde, verschwand mittlerweile wieder von der Website der Lufthansa.

Ein Blick zur Konkurrenz

Gedacht ist die Premium Eco für zwei Zielgruppen. Zum einen für diejenigen, die sich die Business Class für den Flug in die Ferien sowieso nicht leisten können oder wollen. Und für Geschäftsreisende, die sie sich aufgrund der Reiserichtlinien ihrer kostenbewussten Firmen nicht mehr leisten dürfen.

Aufschluss über das, was zu erwarten ist, gibt ein Blick auf das Angebot der Konkurrenz und - wichtiger noch - auf das, was die Star-Partner als Premium Economy vermarkten. Denn dahinter wird sich Lufthansa vor dem Hintergrund des selbstgesteckten Anspruchs als "Premium-Airline" nicht verstecken wollen:

So bietet Partner SAS in der Premium Economy zum Beispiel 96 Zentimeter Sitzabstand, 47 Zentimeter Sitzbreite und 112 Grad Sitzneigung, dazu ein Komfort-Kit mit Zahnbürste, Schlafmaske und Ohrstöpseln, außerdem einen Laptop-Stromanschluss am Sitz. Partner United steht nicht ganz so gut da und bringt es je nach Maschinentyp auf 86 bis 89 Zentimeter Sitzabstand bei 43 bis 46 Zentimeter Sitzbreite und 111 Grad Neigung.

Rivale Air France setzt derweil Maßstäbe mit seiner Premium Eco im A380, die es zu toppen gilt. Dort sind es 97 Zentimeter Sitzabstand bei 48 Zentimeter Sitzbreite und 123 Grad Neigung. Das sind rund 20 Prozent mehr Beinfreit und ebenfalls 20 Prozent mehr Sitzfläche als in der herkömmlichen Economy.

Bei den meisten Airlines lassen sich Sitze dieser Klasse auf 110 bis 120 Grad neigen. In Ausnahmefällen sind es nur 104 Grad wie bei Air Transat aus Kanada oder sogar 135 Grad bei Vietnam Airlines. Die Sitzabstände reichen von 84 Zentimeter (Icelandair) über 91 Zentimeter (Condor, Air Transat) bis zu 116 Zentimeter bei Air New Zealand. Zum Vergleich: Normal sind in der Economy Class etwa 78 bis 80 Zentimeter - gemessen von Sitzlehne zu Sitzlehne. Einen detaillierten Überblick bietet das Portal www.vorne-sitzen.de.

Vorreiter war Garuda

Die Idee einer solchen Zwischenklasse war ursprünglich eher aus der Not geboren und über die Jahre einer gewissen Evolution unterworfen. Carrier wie die indonesische Garuda stellten vor bald zwei Jahrzehnten fest, dass ihre ebenso teure wie bequeme Business Class ebenso wie die noch exklusivere First immer schlechter gebucht war, während die Nachfrage nach Economy so gut war, dass man davon mehr Sitze brauchen könnte.

Kurzerhand schaffte man die Buchungskategorie "First Class" ab, beließ aber die entsprechenden Sitze in den Jets und platzierte dort fortan die wenigen Business-Class-Gäste. Die Sessel der Business wurden von da an als aufschlagpflichtige bessere Economy Class verkauft: Es gab dasselbe Essen wie hinten, aber mehr Platz und mehr Bequemlichkeit.

Die Idee zündete und fand in Variationen viele Nachahmer - wenn auch schon bald nicht mehr auf der Bestuhlung der einstigen Geschäftsreiseklasse. Meist kamen aufgewertete Eco-Bänke zum Einsatz, mit erweiterter Beinfreiheit, Fußstütze, oft mit verstellbaren Kopfstützen und besserer Verpflegung.

Keinen Sinn ergibt die Einführung einer Zwischenklasse unterdessen auf Europaflügen und Strecken nach Nordafrika, die gemeinhin in unter vier Stunden Flugzeit zu bewerkstelligen sind - weil schlicht keiner dafür zu zahlen bereit wäre. Das Komfortbedürfnis wächst mit der Länge der Flugstrecke.

Oder andersherum: Je länger man auf seinem Eco-Sitz eingezwängt hocken muss, desto unbequemer wird es - und desto höher ist die Bereitschaft, für einen Zugewinn an Komfort einen gewissen Aufpreis zu zahlen. Weil Glück am Himmel käuflich ist.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. niemals SCOOT
ein-dummer-junge 17.02.2014
bei Scoot muss man den Sitzplaz ja Deinen Sitz noch extra bezahlen. Du willst eine Decke oder ein Kissen , ein Wasser oder was zu essen , alles Extrakosten bei Scoot, Nur das Klo ist noch kostenlos
2. Ganz dafür, aber...
Schnurrli 17.02.2014
... ich wäre noch glücklicher, wenn man die Sitzneigung etwas begrenzen würde. Gleich hinter den eingequetschten Knien kommt bei mir nämlich das Unglück, den Hinterkopf des vor mir Sitzenden in meinem Gesicht zu haben. Ganz abgesehen davon, dass man oft, wenn man solide im mittleren Alter angekommen ist, die Filme auf den in der Rückenlehne eingebauten Monitoren nicht mehr sehen kann, weil sie bei ausgestreckter Lehne des Vordermenschens schlicht zu nah dran sind. Ich selber versuche sowieso, Rücksicht zu nehmen und meinen Sitz nicht so weit nach hinten zu lehnen, "wie es geht". Leider ist vielen anderen Reisenden das total egal, dass der hinter ihnen Sitzende die Schuppen auf ihren Häuptern zählen kann. Reisekomfort ist nicht nur Sitzabstand und -breite, sondern für mich auch Raum zum Atmen.
3. Man darf nicht vergessen
Hamburgues 17.02.2014
was die Fluggesellschaften hier machen. Stück für Stück den Sitzplatz verkleinern und dann dieselben Sitzplätze mit der früheren Beinfreiheit teuer verkaufen. Genau was die Telekom jetzt mit ihrer Datenflatrate versucht. Vor Jahren bekam man den Sitz am Notausgang wenn man früh genug am Schalter war, jetzt sind das bei AirBerlin kostenpflichtige XXL-Sitze. Ich bin über 1,90 und es war schon immer für mich unbequem. Letztens passte ich bei einem Vueling-Flug aber einfach nicht mehr rein in den Sitz- natürlich ohne dass die Fluglinie vorher drauf hinwies. Deshalb ist Premium-Economy Abzocke
4. Mehr Geld für mehr Raum
wernerweith 17.02.2014
Wenn man das Verhältnis der Preise für die Classen als Quotient tabellarisch erfaßt, sieht man den Unsinn der Flugpreise. Lustig wird dann die Auswertung wenn man den Sitzabstand als Funktion des Preises einsetzt.
5. Bringt gar nix...
fatherted98 17.02.2014
Zitat von sysopSASImmer mehr Airlines bieten gegen Aufpreis eine Klasse zwischen Economy und Business Class an. Endlich zieht auch die Lufthansa nach - aus der genauen Ausstattung der Sitze macht sie jedoch bislang ein Geheimnis. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/zwischenklasse-premium-economy-a-951519.html
...solange der Sitz nicht in einer moderaten Schräglage nach hinten geht, ist alles andere nur Makulatur....die Breite der Sitze ist höchstens für Fette ein Thema....die eigentliche Qual ist das "nicht liegen" können...und das wird in der Premium Eco auch nicht gelöst...also nur rausgeschmissenes Geld.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Getty Images
Check-in-Schalter, Startbahn, Terminal: Weltweit bestehen Airports aus den immer gleichen Elementen - und sind doch so verschieden. Wie gut kennen Sie die Kathedralen der Globetrotter? Beweisen Sie Ihre Jetset-Tauglichkeit im Flughafen-Quiz!

Fotostrecke
Skytrax-Ranking: Die besten Airlines der Welt