Beach Motel in St. Peter-Ording: Bett unterm Brett

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Ein bisschen Kalifornien an der Nordsee: In St. Peter-Ording eröffnet ein Surfer-Hotel, das an vielen Orten der US-Küste eine gute Figur machen würde. Manch ein Nachbar ist mit dem Neubau nicht besonders glücklich.

St. Peter-Ording: Neues Hotel für Surfer und Bulli-Besitzer Fotos
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Rechts ragen Reetdächer und Einfamilienhäuser über den asphaltierten Deich. Links zeichnen die berühmten Pfahlbauten ihre Konturen in den Dunst, der sich über den zwölf Kilometer langen Strand von St. Peter-Ording gelegt hat. Und nun müssen sich Touristen wie Anwohner an eine neue Silhouette gewöhnen, die den Küstenort auf der Halbinsel Eiderstedt prägt: die Umrisse des Beach Motels, das an diesem Wochenende eröffnet.

Mit seiner hellgrauen Fassade, den weißen Veranden und Fensterläden aus Holz erinnert es an ein Strandhaus, das auch in den New Yorker Hamptons stehen könnte. "So ein Lifestyle-Hotel hat dem Ort gefehlt", sagt Unternehmer Jens Sroka. Die Nachbarn sehen das anders. "Ein weiteres Objekt, was den Ort verschandelt", schrieb ein Mann namens Herbert in einem Internetforum, als die Baupläne vor fast zwei Jahren öffentlich wurden.

Was er und andere Diskussionsteilnehmer befürchtet haben mögen, zeigt sich im Ortsteil Bad: Hier stehen sie, die Bausünden aus den siebziger Jahren. Betonklötze mit Outdoor-Läden im Erdgeschoss. Hotels mit orangeroten Balkonen und farblich passenden Markisen.

Auch Rainer Hertwig, der nur wenige Meter vom Hotel entfernt wohnt, ist zu den ersten Treffen der Protestgruppe gegangen. Aber mit den Argumenten, die dort vorgebracht wurden, konnte der 65-Jährige nichts anfangen. "Die Leute hier denken, ihre Grundstücke würden an Wert verlieren, wegen des zusätzlichen Verkehrs", sagt Hertwig. "Außerdem haben die Angst vor Konkurrenz." Viele vermieten hier Ferienwohnungen. Ihn störe das Hotel nicht, sagt er, während er seinen Vorgarten an der Deichstraße harkt. "Vielleicht gehe ich auch mal rüber ins Restaurant. Hier in Ording gibt es ja sonst nicht viel."

Originalbretter von Kelly Slater und Robby Naish

Dieser Meinung ist auch Jens Sroka. "An der Küste fehlt junger Lifestyle", sagt der Hotelier, der in St. Peter-Ording schon das StrandGut Resort aufgebaut hat. Als das einen Kilometer nördlich davon gelegene Grundstück an der Strandauffahrt zum Verkauf stand, griff der 37-Jährige zu - und ließ den Ordinger Hof, ein altes Hotel mit Festsaal, abreißen.

An seiner Stelle steht nun das Beach Motel, eine Unterkunft mit 104 Zimmern, 16 Lofts und fünf Räumen für bis zu fünf Personen. Im Spa mit drei verschiedenen Saunen gibt es zwei Ruheräume, die nach dem Sonnenauf- und untergang benannt sind. Die Tagungsräume heißen Jeffrey's Bay, Snapper Rock und Huntington Beach, so wie berühmte Surferstrände in Südafrika und den USA.

Das lässige Surfer-Image zieht sich durch das Beach Motel wie eine Welle, die Richtung Strand rollt: An der Rezeption liegen Wassersportmagazine aus, über den Betten hängen Panoramaposter von jungen Leuten, die ihre durchtrainierten Körper auf einem Brett im Meer balancieren. Und handsignierte Originalboards von Robby Naish und Kelly Slater schmücken manch ein Zimmer.

Bulli-Casting für den Busstellplatz

Surfer und Kiter, das ist der Kundentyp, den Sroka in sein Hotel holen will. Der Erfolg einer Surfschule in St. Peter-Ording habe ihm den Impuls gegeben, sagt er. "Die haben vor ein paar Jahren mit fünf Surflehrern angefangen und beschäftigen inzwischen 30 pro Saison - bei voll ausgebuchten Kursen." Als Sroka merkte, dass das Geschäft mit dieser Klientel boomt, ihr aber gleichzeitig die Infrastruktur fehlte, kam ihm seine Idee mit dem Hotel.

Er habe beobachtet, dass sich die Urlauber mit ihren Bullis an den Strand stellen und nicht nur die Kurtaxe zahlten, sondern auch noch 30 Euro pro Tag Strafe. "Manche haben die Geldscheine schon an die Antenne gesteckt", sagt Sroka.

In Zukunft bietet das Beach Motel diesen Sporturlaubern, die kein Zimmer brauchen, einen Stellplatz. Für 15 bis 25 Euro pro Nacht können sie Duschen, Toiletten und einen Raum nutzen, in dem sie ihre nassen Neoprenanzüge zum Trocknen aufhängen können. Für die Buchung gibt es besondere Regeln: Die Bulli-Besitzer müssen sich bewerben. "Über unsere Internetseite kann man ein Foto vom Wagen hochladen, und dann wählen wir aus", sagt Sroka. "Wir wollen kein Wohnmobilstellplatz werden, sondern richtige Surfer-Dudes anziehen."

Lampenschirme wie im "Psycho"-Motel

Sroka will dem, wie er sagt, "plüschigen" Charakter des Ortes etwas entgegensetzen. Es soll in seinem Hotel "nach Vintage aussehen und ein bisschen abgerockt", sagt Sroka, "was man eben so mit einem Motel assoziiert." Für diesen Anspruch ist das Haus zwar etwas zu schick geraten, aber immerhin finden sich zaghafte Zitate aus der Welt der zwielichtigen US-Absteigen.

Die gelben Lampenschirme mit den Fransen, die auf den Gängen den Weg leuchten, hat Sroka ausgewählt, weil sie ihn an das Bates Motel im Hitchcock-Thriller "Psycho" erinnern. Die oberen Etagen sind über eine hölzerne Außentreppe erreichbar. Und die Strandurlauber werden ihre sandigen Spuren schon ganz von allein in den Nähten der Kunstledersofas hinterlassen, die in der wohnzimmerähnlichen Lobby stehen.

Etikette soll im Beach Motel ausdrücklich kein Thema sein. Selbst im Restaurant werden die Gäste zum Flip-Flop-Tragen aufgerufen: An der Wand hängen kunterbunte Badelatschen, unter den Tischen kann man seine Zehen in den Sand graben.

Von ihren Sonnenterrassen haben die Touristen einen ziemlich direkten Blick auf die jahrzehntealten Privathäuser der Anwohner. Doch ihre Klagen vor dem Oberverwaltungsgericht konnten das Beach Motel nicht verhindern. "Gegen Hotelneubauten und Großbauten", schrieb ein Eiderstedter in einem Online-Diskussionsforum zum Thema Beach Motel. Er sagt, die "Westerlandisierung in St. Peter" nehme seit den siebziger Jahren "bedrohliche Formen" an.

Gegen solche Vorurteile wehrt sich Jens Sroka. "Das hier wird kein zweites Sylt." Ihm gehe es darum, das touristische Angebot in St. Peter-Ording vielfältiger zu machen. Er scheint nicht der Einzige zu sein. "Im März ist das Hotel schon an zwölf Tagen ausgebucht."

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Lieber Hotelfuzzi,
Nordsurfer 28.02.2013
mit großem, und ängstlichem Interesse fahre ich seit geraumer Zeit nun schon mit meinem Bus nach dem Surfen an der Großbaustelle vorbei. Jetzt stolpere ich über diesen Artikel und ertappe mich dabei mich hier zu registrieren und auch noch was zu schreiben. Über solche Leute Lache ich sonst immer. Ich kann Nachbarn und Anwohner verstehen. Der Hausklotz ist nicht grad dezent. Auch ich ärgere mich beim Blick vom Wasser gen Deich über den neuen Klotz. Trotzdem muss ich zugeben das die Innenaufnahmen schon ganz schicke Räumlichkeiten zeigen. Sich in SPO ans Surferimage anzuhängen macht Sinn und ist nachvollziehbar. Aber wenn ich lese das die coolen Surferdudes ihr Bullys aufm Hof parken sollen muss ich abwechselnd weinen, lachen und kotzen. Du hast das was für uns das Surfen ist nicht wirklich Begriffen. Scheiß auf Neotrockenräume, scheiß auf Duschen. Es geht genau darum nicht das zu machen was was man unter der Woche eh schon hat. Davon abgesehen tut die Gemeinde SPO schon genug das der Surfspot von den wirklichen Surfern iChat mehr angefahren wird. Surfzonen, Parkgebühren, Strandsperren, etc. Haben diesen Spot längst unattraktiv gemacht. Wenn Du Glück hast kommen ein paar coole Dudes vorbei denen es nicht ums Surfen geht...
2. Die perfekte Welle
tonnta 28.02.2013
Und noch jemand, der auf der perfekten Marketingwelle mitsurfen will! Auf jedem Sportscheck-Katalog ein toller Surfdude, coole Surferimage-Marken à la Hollister, Surfcamps wie Sand am Meer und in jeder Großstadt Surfshops für die SUVfahrenden, naturverbundenen Kosmopoliten, die dann zu Heerscharen einen Surfkurs machen, in den Line ups der 7 Weltmeere liegen und sich dort mit den Locals um die Wellen prügeln können. Viel Spaß mit den tollen Dudes und danke, dass noch jemand dafür sorgt, das Surfen endlich massentauglich zu machen!!!
3.
Trollvottel 28.02.2013
Wird Zeit das auch die nordfrisische Kultur durch die klugen USA verdrängt wird.
4. Schnarchdorf
g3cd 28.02.2013
Ich fahre im Sommer öfters von Hamburg nach St.-Peter-Ording. Nur übernachte ich dort nie, weil a) Wochen vorher schon alles ausgebucht ist b) alle Hotels "70iger-Jahre 2-Sterne Flair" haben c) man auch nicht im Wohnmobil am Strand übernachten darf. Das heißt also a) die bisherigen "Hotel Garni"-Pensionsbetreiber müssen sich auch weiterhin keine Sorgen machen. Leute kommen so oder so, noch und noch. b) Das Motel ist keine Konkurrenz für sie, weil die 70-jährigen Kurgäste steigen eben weiter im niedrigpreisigen orange-braunen Betonbunkern ab. Eine unnötige Diskussion.
5.
plue123 28.02.2013
Das beste ist einfach, dass mit dem "Surfer-Image" geworben wird, welches vor allem auf die richtigen Surfer im ursprünglichen Sinne, heute oft Wellenreiter genannt, anspielt. Die großen Bilder über den Betten zeigen ja welches Surfen hier gemeint ist. Nur, dass man an dem Ort evt an 2-3 Tagen im Jahr halbwegs surfen kann, wird halt nicht erwähnt. Ansonsten weiß ich bei solchen Dingen immer nicht, warum sich Bewohner des Ortes aufregen. Neues Hotel = Mehr Touristen = Mehr Einnahmen für den Ort (und sei es nur durch Steuern).
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