Berlin - Jetzt also auch Frankfurt: Nach mehreren deutschen Flughäfen haben die Behörden auch die Main-Metropole für den Flugverkehr vorläufig geöffnet. Bis Sonntagabend 20 Uhr könnten die Maschinen sowohl vom Airport Rhein-Main als auch vom Flughafen Hahn im Hunsrück aus in Richtung Norden starten.
Zuvor hatte die Deutsche Flugsicherung die Sperrung der Lufträume an fünf deutschen Flughäfen gelockert. In Berlin-Schönefeld, Berlin-Tegel, Erfurt, Leipzig, und Hannover seien wieder Flüge bis 20 Uhr eingeschränkt möglich, erklärte eine Sprecherin. Zunächst hatte es geheißen, auch Hamburg sei unter den freigegebenen Airports. Doch nach Auswertung neuester Wetterdaten entschieden sich die Behörden gegen eine Öffnung des Flughafens in der Hansestadt.
Als Begründung für die Lockerung des Verbots führte die Flugsicherung ein Schlupfloch in der Aschewolke auf. Von den fünf wieder am Nachmittag eröffneten Flughäfen könnten die Maschinen nun in Richtung Osten starten. Wie nach 20 Uhr weiterverfahren wird, werde noch geklärt. Wegen der Vulkanasche aus Island hatte die Flugsicherung seit Donnerstagabend den Flugverkehr im deutschen Luftraum massiv eingeschränkt.
Auch in Skandinavien haben sich am Sonntag erste Lockerungen der Flugverbote abgezeichnet. In Norwegen kündigte die Luftfahrtbehörde eine mögliche Öffnung des Internationalen Flughafens Oslo Gardermoen für den Abend an. Ein Entscheidung solle um 21 Uhr bekanntgegeben werden.
Fluggesellschaften drohten mit Regressforderungen
Zuvor hatte es Streit zwischen Behörden und Flugunternehmen gegeben. Die Sperrung der Lufträume sorgt für Milliardenverluste - und einige Airlines zweifeln daran, ob die Tausenden Flugausfälle seit Donnerstag wirklich notwendig waren. Es habe keine genauen Messdaten über die Aschekonzentration am Himmel gegeben, warfen sie Meteorologen und Vulkanologen vor.
Joachim Hunold, Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, kritisierte in der "Bild am Sonntag", in Deutschland sei noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befindet. Die Schließung des Luftraums sei ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Vulcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London erfolgt.
In einer Mitteilung äußerte Hunold sein Unverständnis über das Vorgehen der Behörden: "Uns verwundert, dass die Ergebnisse der Testflüge von Lufthansa und Air Berlin vom Samstag keinerlei Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Luftsicherheitsbehörden gefunden haben. Zudem vermissen wir einen Krisenstab des Bundesverkehrsministeriums in einer Zeit, in der der ganze deutsche Luftraum gesperrt ist."
Die Lufthansa schloss sich Hunolds Forderung an und drohte gar mit Regressforderungen. "Das Ministerium sollte jetzt schleunigst handeln", sagte Konzernsprecher Klaus Walther. Auch er verlangte verlässliche Aschemessungen für den deutschen Luftraum. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", sagte er am Sonntag. Die Airline, der wegen des Flugverbots massiv Umsatz entgeht, behalte sich Regressansprüche vor. "Wir behalten uns auch vor, die Frage zu stellen, wer haftet eigentlich, wer kommt für die Schäden auf?", sagte Walther.
Verkehrsminister Ramsauer widerspricht Kritik
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wies die Kritik am Flugverbot zurück. Er sei "kein Panikminister", sondern halte sich strikt an internationale Vorgaben, wie im Falle von Vulkanasche vorzugehen sei. Alles andere wäre unverantwortlich. "Bei allem Verständnis für die Klagen der Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber über Umsatz- und Gewinneinbußen - das Geschrei möchte ich hören, wenn etwas passieren würde", sagte der Minister der "Bild"-Zeitung.
Ramsauer rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung im Flugverkehr. Er gehe davon aus, dass das Flugverbot auch noch für die nächsten Tage gelte. Messungen vom Sonntag bei München hätten ergeben, dass nach wie vor Vulkanasche im deutschen Luftraum sei, sagte der CSU-Politiker.
"Was wir jetzt brauchen, ist Regen und Wind, um die Vulkanasche aus der Luft auszuwaschen." Er appellierte an die Länder, nach einer Entspannung der Lage auch die Möglichkeit einer vorübergehenden Lockerung von Nachtflugverboten zu prüfen. Darüber will er mit den Ländern beraten.
vme/phw/AFP/dpa/Reuters
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