Berlin - Von Wandern in Thüringen bis Caravan-Reisen durch Rajasthan: Mit mehr als 11.000 Ausstellern hat am Mittwoch in Berlin die weltgrößte Reisemesse ITB begonnen. 187 Länder sind mit Ständen vertreten, darunter Touristenmagnete wie Spanien und Österreich, aber auch Ziele wie Gambia und Usbekistan. 170.000 Besucher werden bis Sonntag erwartet.
Bei der Eröffnungsfeier am Dienstagabend erinnerte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Branche an ihre Verantwortung für den Umweltschutz. Tourismus könne sich heute nur entwickeln, wenn dieser darauf Rücksicht nehme. "Es ist unsere Welt und es ist eine Welt", sagte Wowereit. Er nahm die Messe am Mittwoch bei einem Rundgang mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Augenschein. "Messen sind Brücken für Handelsbeziehungen", sagte Brüderle. Die Reisebranche habe ein schweres Jahr hinter sich. "Aber es geht wieder aufwärts."
Besonders steil aufwärts geht es im Tourismus derzeit in der Türkei, die Partnerland der diesjährigen Messe ist. Laut einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung liegt das Land hinter Spanien auf Platz zwei der beliebtesten Urlaubsländer für Touristen aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Im Gegensatz zum Spitzenreiter konnte es in allen Bereichen Zuwächse feiern, den größten in Großbritannien. Dort geht dieser Trend mit einem deutlichen Anstieg des All-inclusive-Urlaubs einher. Bei russischen Urlaubern ist die Türkei mit einem Marktanteil von 36 Prozent sogar das meistgebuchte Reiseland.
"Wunderbare Destination für die Kultur"
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hob die Reize der Türkei hervor. "Das ist eine wunderbare Destination für die Kultur." Er sei selbst schon viel in der Türkei herumgekommen. Das Land will in diesem Jahr erneut mehr deutsche Besucher anlocken und ihre Zahl von 4,5 auf mehr als 5 Millionen steigern.
In der Halle 3.2 wurden nun 3000 Quadratmeter Standfläche gebucht, um die Vorzüge des Landes anzupreisen. Dort erwarten Besucher unter anderem ein Restaurant und Basar-Läden. Eine Tanz-Show und ein Nachbau des Portals der Divrigi Ulucami Moschee, des ältesten Baudenkmals des Islam in Anatolien, sollen den Kulturreichtum des Landes zeigen. Auch die Präsentation Istanbuls als eine der drei Europäischen Kulturhauptstädte 2010 nimmt breiten Raum ein. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines lädt zum Take-off in einem Boeing-777-Flugsimulator ein.
Die ITB ist bis Freitag Fachleuten vorbehalten, am Samstag und Sonntag öffnet sie auch für Privatbesucher. Die 26 Messehallen sind erneut ausgebucht, die Messe gilt in der Reisebranche als wichtiges Konjunkturbarometer. Nach einem deutlichen Minus 2009 startet die Branche vorsichtig optimistisch in die neue Saison. Erwartet werden auf der ITB Geschäftsabschlüsse in Höhe von rund sechs Milliarden Euro.
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DVR) vom Dienstag ist die deutsche Reisebranche offenbar auf dem Weg der Erholung. Zwar mussten die Anbieter 2009 ein Umsatzminus von drei Prozent hinnehmen, laut Marktforschungsunternehmen GfK steigen aber für den Sommer 2010 die zuletzt sinkenden Buchungszahlen seit zwei Monaten an und hatten sich Ende Januar auf dem Vorjahresniveau stabilisiert. Bei den beliebtesten Reisezielen der Europäer ist derweil die Türkei deutlich auf dem Vormarsch, das Partnerland der ITB. 4,5 Millionen Deutsche machten im vergangenen Jahr dort Urlaub.
Massiver Einbruch bei Geschäftsreisen
DRV-Präsident Klaus Laepple bezifferte in Berlin den Umsatz der deutschen Reisebranche im vergangenen Jahr auf 20,8 Milliarden Euro. Auf Geschäftsreisen spezialisierte Veranstalter verzeichneten demnach einen Einbruch von 25 Prozent. Auch die Zahl der Flugreisenden ins Ausland ging 2009 deutlich zurück: 67,2 Millionen Passagiere starteten im vergangenen Jahr ins Ausland - 3,2 Millionen oder 4,5 Prozent weniger als 2008, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Rückläufige Passagierzahlen gab es auch auf Flügen zu nahezu allen Inseln und Inselgruppen: Die Balearen verbuchten ein Minus von 5,5 Prozent, die Griechischen Inseln von 4 Prozent und Sizilien sogar von 6,6 Prozent. Sardinien konnte dagegen bei den Flugreisenden um 6,7 Prozent zulegen.
Zur Finanzkrise in Griechenland und deren mögliche Auswirkungen auf Griechenland-Touristen in der kommenden Saison sagte Laepple, Individualreisende müssten zwar damit rechnen, dass es in dem Land "hier und da zu Preiserhöhungen kommt". Er gehe aber insgesamt davon aus, dass die Krise keine Auswirkungen haben werde, "da die Urlauber von all diesen Dingen nichts bemerken".
All-inclusive im Trend
Griechenland belegt in der Gunst der Urlauber aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden laut GfK in der Sommersaison 2010 Platz drei. Allerdings muss Griechenland wie auch Spanien als beliebtestes Ferienziel noch Einbußen auf den deutschen, britischen und niederländischen Reisemärkten im Vorjahresvergleich hinnehmen. Italiener und Franzosen verreisen im Sommer bevorzugt im eigenen Land.
In Deutschland reagieren die großen Reiseveranstalter auf die gestiegene Nachfrage nach All-inclusive-Angeboten. So berichtet die Thomas-Cook-Sparte Neckermann Reisen, dass 38 Prozent der deutschen Urlauber dieses Jahr einen solchen Urlaub planten, um die Nebenkosten schon vor Reisebeginn zu kennen. Branchenprimus TUI geht bei den eigenen Kunden sogar von etwa 55 Prozent Nachfrage im Sommer 2010 aus und erhöht laufend den Anteil an solchen Rundum-Sorglos-Paketen.
Im vorigen Sommer waren bereits rund 50 Prozent der TUI-Pauschalurlauber mit All-inclusive-Reisen unterwegs. Noch sind die Folgen der Wirtschaftskrise nicht ausgestanden, die Zukunft wird von vielen weiterhin als ungewiss empfunden. Teure Extraausgaben und unkalkulierbare Risiken passen da nicht ins Bild.
sto/dpa/AFP
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