Zypern Cobalt Air stellt Flüge ein - Reisende sitzen fest

Die größte Fluggesellschaft Zyperns hat über Nacht sämtliche Flüge annulliert. Dutzende Reisende mussten die Nacht am Flughafen verbringen.

Flughafen Larnaka
AP

Flughafen Larnaka


Nach nur zwei Jahren hat Zyperns größte Fluggesellschaft Cobalt Air überraschend ihren Dienst eingestellt. Alle ab kurz vor Mitternacht geplanten Flüge würden wegen eines "Aussetzens der Tätigkeit auf unbestimmte Zeit" annulliert, teilte die Airline am Mittwochabend auf ihrer Internetseite mit.

Dutzende Reisende mussten die ganze Nacht zum Donnerstag im Flughafen von Larnaka ausharren. "Niemand hat uns informiert was los ist und was wir tun sollen", sagten Reisende im staatlichen Fernsehen (RIK). Die Lage normalisierte sich am Donnerstagnachmittag.

Die zyprische Regierung kündigte an, sie werde die Kosten der Rückreise für alle betroffenen Touristen übernehmen. Andere Fluglinien boten den Reisenden Flüge zu günstigen Preisen an, berichtete das Staatsradio weiter.

Cobalt Air riet ihren Kunden davon ab, sich am Donnerstag zum Flughafen zu begeben oder die Büros der Fluglinie zu kontaktieren - denn auch diese stellten ihren Dienst ein.

"Konnten nicht das Kapital finden"

Stattdessen sollten Betroffene umbuchen und die Rechnung aufheben sowie ihre Reiseveranstalter oder ihre Bank kontaktieren, um sich das Geld erstatten zu lassen. Die erst vor zwei Jahren gestartete Billigairline entschuldigte sich "aufrichtig" für die Einstellung ihrer Dienste.

Mehrheitlich war die Fluglinie bislang von chinesischen Investoren finanziert. "Wir haben uns bemüht, aber wir konnten leider nicht das Kapital finden, um weiter zu arbeiten", sagte der Chef der Fluglinie, Grigoris Diakos, laut der Nachrichtenagentur dpa im zyprischen Rundfunk. Alle 280 Angestellte der Cobalt seien bis zum letzten Arbeitstag bezahlt worden, hieß es.

Cobalt Air ist seit der Pleite von Cyprus Airways Anfang 2015 die größte Fluggesellschaft Zyperns. Cobalt Air hatte sechs Flugzeuge und flog 23 Ziele an. Das Verkehrsministerium der Insel versicherte, es werde für alle Passagiere, die sich noch in Zypern aufhielten, eine Lösung gefunden.

Wettbewerbsdruck könnte weitere Pleiten nach sich ziehen

Unbestätigten Informationen zufolge hatte die Airline Zahlungsprobleme und musste ihren Verkehr nun einstellen, nachdem Verhandlungen mit einem potenziellen europäischen Investor gescheitert waren. Betroffen von den Annullierungen sind nun hunderte Passagiere, die genaue Zahl blieb aber unklar.

Nach Einschätzung der Bundesregierung kann der zunehmende Wettbewerbsdruck am europäischen Himmel noch weitere Pleiten in der Branche nach sich ziehen. "Der erhöhte Wettbewerbsdruck kann im Ergebnis zu weiteren unternehmerischen Umstrukturierungen, wie auch Insolvenzen, führen", zitierte das "Handelsblatt" am Donnerstag aus einer Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

"Notwendig ist eine gesetzliche Regelung, die Fluggesellschaften verpflichtet, eine Versicherung für die Rückholung gestrandeter Passagiere abzuschließen", sagte der FDP-Politiker Reinhard Houben der Zeitung. Die Kosten hierfür könnten über die Ticketpreise finanziert werden. Die Regierung müsse das Thema entweder auf die europäische Agenda bringen oder selbst aktiv werden. "Die Insolvenz einer Fluggesellschaft darf nicht erneut zum Risiko für den Bundeshaushalt werden", sagte Houben mit Blick auf die Pleite von Air Berlin.

kry/dpa/AFP

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