Bergurlaub Wie Kinder das Wandern lieben lernen

Ein Ameisenhaufen ist interessanter als die schöne Aussicht - Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Wer seinen Familienurlaub in die Berge verlegt, sollte nicht von Hütte zu Hütte hetzen, sondern die Kleinen begeistern: mit spielerischer Naturkunde und spannenden Geschichten.

DPA

München - Die Sonne strahlt, der Wildbach rauscht entlang des Wegs, in der Ferne liegen schneebedeckte Gipfel. Das Wandererglück könnte perfekt sein, wären da nicht die quengelnden Kinder, die keinen Schritt mehr gehen wollen. Wenn sich die Kleinen überfordert fühlen, wird aus dem unbeschwerten Naturerlebnis schnell Frust pur.

Dabei fahren viele Familien gerade in die Berge, um den Stress des Alltags hinter sich zu lassen. Aber einige Eltern vergessen, dass Kinder die Welt mit anderen Augen sehen. Auf Wanderungen wollen sie die Natur um sie herum entdecken und erforschen.

Um den Nachwuchs beim ersten Bergurlaub nicht gleich auf ewig zu vergraulen, sollten die Touren vor allem aus Sicht der Kinder interessant sein - und nicht nur für die Eltern. "Kindern ist die schöne Aussicht ganz schön wurscht. Sie wollen viel lieber Tiere sehen", erklärt Markus Hartmann, der in Deutschlands erster Bergwanderschule in Oberaudorf Kurse gibt. Ein Murmeltier, das von Stein zu Stein hüpft, ist zehnmal aufregender als die Fernsicht auf einen Gletscher.

"Kinder dürfen auch ruhig mal in einen Bachlauf hinein", findet Hartmann. "Sie können dort einen Damm bauen oder nach kleinen Krebsen suchen." Immer nur stur geradeaus zu laufen, wird für die Kleinen sonst sehr trocken. "Kinder können die Natur nur erleben, wenn sie sich in ihr bewegen. Sie müssen nicht immer nur auf dem Weg bleiben, sie können ruhig auch mal abseits gehen", sagt auch Caroline Hellmeier vom Deutschen Alpenverein in München.

Eltern sollten deshalb genügend Zeit einplanen, in der die Kinder die Umgebung ausgiebig erforschen können. Dazu gehören auch Pausen an besonders schönen Wegpunkten. "Allerdings sollten die Kinder da nicht nur herumsitzen", sagt Hellmeier, "so erholen sie sich auch nicht". Auch das Tagesziel darf ruhig etwas ausgefallener sein: Eine beschauliche Alm, auf der es Ziegen oder Schafe zu sehen gibt, ist weitaus reizvoller als eine überfüllte Ausflugshütte.

Spiel statt Sport

"Wir versuchen gleichzeitig immer auch, Verständnis für die Natur zu wecken", berichtet Wanderführer Hartmann. Es sei wichtig, den Kindern zu erklären, warum sie kein Feuer machen und den Müll nicht einfach liegen lassen dürfen. "Wir wollen ihnen auch beibringen, sich richtig im Gebirge zu bewegen. Aber nicht nach dem Motto: Jetzt tritt nicht schon wieder falsch auf. Sondern auf eine spielerische Art." Im besten Fall merken die Kinder gar nicht, dass sie etwas lernen.

"Geh weiter, geh schneller!" - mit solchen Befehlen verdirbt man Kindern mit Sicherheit die Freude an den Bergen. "Es ist entsetzlich, was manche Eltern für ein Leistungsdenken haben", erzählt Hartmann. "Da heißt es dann: Der Ameisenhaufen hat uns nicht zu interessieren, wir müssen in einer Stunde auf der Hütte sein. So was ist der größte Schmarrn."

Übertriebener Ehrgeiz bewirkt eher das Gegenteil von dem, was die Eltern möchten. "Kinder kriegen schnell die Wut. Da baut sich direkt eine innere Wand auf." Schließlich sehen sie die Wanderung als ein Spiel und nicht als einen Sport.

Das heißt allerdings nicht, dass die Bergtour kein Abenteuer sein darf. Ganz im Gegenteil: Kleine Herausforderungen können ungemein motivieren. "Wenn die Kinder nicht mehr ganz so klein sind, kann ich ihnen Karte und Kompass in die Hand geben und sagen: Jetzt müsst ihr den Weg finden", sagt Hellmeier. Ein anderes Rätsel: Die Kinder müssen die Himmelsrichtung bestimmen, obwohl gerade keine Sonne scheint. "Eltern können ihnen dann erklären, dass Norden da ist, wo die Baumstämme besonders viel Moos haben", erklärt Hartmann.

Wieso? Weshalb? Warum?

Ohnehin haben Kinder grundsätzlich zu allem ziemlich viele Fragen. "Man sollte zuhören und dann erklären, aber nicht im Vortragsstil", empfiehlt Hellmeier. Zieht sich der Weg tatsächlich wider Erwarten in die Länge, helfen Geschichten über die Durststrecke hinweg. "Dabei kann man die Gegend mit einbeziehen. Kinder fragen sich: Wer wohnt in dieser Landschaft? Wer war hier früher einmal unterwegs?"

Und schließlich muss die Bergwanderung auch dem Leistungsniveau der Kinder entsprechen. "Natürlich kann man mit Kindern keine Tour machen, die man sich gerade so als Erwachsener zutraut", erklärt Hellmeier. Kinder könnten im Alter von fünf bis sechs Jahren aber ohne Probleme in einem gemäßigten Tempo zwei, drei Stunden gehen, sagt Hartmann.

Sicherheit geht dabei vor: Der Weg sollte nicht absturz- oder steinschlaggefährdet sein. Klettersteige und ausgesetzte Pfade an steilen Abhängen sind nichts für kleine Kinder. Ein wildes Rudel Gämse gibt es schließlich auch in harmloserem Gelände zu bestaunen.

Philipp Laage, dpa



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Seite 1
blue0711 04.05.2011
1. ..
OK, gleich vorweg: Unsere Kleine ist was besonderes. Meinen aber alle Eltern ;-), von daher: Dürfte doch mit fast allen gehen. Zu dem Satz: ---Zitat--- Ein Ameisenhaufen ist interessanter als die schöne Aussicht ---Zitatende--- Kann sein, aber verlassen Sie sich nicht drauf. Ich sehe gerne das Leuchten in den Augen meiner Kleinen, wenn Sie mit großem Staunen die Aussicht geniesst. Und schmunzele dann über die Ameisenhaufen-Philosophie. Denn es gilt eigentlich nur eins: Kinder sind anders, jedes. Eher im Vordergrund steht eine allgemein interessante abwechlungsreiche Umgebung. Das kann der Ameisenhaufen oder das Murmeltier sein, aber auch das Geröllfeld oder ein Ferner. Wehe, Sie erwischen das Falsche und haben kein A mehr im Ärmel. Kinder klettern auch gerne. Ein passender Klettersteig ist also durchaus auch eine Alternative, Können und Verantworlichkeit beim Erwachsenen natürlich vorausgesetzt. Dann steht auch dem krakeligen Erstklässlereintrag im Gipfelbuch auf 2600m nichts im Wege. Bei uns gehts dieses Jahr dann auf die ersten 3000er. Hochalpines Wandern allerdings. Zum Klettern hab ICH keine Lust ... :-)
Montanabear 05.05.2011
2. Berurlaub
Zitat von blue0711OK, gleich vorweg: Unsere Kleine ist was besonderes. Meinen aber alle Eltern ;-), von daher: Dürfte doch mit fast allen gehen. Zu dem Satz: Kann sein, aber verlassen Sie sich nicht drauf. Ich sehe gerne das Leuchten in den Augen meiner Kleinen, wenn Sie mit großem Staunen die Aussicht geniesst. Und schmunzele dann über die Ameisenhaufen-Philosophie. Denn es gilt eigentlich nur eins: Kinder sind anders, jedes. Eher im Vordergrund steht eine allgemein interessante abwechlungsreiche Umgebung. Das kann der Ameisenhaufen oder das Murmeltier sein, aber auch das Geröllfeld oder ein Ferner. Wehe, Sie erwischen das Falsche und haben kein A mehr im Ärmel. Kinder klettern auch gerne. Ein passender Klettersteig ist also durchaus auch eine Alternative, Können und Verantworlichkeit beim Erwachsenen natürlich vorausgesetzt. Dann steht auch dem krakeligen Erstklässlereintrag im Gipfelbuch auf 2600m nichts im Wege. Bei uns gehts dieses Jahr dann auf die ersten 3000er. Hochalpines Wandern allerdings. Zum Klettern hab ICH keine Lust ... :-)
Ich auch nicht, obwohl ich inmitten eines Riesentannenwaldes an den Ausläufern der Rockies wohne. Ja, die Aussicht ist atemberaubend, die Wolken färben die Flüsse und Seen grün oder rosa oder hellblau. Was die Kinder jedoch anzieht, sind die Stromschnellen und die Wasserfälle. Aber als gebürtiges Nordlicht muss ich die Frage stellen : warum muss man in den Bergen das Wandern lernen ? Strandwandern ist genau so aufregend; was sich da nicht alles an Strandgut ansammelt ! Und es ist ebenerdig, was für Mütter und Väter, Tanten und Onkeln, Omas und Opas auch nicht zu verachten ist. Saubere, frische Luft, der Wnd säubert das Hirn. Dann noch eine Wattwanderung und am Abend sind die Augen zu bevor die Lchter aus sind. Nur mal so ein kleiner Aufschrei aus dem Norden : auch wir sind Deutschland. (na gut, eremitus zur Zeit, aber trotzdem nicht locker lassen ! )
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