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02.06.2010
 

Quad-Touren in der Lausitz

Mit Karacho durchs Revier

Von Tim Tolsdorff

Quad-Rundfahrt: Adrenalinsport im Seenland
Fotos
Quadcenter Klein Partwitz, Andreas Ittmann

2. Teil: Lebensgefahr an der Grube

Andreas Ittmann betont, dass es ein Projekt von Jahrzehnten sei, die Wunden zu verschließen, welche die gigantischen Braunkohlebagger der Natur geschlagen haben. "Hier wurde der Kohleabbau vor über 25 Jahren eingestellt", sagt der Guide. "Und seit zehn Jahren läuft das Wasser in die Grube." Trotzdem werde es noch einige Zeit dauern, bis die Seeufer betretbar sein werden - Schilder mit der Aufschrift "Betreten verboten - Lebensgefahr" warnen vor den Gefahren. Die verborgenen Risiken in diesem Teil der Lausitz sind auch dafür verantwortlich, dass Ittmann für seine Touren Jahr für Jahr Papierkriege mit Behörden und Unternehmen ausfechten muss, um an die Durchfahrtgenehmigungen zu kommen.

Warum Vorsicht die Mutter der Lausitzer Sandkiste ist, wird auf der nächsten Etappe klar. Nach dem Abstecher auf einen künstlich aufgeschütteten Hügel rast der knatternde Konvoi durch eine sandige Landschaft. Der einsetzende Regen verwandelt den Sand schon bald in Morast, statt Staubwolken fliegen nun von den Breitreifen aufgewirbelte Schlammspritzer meterweit durch die Luft. Brav bleibt die Truppe in der Spur von Ittmanns Quad - links und rechts davon gähnen metertiefe Erosionsspalten im Boden, die entfernt an Wadis in den Wüstenregionen der Welt erinnern.

Sogar eine Herde von artverwandten Feuerstühlen ist an diesem Tag zu beobachten: Mit einem Knattern bricht aus dem Waldgürtel zur Rechten eine Rotte von Enduro-Fahrern und nimmt einen Teil der Wüstenei in Beschlag. Andreas Ittmann führt seinen Tross derweil in den "Sandkasten", eine Senke, in der die Kunden Sprünge wagen, durch Steilkurven jagen oder steile Böschungen bezwingen können. Inmitten des lärmenden Durcheinanders kann man unter den Helmen immer wieder grinsende Gesichter erspähen - alles Glück dieser Erde liegt eben nicht nur auf dem Rücken der Pferde, sondern manchmal auch auf dem Plastiksitz eines lärmenden Viertakters.

Braunkohlewerk und Windräder

Nach dieser Geländeprüfung ist Halbzeit auf der dreistündigen Tour. Rastplatz ist der "Terranova"-Hof inmitten der Retortenlandschaft. Die Eigentümer haben sich nach der Wiederherstellung der Natur hier selbstständig gemacht, es gibt kein fließendes Wasser, dafür aber dampfenden Kaffee. Zur Linken wiehern Ponys und Pferde, zur Rechten röhren Watussi-Rinder mit mannsbreiten Hörnern und balgen sich mit einem zottigen Yak um die beste Position am Futtertrog.

Am Horizont schickt das Kraftwerk "Schwarze Pumpe" gewaltige Wolken in den Himmel, verarbeitet in stetem Rhythmus die aus den noch aktiven Tagebauen über kilometerlange Förderbänder herbeigeschaffte Braunkohle. Daneben drehen sich im gemächlichen Takt Batterien von Windrädern - in diesem Moment scheinen Vergangenheit und Zukunft der Energieerzeugung friedlich vereint.

In der Pause erzählt Andreas Ittmann von sich und seinem Betrieb. Das Quad-Center ist Teil eines Familienunternehmens. Seine Eltern betreiben in Klein Partwitz einen Gasthof. Wie bei fast allen Familien in der Region prägte die Braunkohle auch die Geschichte der Ittmanns. Im Festsaal der Wirtschaft liegen heute noch Parkettstücke aus dem Rathaus des Nachbardorfs Groß Partwitz, in dem Ittmanns Großvater Bürgermeister war.

Die Holzteile sind die letzten Überreste des Städtchens, das einem Tagebau weichen musste. Auch Klein Partwitz war irgendwann von Kohlegruben umzingelt, die Abbruchkanten fraßen sich gnadenlos auf die Häuser zu. Schließlich sollten die Bewohner umgesiedelt werden. Dass es nicht so weit kam, verdankt der Ort einer geologischen Besonderheit: Verborgen im Boden lagern hier gewaltige Findlinge. Die riesigen Steine schreckten vor 30 Jahren die Kohleförderer ab, weil sie die Schaufeln der Bagger zerlegt hätten.

Landluft statt Hightech

Bevor Andreas Ittmann sein eigenes Geschäft aufzog, machte er es wie viele der jungen Generation und suchte sein Glück im Westen: "Ich zog mit Anfang 20 nach Stuttgart, arbeitete einige Jahre dort", berichtet er. Später werkelte er im Reinraum des Chipherstellers Infineon in Dresden. Irgendwann sei dann die Entscheidung gefallen, die sterile Atmosphäre in der Hightech-Fabrik gegen die würzige Landluft einzutauschen. Von der Bank lieh er sich 100.000 Euro und investierte in die Fahrzeuge. Diese Entscheidung habe er bislang nicht bereut, auch in diesem Jahr seien seine Touren auf Wochen ausgebucht.

Nach der Stärkung und einer kleinen Führung über den Hof besteigt die Truppe wieder die Quads. Auf dem Rückweg steht noch eine Waldprüfung an. Auf verschlungenen Hohlwegen röhren die Quads durch einen Kiefernhain. Die meisten Fahrer werden nun etwas mutiger, geben mehr Gas, zögern die Bremspunkte vor den Steilkehren hinaus oder vertrauen auf die Kurvenstabilität der Quads. Manche überschreiten die Grenze zum Übermut: Mit einem Kippen nach außen quittieren die Quads zu hohe Einsätze beim Zocken mit der Fliehkraft. Andreas Ittmann betont aber, dass es auf seinen Touren noch nie zu Personenschäden gekommen sei. Immerhin: Umgekippt seien schon einige Kunden.

Die letzte Etappe führt in zügigem Tempo über bekannte Wege zurück nach Klein Partwitz. Hier überspringt der Tachometer einige Male die Marke von 70 km/h. Die Begegnung mit einem Wildschwein oder einem Reh möchte man sich in diesem Augenblick nicht ausmalen. Dabei wimmeln die jungen Wälder der Umgebung von den Tieren - regelmäßig könnten Gäste sie zwischen den Stämmen und auf Lichtungen erspähen, sagt Ittmann. Für ihn persönlich habe sich im vergangenen Jahr ein Traum erfüllt: Mit seinem Quad schreckte er einen der rund 60 Wölfe auf, die mittlerweile in der Lausitz lebten. Bevor das Tier im Unterholz verschwand, sei der menschenscheue Räuber hundert Meter vor den Quads davongelaufen - mit Tempo 60.

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insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.06.2010 von lespaul57: Titel

Da ich inmitten der beschriebenen Landschaft wohne, habe ich diesen Artikel mit besonderem Interesse gelesen. So eine Tour wollte ich auch mal bei Gelgenheit machen. In der Tat handelt es sich hier NICHT um irgendwelche [...] mehr...

02.06.2010 von Holperik: Man ist ja schließlich wer

Wölfe und Wildschweine sind halt nur was für ältliche, grün angehauchte Knickerbockerträger mit Spektiv oder 800m Tele, die im Morgenlicht im Gebüsch hocken. Da fehlt der Adrenalinschub, man ist ja schließlich dynamisch und [...] mehr...

02.06.2010 von rwin: In Ruhe lassen

Warum läßt man die Wildschweine und Wölfe nicht einfach in Ruhe? Warum muß man eine geschundene Natur auch noch mit Füßen treten? Wildschwein und Wölfe sind mir jedenfalls lieber als Quad-Touristen... mehr...

02.06.2010 von MagNix: Adrenalinsport...

Klar. Die ganze Welt ist ein Abenteuerspielplatz für verhinderte Actionhelden. Wann werden die Wölfe dort abgeknallt, weil sich einige der "Abenteurer" durch diese gestört fühlen könnten (schlecht fürs Geschäft und [...] mehr...

02.06.2010 von scheppertreiber: Lächerlich ....

Quad im Sand ? Mit einem Gespann (zB Dnepr oder Ural, geländegängig mit Beiwagenantrieb und Differentialsperre) macht das erst richtig Spaß. So ist das Kinderkram für Touristen. mehr...

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