Die beiden Landwirte sind am Bungsberg die Pioniere des Skibetriebs. Es begann vor fast 40 Jahren nach einem Winterurlaub im Harz, erinnert sich Schnoor. Damals wurde der Lift noch mit einem Traktor betrieben. Er fuhr selbst gern Ski, Schröder hat das nie lernen wollen. Beiden gehört der Berg, immer im Herbst bauen sie die Weidezäune ab und den Lift auf - und hoffen auf genug Schnee. In manchen Wintern reicht der Schnee für ein paar Tage Skibetrieb, in manchen Jahren warten Schnorr und Schröder auch völlig vergebens.
Jetzt aber freuen sie sich über "so viel Winter an einem Stück", so Schnoor: "Das ist schon einmalig." Wo sie im Sommer das Heu für ihre Tiere ernten, gleiten an diesem Wochenende mit viel Neuschnee lachend und johlend ganze Familien auf Skiern zu Tal - oder riskieren rasante, mehrere hundert Meter lange Schlittenabfahrten über die inzwischen buckligen Pisten.
Hinab in einer halben Minute - mit großen Kurven
Alpenerfahrene Skiläufer aus Süddeutschland mögen über den Bungsberg lächeln, für Flachländer Marke "Nordisch by Nature" ist er durchaus imposant und reicht Ski-Neulingen allemal zum Üben. Per Ski dauert die Abfahrt etwa 30 Sekunden, wenn man es gemütlich angehen lässt, gute Skifahrer schaffen es auch flotter. Nur eineinhalb Minuten braucht der Schlepplift dann wieder bis nach oben und transportiert etwa 600 Menschen pro Stunde, sicher nicht der schnellste Lift der Welt.
Dass man dann so flink wieder unten ist, tut dem Vergnügen keinen Abbruch. "Das ist hier besser als jede Skihalle, so an der frischen Luft. Und die beiden Bauern sind auch so lustig", findet der Hamburger Lutz-Peter Sick, 64. Wie viele andere reiste er am Samstag mit seiner Partnerin und einem befreundeten Paar für den Nachmittag an. Sie sind begeistert: "Es ist nicht das letzte Mal, dass wir kommen."
Dass es hier nicht den üblichen Hüttenzauber des Skibetriebs wie etwa in den Alpen gibt, den auch die Skihallen zu imitieren versuchen, stört sie überhaupt nicht. "Eine nette Alternative für den Nachmittag und allemal besser als Fernsehen", sagt Sick. "Super, man kann sich hier richtig austoben", finden auch Susanne und Andre Schmid, beide aus der Nähe von Oldenburg und Anfang 30.
Schönwalde hat große Pläne
Rund 2500 Einwohner hat der kleine Ort Schönwalde in der Holsteinischen Schweiz. In der "Talstation" verkaufen die schlauen Bauern Schnorr und Schröder Tickets, die Tageskarte für immerhin 15 Euro, die 20er-Karte für 10 Euro. Oben am Waldrand gibt es eine Würstchenbude, Glühwein und ein kleines Toilettenhäuschen. Inmitten des Buchenwäldchens am Parkplatz steht ein marodes Restaurant mit eingeschlagenen Fenstern - samt Aussichts- und Fernsehturm, die einen desolaten Eindruck machen.
Damit soll es aber bald vorbei sein: Mit Millionenaufwand soll das Gebiet zu einer touristischen Hochburg werden. Das Konzept habe ein Planungsbüro im Auftrag des Landes entwickelt, berichtet Schönwaldes Bürgermeister Hans-Alfred Plöner (CDU). "Nun müssen Investoren und Betreiber gesucht werden." Dann dürfte es am Bungsberg das ganze Jahr boomen, hofft er - und auch: "Dass ich dann meine Goldene Hochzeit hier oben im Restaurant feiern kann."
Schnoor und Schröder dürften solche Pläne freuen. Ihre Kinder und Enkel stehen schon bereit, das Skigeschäft zu übernehmen.
Von Karen Katzke, dpa
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