Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wirtshaus-Reiseführer: Deutschlands längste Kneipentour

Von

Hafenspelunken, Arbeiterpinten, Weinstuben und Kaschemmen im Hinterhof: Der Autor Bernd Imgrund fahndet nach den urigsten Kneipen der Republik. Dabei hat er unter anderem Deutschlands erstes Fast-Food-Restaurant entdeckt.

"111 deutsche Wirtshäuser": Kneipenlegenden zwischen Küste und Konstanz Fotos
Emons Verlag / Bernd Imgrund

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

"Die kleine Geweihsammlung wirkt wie ein ironischer Scherz angesichts der geballten Ladung Ruhrgebiet, die aus allen Ritzen der Gaststätte schießt." Mit diesen Worten beschreibt Bernd Imgrund seine schönste gastronomische Neuentdeckung: die Ampütte in Essen, die "berühmteste Late-Night-Schluck- und Pommesbude" der ganzen Stadt. Sie wirkt so "authentisch, dass man geneigt sein könnte, sich Einzelstücke heimlich mit nach Hause zu nehmen". Die Eckbank zum Beispiel, oder eines der Fotos von prominenten Besuchern.

Imgrund, gebürtiger Kölner, ist mit seinem Motorrad ein halbes Jahr lang durch Deutschland gefahren, um dessen urigste Wirtshäuser, Weinstuben und Pinten ausfindig zu machen. Er fuhr an die Nordsee, an die Ostsee, in die Hauptstadt und Richtung Alpen. Er bestaunte das Mobiliar in den Gaststätten, bestellte sich am Tresen Dutzende Gläser Bier und Wein und schrieb seinen Notizblock voll.

Aus den Aufzeichnungen entstand das kleinformatige Büchlein "111 deutsche Wirtshäuser, die man gesehen haben muss" (Emons Verlag). Es dient all jenen als handlicher Reiseführer, die in Orten wie der Regensburger Wurstkuchl eine Sehenswürdigkeit erkennen.

Das Lokal besteht im Prinzip aus einem Schrägdach mit einem trapezförmigen Raum darunter. Tische und Bänke sind aus dunklem Holz, an den Wänden hängen Kupferpfannen. Seit mehr als 800 Jahren wird dem Gast hier Fleisch kredenzt - früher gekochter Schweinebauch, heute Bratwurst, wie Imgrund schreibt. Der 49-Jährige nennt den Laden "das erste Fast-Food-Restaurant Deutschlands", quasi das historische "McWurstkuchl's".

Der Gasthof muss eine Geschichte erzählen

Das Gebäude von 1135 gefielt dem Autor so gut, dass es einen Platz in seinem Buch bekam. Imgrunds Kriterium dafür: "Die Gaststätte muss einen durch seine Atmosphäre möglichst weit von der Welt da draußen wegführen." In seine Auswahl haben es allerdings nur Kneipen in urbaner Umgebung geschafft. Über Landgasthöfe gebe es schließlich schon genügend Bücher, findet Imgrund. "Das Lokal sollte ein paar Jahre auf dem Buckel haben und eine Geschichte erzählen, die möglichst mit der Stadt verbunden ist."

So wie zum Beispiel die Oberhafenkantine, die so oft von Sturmfluten unterspült wurde, dass das rote Backsteingebäude im Hamburger Hafen nun ziemlich schief dasteht. Oder auch das Weinloch, "einem jener raren Orte, an dem die wahre Heidelbergromantik west". Oder die Leipziger Gosenschenke Ohne Bedenken, eine "Biedermeier-Bierstube in Reinkultur". "Ohne Bedenken" hatte hier einst ein Kellner auf die Frage geantwortet, ob man das säuerlich schmeckende Gose-Bier, das hier ausgeschenkt wird, tatsächlich trinken könnte.

Viele Freunde hätten ihn um den Job beneidet, sagt Imgrund. Sechs Monate Kneipentour und dafür bezahlt werden, das hört sich nach mächtig viel Spaß an. Doch Imgrund hat darauf verzichtet, sich in jeder der 111 im Buch beschriebenen Gaststätten durch die Getränkekarte zu arbeiten. Ihm ging es darum, das Flair in den Kneipen und Fakten aus ihrer Geschichte zu recherchieren. "Da kann man nicht jeden Abend einen trinken gehen."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Keine Gäste?
cabo 13.06.2013
Wie so häufig bei Fotos aus Deutschland: die Menschen fehlen. Der Autor/Fotograf zeigt die Gaststätten als Objekte, wie in einem Museum. Die Besucher, die in den gezeigten Lokalen sicher sehr unterschiedlich sind, bleiben leider außen vor.
2. si tacuisses!
machorka-muff 13.06.2013
toll, warum gibt es immer weniger "urige" kneipen? genau wegen solcher geheimtipps!
3. Und die Zukunft?
g.w.h. 13.06.2013
Nicht nur die Menschen fehlen, auch die unsichere Zukunft aller deutschen Kneipen und ihrer Wirte wird nicht näher aufgezeigt. Welcher Arbeiter geht denn noch in die "Arbeiterkneipe", wenn er zum einen das Bier das er trinkt nicht mehr bezahlen kann und zum anderen vielerorts seine Feierabend Zigarette nicht mehr rauchen darf?
4. Urige Touristenfallen?
lemmuh 13.06.2013
Die meisten dieser Kneipen kenne ich nicht, jene bei welchen der Innenraum gezeigt wird, sehen aber eher wie Restaurants oder Touristenfallen (Auerbachs Keller!) aus. Bei einer weiß ich es jedoch sicher. Die Historische Wurstkuchl. Das ist nicht einmal eine Kneipe und schon gar nichts, wo der Regensburger mal so auf ein Bier hingeht. Das Ding mag ja eine lange Tradition haben, aber es ist weder eine Kneipe, noch auf irgendeine Art "urig". Damit durfte auch die Frage geklärt sei, warum alles ohne Publikum abgebildet wurde: Man hätte gesehen, dass sich dort Urlauber tummeln. Außerdem, g.w.h., muss man sich über die Zukunft der meisten dieser Häuser damit keine Sorgen machen.
5. geht mal..
rumsi 13.06.2013
Zum Lommi in Köln-Deutz.Urig , brechend voll Wenn kein Stuhl frei- Bierkiste.Publikum: Vom Hilfsarbeiter bis zum Chefarzt, sowie vom Tennie bis zur Uroma. Gelebtes Zusammensein auf Kölsche Art
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Buchtipp

Fotostrecke
Naturwunder und Baukunst: Welterbestätten in Deutschland