Luxushotel Waldorf Astoria in Berlin: Wir Reichen vom Bahnhof Zoo

Von Denis Krick

Präsidentensuite, VIP-Fahrstuhl, französische Sterneküche: Im Berliner Waldorf Astoria regiert der Luxus. Das neue Fünf-Sterne-Hotel soll in wenigen Wochen eröffnen - und das Leben am Bahnhof Zoo nachhaltig verändern.

Waldorf Astoria: Der Himmel über Berlin Fotos
Waldorf Astoria

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Auf einmal ist der Bürgersteig voller Kochmützenträger. Die Menschen rund um den Berliner Bahnhof Zoo staunen nicht schlecht und bleiben interessiert stehen. Unzählige Küchenkräfte bevölkern plötzlich die Ecke an der Hardenbergstraße. Als Feuerwehr und Polizei nur eine knappe Minute später mit Blaulicht vorfahren, kommt der Feierabendverkehr völlig zum Erliegen. Dabei interessieren sich die Schaulustigen weniger für den Einsatz der Rettungskräfte, sondern eher für die vielen Menschen in ihren schicken Uniformen, die aus dem 32-stöckigen Hochhaus auf die Straße drängen.

Das neue Waldorf Astoria hat noch nicht einmal eröffnet, dessen Personal ist aber in diesem Moment bereits eine Attraktion. Ein Feueralarm genügt, um die Berliner daran zu erinnern, dass hier demnächst etwas ganz Besonderes seinen Betrieb aufnimmt - eines der besten Luxushotels der Welt. 2010 wurde bereits Richtfest gefeiert. In diesem Jahr sollte die edle Herberge die ersten Gäste bewirten, doch die finale Abnahme des Gebäudes verzögerte sich.

Noch wirkt das Waldorf Astoria am Bahnhof Zoo wie ein Fremdkörper. Die Gegensätze zwischen dem Prachtbau und dem Rest der Umgebung könnten nicht größer sein. Ausgediente Leuchtreklamen, Ramschläden, der alte Bahnhof: Es ist fast so, als würde man sich im Berlin der achtziger Jahre befinden. Nur dass inzwischen alles noch schmuddeliger als früher ist. Doch das soll sich nun ändern.

"Wir werden ein völlig neues Publikum anziehen", sagt Hoteldirektor Friedrich W. Niemann. Rund um den Bahnhof Zoo werde sich ganz zwangsläufig einiges verändern. "Schon jetzt ist die Gegend im Wandel", sagt der 50-Jährige und blickt aus dem Fenster auf das alte Gebäude, das gegenüber dem Hotel gerade abgerissen wird.

Tresen statt Sexshop

Tatsächlich wird rund um das Waldorf Astoria fleißig gebaut. Der edle Hotel- und Shoppingkomplex Bikini Berlin eröffnet im kommenden Jahr, mit dem Upper West ist ein weiteres Hochhaus geplant, und der denkmalgeschützte Zoo-Palast wird derzeit renoviert. Sollte Letzteres dann wieder ein internationales Premierenkino werden, träumt manch einer schon vom roten Teppich, der vom Waldorf Astoria direkt über die Straße in den Zoo-Palast führt.

Im Hotel versucht man derweil den Ist-Zustand der Gegend möglichst auszublenden. Bestes Beispiel ist das hauseigene Restaurant Les Solistes, für das man den französischen Sternekoch Pierre Gagnaire als treibende Kraft gewinnen konnte. Das Lokal einzurichten war angeblich schwierig, denn der Star-Gastronom hatte Mitspracherecht und wollte sich nicht so ganz mit dem Panoramablick auf das gegenüberliegende Billighostel samt Sexshop abfinden. Letztendlich einigte man sich auf einen großen Tresen vor der Fensterfront, der nun alle Blicke auf sich ziehen soll.

Das gesamte Design des Waldorf Astoria ist eine gelungene Reminiszenz an den Art déco der zwanziger Jahre. "Wir wollten eine zeitlose Eleganz", sagt Niemann. Die Ausstattung der heutigen Designhotels sei doch spätestens nach fünf Jahren wieder aus der Mode. "Das wollten wir nicht für unser Haus." Als Vorbild diente natürlich das New Yorker Waldorf Astoria an der Park Avenue. Von der großen Uhr in Lobby bis zur sogenannten Peacock Alley, in der man sich zum Schaulaufen trifft: Zahlreiche klassische Elemente wurden übernommen und für Berlin neu definiert.

Blick vom Whirlpool über Berlin

Überhaupt ist das ganze Hotel mehr Berlin als New York. Bestes Beispiel ist das Romanische Café. Im Waldorf Astoria soll das legendäre Künstlerlokal vom Kurfürstendamm, in dem einst Erich Kästner, Joachim Ringelnatz und Bertolt Brecht verkehrten, wiederbelebt werden. Und direkt darüber befindet sich die Lang Bar - benannt nach dem deutschen Regisseur Fritz Lang, der unter anderem den Stummfilmklassiker "Metropolis" schuf. Noch ein Stück Berliner Geschichte in Gastronomie verpackt.

Auf den Zimmern geht es allem Art déco zum Trotz modern zu: So wartet in jedem Raum ein Apple-Computer, und für iPod und iPhone gibt es Docking-Stationen. Letztere wurden jedoch unglücklicherweise zu früh bestellt - das neue iPhone 5 passt hier nur mit einem Adapter drauf.

Die absoluten Highlights des Waldorf Astoria sind die Tower-Suiten. Je höher man im Gebäude kommt, um so grandioser ist die Aussicht. Im 31. Stock wartet dann die Präsidentensuite. Ein offener Kamin, ein Flügel und vom Whirlpool aus blickt man über die Dächer von Berlin: Es sind 280 Quadratmeter gediegene Dekadenz. Wer hier wohnt, der nutzt mit Sicherheit auch den VIP-Check-in im dritten Untergeschoss der Tiefgarage. Wann jedoch der erste Promi einzieht, steht noch nicht fest.

"Wir eröffnen wohl um den Jahreswechsel", sagt Niemann. Die Ungeduld, endlich loslegen zu können, sieht man ihm in diesem Moment an. Genauso wie den Köchen, die während des Feueralarms auf der Straße stehen und wieder zurück an ihre Herde wollen. An der Hardenbergstraße hat man genug geprobt - die Gäste sollen endlich kommen.

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insgesamt 55 Beiträge
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1. ...
roxxor 06.12.2012
Zitat von sysopWaldorf AstoriaPräsidentensuite, VIP-Fahrstuhl, französische Sterneküche: Im Berliner Waldorf Astoria regiert der Luxus. Das neue Fünfsterne-Hotel soll in wenigen Wochen eröffnen - und das Leben am Bahnhof Zoo nachhaltig verändern. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/besuch-im-waldorf-astoria-in-berlin-vor-der-eroeffnung-a-871368.html
schönes Hotel, nur die Stadt ist halt hässlich...aber man muss ja bei so einem Aufenthaltsort nicht vor die Türe.
2. Es ist zu bezweifeln
peeka 06.12.2012
---Zitat--- Ein Feueralarm genügt, um die Berliner daran zu erinnern, dass hier demnächst etwas ganz Besonderes seinen Betrieb aufnimmt - eines der besten Luxushotels der Welt. ---Zitatende--- dass die Schaulustigen Berliner waren. Ansonsten sollte so gegenüber (wen ich das jetzt richtig im Kopf habe) ja eigentlich schon ein Riesenrad stehen... Das Problem ist doch die Prioritätensetzung für den Hauptbahnhof und gegen den Bahnhof Zoo. Der Zoo wurde regelrecht kalt gestellt. Da gibt es jetzt Potsdamer Platz, Spandau, Gesundbrunnen und Südkreuz, demnächst Ostkreuz als Bahnhöfe, in die das Geld geflossen ist oder fließt. Die Entscheidung der Bahn gegen Zoo hat immerhin den Vorteil, dass diese Gegend noch etwas ursprüngliches hat.
3. naja...
XRay23 06.12.2012
wer Berlin hasslich findet, war noch nie hier.
4. Das ist schon lustig,
valen-tin 06.12.2012
im Artikel über einen Feueralarm zu berichten. Zumal, wenn man weiß weswegen sich die Eröffnung des Hotels auch schon verschoben hat: Richtig, wegen Mängeln beim Brandschutz. Böse Zungen behaupten ja, den hätte die gleiche Firma installiert, die am neuen Flughafen rumwerkelt.
5. Lustig, wie man Luxus definieren kann.
wywy 06.12.2012
Die meisten Berliner würden wohl beim Betreten solcher Räume instinktiv den Kopf einziehen, weil sie solch niedrige Decken nicht gewohnt sind. Das Interieur mag viel gekostet haben, aber es ist auch zielsicher reichlich geschmacklos. Ich bin mir aber sicher: Sie werden ihre Kundschaft finden. Gute Drinks und gutes Essen wird es sicherlich geben. Wieder ein paar Geldprolls mehr in der Stadt. Why not !
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