Neues Baumhaushotel: Oben Whirlpool, unten Wölfe

Am Boden jaulende Wölfe, auf dem Baum die Menschen: Was sich wie ein Notfall in der Wildnis anhört, ist in Wahrheit ein touristisches Angebot für Tierliebhaber. Vor allem Familien will das Baumhaushotel im Wolfcenter Dörverden anlocken.

Baumhaushotel in Dörverden: Schlafplatz über dem Wolfgehege Fotos
dapd

Dörverden - Allein unter Wölfen. Für dieses Abenteuer ist Familie Haitz eigens aus Mannheim ins niedersächsische Dörverden gereist. Denn das Wolfcenter bietet seit Neuestem Übernachtungen im Baumhaushotel "Tree Inn" mit direktem Ausblick auf das Gehege von sechs Jungwölfen. "Das war richtig cool", schwärmt Jessica Haitz nach dem Frühstück an diesem Morgen. Die 19-Jährige bekam von ihren Eltern den Aufenthalt zum bestandenen Abitur geschenkt.

Wer beim Begriff Baumhaus an eine wackelige Leiter und ein provisorisch zurechtgezimmertes Plätzchen im Geäst des heimischen Gartens denkt, der wird von dem auf fünf Meter hohe Stelzen gebauten futuristischen Gebäude überrascht sein. Über eine Seilhängebrücke erreichen die Gäste den 30 Quadratmeter großen Innenbereich. Mit Minibar, Flachbildfernseher und Dachterrasse komfortabel ausgestattet, erlaubt eine sieben Meter lange Glasfront auch vom Whirlpool aus einen ganz entspannten Blick auf Yiva, Juri, Odin, Olomuk, Remo und Sirius.

"Die jungen Wölfe spielen ziemlich viel und balgen sich wie kleine Hunde", schildert Jessica ihre Beobachtungen. Darüber hinaus seien sie sehr neugierig. "Nachdem die Besucher gegangen waren, sind wir am späten Abend noch einmal mit Taschenlampen unterwegs gewesen. Mein Bruder Marcel ist um die Gehege herumgejoggt und die Wölfe haben ihn am Zaun entlang verfolgt", erzählt die rothaarige 19-Jährige mit leuchtenden Augen. Mit großem Interesse hat die Familie auch den vergeblichen Versuchen der Raubtiere zugeschaut, Mäuse zu fangen. Am Morgen hätten die Wölfe dann ein großes Geheul angestimmt. "Wenn einer anfängt, dann heulen alle anderen mit", sagt Jessica.

Vorsicht vor pubertierenden Tieren

Das Wolfcenter hat zwei Wolfsgehege, die in einen Wald integriert sind, so dass die Tiere die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Eine Beobachtungsplattform erlaubt den Besuchern dennoch gleichzeitig einen guten Überblick. "Die jungen Wölfe sind im Mai vor zwei Jahren im Welpenalter zu uns gekommen, und wir haben sie mit der Milchflasche großgezogen", erklärt Frank Faß, der das Unternehmen als Inhaber leitet. Die Wolfsgeschwister seien Menschen gegenüber deshalb weniger scheu. "Wir können heute noch zu ihnen reingehen, müssen dabei aber immer wachsam sein", sagt der gelernte Luft- und Raumfahrttechnikingenieur, zumal sie mittlerweile in der Pubertät seien.

Die fünf europäischen Grauwölfe in dem zweiten Gehege verhielten sich dagegen scheu gegenüber Menschen. Drei von ihnen wurden aus dem Institut für Haustierkunde der Christian-Albrechts-Universität in Kiel nach Dörverden umgesiedelt. "Wegen ihres recht hohen Alters von neun beziehungsweise elf Jahren haben wir ihnen im vergangenen Sommer zwei Wolfswelpen aus dem Tierpark Gotha dazugesetzt, die sie aufgezogen haben. Das hat wunderbar geklappt", sagt Faß stolz. Der 37-Jährige hat sich mit dem Wolfcenter einen Traum erfüllt. Er möchte, dass die Leute hier etwas lernen über das Verhalten, den Lebensraum, die soziale Struktur und das Jagdverhalten der Tiere, die sich in den vergangenen Jahren langsam im Osten Deutschlands wieder ausbreiten.

Um die pro Jahr angestrebte Zahl von 100.000 Besuchern zu erreichen, soll das Wolfcenter nach Worten von Faß in den kommenden Jahren erweitert werden. "Ich möchte beispielsweise auch Timber- und Polarwölfe zeigen", erläutert er seine Pläne für die Zukunft. Auch Familie Haitz hat schon Zukunftspläne geschmiedet. "Wenn Marcel in einigen Jahren sein Abitur gemacht hat, kommen wir wieder", scherzt seine Mutter Stephanie. Bevor die Vier die Heimreise antreten, beobachten sie noch ein letztes Mal die Fütterung der Wölfe, die schon unruhig in ihrem Gehege auf- und ablaufen. Für sie stehen an diesem Tag Küken und Rindfleisch auf der Speisekarte.

Manuela Ellmers/dapd/sto

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