Spaziergang zwischen Baumkronen Das ist ja wohl der Wipfel

Auge in Auge mit Eichhörnchen: Wer einen Baumwipfelpfad betritt, erlebt den Wald aus einer neuen Perspektive. In ganz Deutschland gibt es solche Wanderwege auf Stelzen - hier finden Sie eine Auswahl.

TMN/ DPA/ Walderlebniszentrum Ziegelwies/ Mathias Struck

Kinder balancieren über kleine Baumstämme, laufen auf wackelnden Holzstücken oder springen in eine Kletterröhre. Unter ihnen: nichts. Nur eine Sicherung aus dichtem Netz, durch die auch kein Kinderfuß rutschen kann. Langweilig wird es nicht auf dem Baumwipfelpfad Steigerwald, einem Wanderweg aus Holzplanken, der es Besuchern erlaubt, den Wald in seiner ganzen Höhe zu erleben.

Anfangs steigt der Pfad nur langsam an. So minimal, dass auch Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit Rollator auf dem 1150 Meter langen Pfad gut vorwärts kommen. Sie alle bewegen sich zum 42 Meter hohen Aussichtsturm, von dem aus man das saftige Grün des oberfränkischen Mischwalds im Blick hat.

Wer nicht nur das Blätterpanorama genießen, sondern mehr über die Bäume und Tiere erfahren will, kann sich die Wipfel-App herunterladen - oder sich an verschiedenen Stationen spielerisch mit dem Thema Wald auseinandersetzen und Quizfragen beantworten.

Der Baumwipfelpfad im Steigerwald ist einer der jüngsten einer ganzen Reihe solcher Wege in Deutschland. Hier finden Sie den Überblick über ähnliche Orte in Bayern und anderen Bundesländern.

Bayern: Grenzgang und Waldgeister

Aussichtsturm in Neuschönau, Bayerischer Wald
TMN/ DPA/ Erlebnis Akademie AG/ Daniela Blöchinger

Aussichtsturm in Neuschönau, Bayerischer Wald

Ein besonders langer Pfad wurde in Neuschönau im Bayerischen Wald angelegt: Insgesamt 1300 Meter misst der Steg, der dort auf der Plattform eines Baumturms endet. Aus 44 Metern Höhe kann man in Richtung Lusen schauen. Bei schönem Wetter und klarer Sicht zeigt sich sogar der Alpenhauptkamm am Horizont.

Ebenfalls im Bayerischen Wald liegt der Waldwipfelweg in St. Englmar, auf dem Kinder und Erwachsene die heimischen Waldgeister ebenso kennenlernen können wie die Vögel, die in Niederbayern beheimatet sind. Von der Aussichtsplattform sieht man über die Höhenzüge des Bayerischen Waldes und die Ebenen des Gäubodens bis zu den Alpen.

Auch im Allgäu gibt es zwei Pfade hoch über dem Waldboden: den Skywalk in Scheidegg und den Baumkronenweg Ziegelwies. Der 540 Meter lange Skywalk ist eine Hängebrückenkonstruktion, die Stahlmasten stehen darin wie die Bäume im umliegenden Wald. 14 Masten und 3000 Meter Stahlseile tragen das Bauwerk, von dessen Aussichtsturm man bis über den Bodensee blicken kann. Der Baumkronenweg in Ziegelwies überschreitet auf seinen 480 Metern Länge sogar eine Grenze - man geht von Bayern nach Tirol in Österreich.

Hessen, Baden-Württemberg: Tunnelrutsche und Kippelturm

Treetopwalk im Nationalpark Kellerwald-Edersee
TMN/ DPA/ TreeTopWalk Edersee

Treetopwalk im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Doch nicht alle Baumwipfelpfade Deutschlands liegen in Bayern - auch im waldreichen Hessen gibt es verschiedene Wege. Am Hoherodskopf im Vogelsberg-Mittelgebirge etwa spazieren Besucher auf Hängebrücken durch den Wald. Am Baumkronenpfad im Nationalpark Kellerwald-Edersee gibt es geführte Touren auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, etwa am frühen Morgen oder am späten Abend, wenn die Tiere besonders aktiv sind.

Auch in Baden-Württemberg gibt es eine ähnliche Attraktionen: Der Baumwipfelpfad Schwarzwald in Bad Wildbad ist über Wanderwege oder die Sommerbergbahn erreichbar. Vom 40 Meter hohen Aussichtsturm kann man bis in die Schweizer Alpen schauen - und in einer 55 Meter langen Tunnelrutsche zurück auf den Boden gelangen. Als architektonische Besonderheit zeichnet den Turm aus, dass er ein wenig verdreht wirkt. Grund dafür ist, hat, dass sich seine Hauptstützen vom Mittelpunkt wegneigen und gekippt sind.

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen: Schlafen im Baumhaus

Panarbora-Pfad östlich von Köln
TMN/ DPA/ Panarbora/ Dominik Ketz

Panarbora-Pfad östlich von Köln

Panarbora heißt ein Naturerlebnispark rund 50 Kilometer östlich von Köln am Rande des Naturparks Bergisches Land. Auch hier kann man per App (und natürlich hoffentlich auch in echt) Tiergeräusche hören, außerdem gibt es Geschichten rund um das Waldleben. Filme, Bilder und Spiele zeigen, welche Tiere und Pflanzen im Wald leben. Den 520 Meter langen Pfad mit seinem 40 Meter hohen Aussichtsturm muss man nicht verlassen, wenn es dunkel ist - denn in fünf Baumhäusern können jeweils zwei bis sechs Personen übernachten.

Auf dem Baumwipfelpfad Harz im niedersächsischen Bad Harzburg kann man mit der Hexe Tula nicht nur über den Pfad spazieren, sondern auch Geschichten über die Mythen im Harz erfahren. Baum und Zeit wiederum heißt ein Pfad in Beelitz in Brandenburg. Auf einem Gelände, auf dem sich früher Lungenkranke auskurierten, wandern Besucher heute auf der Höhe der Baumkronen und erfahren dabei mehr über die Geschichte des Areals, das etwa 50 Kilometer südlich Berlins liegt.

Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern: Lichtfang und Kirchtürme

Aussicht wie im Adlerhorst auf der Insel Rügen
TMN/ DPA/ Erlebnis Akademie AG/ 3D Luftbildservice

Aussicht wie im Adlerhorst auf der Insel Rügen

In so etwas wie einem Urwald mitten in Deutschland befindet sich, wer über den 546 Meter langen Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich in Thüringen geht. Der Pfad führt in einen Teil des Waldes, der sonst unzugänglich ist. In den Baumkronen leben rund 500 Käferarten und 560 Großschmetterlingsarten. Im Sommer werden nach Sonnenuntergang sogenannte Lichtfangabende angeboten, um Tiere in Ruhe betrachten zu können. Das Licht einer Speziallampe lockt sie an, und sie lassen sich dann auf einem weißen Tuch nieder.

Deutschlands nördlichster Baumwipfelpfad liegt auf der Insel Rügen - der Aussichtsturm ist einem Adlerhorst nachempfunden. Aus 82 Metern über Seehöhe kann man heimische Seeadler bei ihren Flügen beobachten. Der Pfad hat die Besonderheit, dass man von seiner Lage zwischen dem Kleinen Jasmunder Bodden und der Prorer Wiek drei Ökosysteme sehen und erkunden kann: Wald, Offenland und Feuchtgebiete. Auch der Fernblick lohnt sich hier: Bei gutem Wetter sind die Kirchturmspitzen von Stralsund und die Pylonen der Rügenbrücke am Horizont zu sehen.

Verena Wolff/dpa/jus

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
sg17681 04.07.2016
1. Nicht mal dort...
kann der Mensch die Natur in Ruhe lassen. Dass solche luftigen "Wanderwege" samt aufwändiger Stützstruktur darunter und reicher staunend-lärmender Besucherzahl die Fauna nicht unverändert lassen, kann sich jedes Kind an den Fingern einer Hand abzählen. Falsch verstandene Naturliebe oder einfach nur eine weitere, rücksichtslose Businessidee?
Sabin Chen 04.07.2016
2. immer nur meckern
so schlimm ist das nicht. Zudem bringt es Touristen und somit Geld in die Regionen, deren Umwelt auch wieder davon profitiert.
CocoBonheur 04.07.2016
3. Nicht erwähnt...
...aber auch sehr schön ist der Baumwipfelpfad in Fischbach bei Dahn, inmitten eines Biosphärenreservates gelegen. Sehr schön für Familienausflüge, Rad- und Wandertouren aber auch für Freunde des Felsenkletterns und der Naturfotografie!
pegasus66 04.07.2016
4. Österreich ist mehr als Tirol...
auch wenn dies nicht allen unseren Freunden im "hohen Norden" bekannt sein sollte. Der Baumkronenweg Ziegelwies überschreitet die Grenze nach Vorarlberg in Österreich. Um nach Tirol zu kommen, wäre der Weg etwas länger als 540 Meter geworden.
busytraveller 04.07.2016
5. Und dann gib't noch den in Berlin!
Er beginnt und endet oben auf dem Reichstag. Sehr weit kann man nicht rumlaufen, dafür ist er überdacht und geheizt!
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