Grubenfahrt-Gewinner Für diese SPIEGEL-ONLINE-Leser geht es abwärts

Glück auf! Zehn Leser von SPIEGEL ONLINE werden am 30. Juni 2018 auf Zeche Prosper Haniel in Bottrop einfahren. Eine der letzten Gelegenheiten, Deutschland "unter Tage" zu erleben, denn 2018 endet der deutsche Bergbau.

Grubenfahrt auf Prosper Haniel: Am 30. Juni geht es für zehn Leser von SPIEGEL ONLINE abwärts
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Grubenfahrt auf Prosper Haniel: Am 30. Juni geht es für zehn Leser von SPIEGEL ONLINE abwärts


Wir hatten uns bemüht, das Bewerberfeld klein zu halten. Wir warnten davor, dass dieser Preis nur etwas für fitte, nicht schwangere, nicht herz- oder kreislaufkranke und schon gar nichts für unter räumliche Enge leidende Zeitgenossen wäre.

Dass über das Wochenende trotzdem 2345 Lesermails unsere Postfächer fluten würden, hatten wir nicht geahnt. Und alle wollten nur das eine: unter Tage gehen, den deutschen Bergbau sehen, bevor "Schicht auf Schacht" ist und dessen aktive, produktive Phase Ende 2018 endgültig endet.

Das macht die Grubenfahrt zu einer Gelegenheit, ein Stück Geschichte mitzuerleben. Erze und Salze wurden hierzulande schon in vorhistorischer Zeit abgebaut. Braun- und Steinkohle wurden ab dem Mittelalter hier und da gefördert. Als im 16. Jahrhundert der Raubbau an den Wäldern Maße annahm, dass Deutschland der Brennstoff auszugehen drohte, wurden die fossilen Brennstoffe trotz der Mühsal und Gefahr, die mit ihrer Förderung einherging, zu den wichtigsten Alternativen.

Ruhr-Bergbau: 722 Jahre wühlen, graben, bohren, sprengen

Und von Anfang an gehörte die Ruhrregion zu den wichtigsten Fördergebieten. Über die ältesten Gruben gibt es nur Sagen und Legenden, amtlich und schriftlich belegt ist der erste Schacht im Ruhrgebiet für das Jahr 1296 in Dortmund. Hunderte kleiner Zechen pflügten bald das Land um, untertunnelten ganze Landschaften.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein deckten Stollenzechen, die vor allem oberflächennahe Flöze ausbeuteten, den Bedarf ab. Um das Land an Rhein und Ruhr zur "Montanregion" zu machen, brauchte es einen zweiten Faktor, und der kam mit der industriellen Revolution. Die Nachfrage nach Eisen und Stahl stieg sprunghaft.

Es war die in England erfundene Methode der Steinkohle-Verkokung, die die Effektivität der Hochöfen in neue Dimensionen trieb: Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die bis dahin noch ländlich und vergleichsweise spärlich besiedelte Ruhr-Region zu einer Industrie-Stadtlandschaft heran, die bald schon zu einem der größten Ballungsräume des Kontinents werden sollte - und zum damals größten Industriegebiet der Welt.

Das ist die Tradition, von der sich Deutschland und vor allem die Ruhr-Region in diesem Jahr verabschieden wird. Der Kohlebergbau hat das Leben von Millionen Menschen geprägt und den Grundstein für den Wohlstand dieses Landes gelegt. Im Grunde endete diese Phase aber schon in den 1960er Jahren: Deutsche Steinkohle konnte mit den Preisen am Weltmarkt kaum mehr mithalten, die Beschäftigtenzahlen erreichten Mitte der 1950er ihren Höhepunkt und gingen seitdem jedes Jahr zurück. Die deutsche Kohleindustrie verschied in einem langen Sterbeprozess, nur gebremst durch staatliche Subventionen ("Kohlepfennig": 1974 bis 1995).

Alt- und Ewigkeitslasten: Der Bergbau geht, die Nebenwirkungen bleiben

Ende 2018 wird das alles vorbei sein: die lange, glorreiche Geschichte vom "schwarzen Gold", der Nimbus vom härtesten Job der Welt, die totale Identifikation einer Zehn-Millionen-Einwohner-Region mit den Industrien, durch die sie einst erst entstand. Ab 2019 werden sich nur wenige Hundert Mitarbeiter weiter um die Verhinderung weiterer Bergschäden kümmern - das wohl aber für alle Ewigkeit.

Prosper-Haniel in Bottrop: Ende 2018 endet der Förderbetrieb in der letzten aktiven Zeche im Ruhrgebiet
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Prosper-Haniel in Bottrop: Ende 2018 endet der Förderbetrieb in der letzten aktiven Zeche im Ruhrgebiet

Denn auch das gehört zum Erbe des Bergbaus: eine in bis zu 1,5 Kilometer Tiefe durchlöcherte Region, die dadurch in weiten Teilen weit unter den Grundwasserspiegel abgesackt ist und für alle Zeit nur noch mit Pumpen trocken gehalten werden kann. In der immer wieder Stollen einbrechen und der Boden darüber absackt. In der tief unter Tage industrielle Gifte und Altlasten beaufsichtigt werden müssen, auf dass sie nicht im Trinkwasser landen.

All das wird weiter zur bittersüßen Legende vom Ruhr-Bergbau gehören, der Gewinn und der Preis, den Menschen und Landschaft zahlten. Bittersüß ist dieser Abschied darum - die "Zeche" bleibt ein emotionales Thema, und der Förderturm eine Ikone des Aufstiegs dieses Landes.

Zehn Gewinner

Da ist es klar, dass so viele Leser von SPIEGEL ONLINE von alldem einen persönlichen Eindruck bekommen wollten: Danke für Ihr Interesse, wir hätten Ihnen allen die Grubenfahrt gegönnt. Zu verlosen hatten wir aber nur zehn Plätze.

Wir haben die fünfmal zwei nicht käuflichen Tickets, die uns von Ruhrgebiet Tourismus, einem gemeinsamen Angebot der 53 Ruhrgebietsstädte, zur Verfügung gestellt wurden, am Montagmorgen unter allen Einsender verlost. Der digitale Zufallsgenerator zog die Zusendungen 95, 178, 794, 1185 sowie 1824. Damit dürfen sich folgende Leser von SPIEGEL ONLINE darüber freuen, schon bald zu den letzten Menschen zu gehören, die Deutschland noch "unter Tage" gesehen haben:

  • Familie Landgrafe, Pfungstadt
  • Clemens Mann und Begleitung, Baden (Schweiz)
  • Cornelia und Tom Chow, Nussloch
  • Hans-Joerg Seiter und Begleitung, Bochum
  • Elisabeth Stein und Begleitung, Karben

Wir haben die Namen und Adressen* der Gewinner an Ruhrgebiet Tourismus weitergegeben. Alle weiteren Details gehen den Gewinnern direkt vom Veranstalter zu.

Wir wünschen Ihnen interessante Stunden und - natürlich - Glück auf!

*Die anderen von den Einsendern eingesandten Mails werden von uns weder weitergegeben, noch anderweitig genutzt oder dauerhaft archiviert. Nach erfolgter Preisübergabe werden die Mails gelöscht.

pat

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