Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Aber Kohle habe ich bis ins Jugendalter allerhöchstens zweimal gesehen. Zum ersten Mal war es im Kindergarten bei einem Ausflug ins Bergbaumuseum. Da bekommt seit Jahrzehnten der komplette Pottnachwuchs in gut 20 Metern Tiefe ein Show-Bergwerk zu sehen. Hier wird jeder Generation schon früh vermittelt: Wir im Ruhrgebiet bauen auf Kohle.
Ein paar Jahre später erklärte uns die Grundschullehrerin im Gruga-Park in Essen vor der geologischen Wand, wo unter der Stadt die Kohleflöze liegen. Das war 1986, als in Essen die letzte Zeche geschlossen wurde. Kohle interessierte damals niemanden in meiner Klasse. Die Lehrerin erzählte, wie das "schwarze Gold" entsteht, wir warfen Kieselsteine aufeinander oder auf die Enten im Teich nebenan.
Wenn ich heute durch die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 fahre, kommt mir oft die Grundschullehrerin und ihre Kohle-Show in den Sinn. Da erklärt zum Beispiel ein Führer auf Zollverein den Besuchern vorab beinahe entschuldigend, dass er "nie unter Tage", sondern nur oben auf dem Gelände gearbeitet hat. Er erläutert später, das müsse man sagen, die Leute seien sonst oft enttäuscht. Kohle ist heute im Pott nur noch Folklore. Ein Stoff von gestern - wie so vieles im Revier.
Besucher, Journalisten und auch manche Bewohner der Region pflegen trotzdem immer noch das Bild vom bodenständigen Industrierevier. Die Werkbank Deutschlands, das Biotop der arbeitenden Klasse - neben den Lederhosen-Bayern ist das Ruhrgebiet der kleinste gemeinsame Nenner, wenn es um eine bestimmte deutsche Identität geht: Hier malochen alle, gucken Fußball und trinken nach der Schicht am Eck gemeinsam Bier. Hier kennt man sich, hier hilft man sich, hier ist die Welt noch ehrlich und gut.
Das klingt schön, aber die Realität ist eine andere. Vielleicht ist es an der Zeit, mit ein paar Lebenslügen des Reviers endgültig aufzuräumen.
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Liebe(r) ZyanCarla! ...ohne weiter inhaltlich auf ihren Text eingehen zu wollen: meinen Sie einen anderen Artikel? Geht es im Hauptartikel wirklich um Schönheit und Idylle im Ruhrgebiet ??? Ich stimme Ihnen zu: der Autor hat, [...] mehr...
Habe diese Verklärung seitens Ruhrpottler auch nie nachvollziehen können. Wahrscheinlich muss man sich das Grau schönreden oder die Hirnwäsche seitens der Kohleabbaugesellschaften hat generationsübergreifend funktioniert. Bin zwar [...] mehr...
So. Und nachdem sie jetzt ungefragt und völlig Grundlos auf eine Region eingedrescht haben: woher kommt ihr Hass? Sind Sie neidisch weil Ihre Stadt/Region nicht zur "Kulturhauptstadt" hochgejubelt wird? Waren die [...] mehr...
Herr Lischka als ehemaliger Ruhri hat in München wohl ins Unterbewußte verdrängt, dass es im Revier wohl doch etwas Gemeinsames, Verbindendes gibt,trotz regionaler Abweichungen, was in der Lage ist, das [...] mehr...
Ich habe auf den Schmonzens von den Herrn Lischka da (http://www.derwesten.de/blogs/ingeborch/stories/7745/) mal watt ausführlicher drauf geantwortet. Gucken Sie selber, wer Recht hat und Ahnung vom Ruhrpott...S mehr...
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