Koblenz - Mehr als 50.000 Besucher hat die Bundesgartenschau in Koblenz am ersten Wochenende angelockt. "Wir sind sehr zufrieden, mit so einer Resonanz haben wir nicht gerechnet", sagte eine Buga-Sprecherin am Sonntag. Gleich am Haupteingang erwartete die Pflanzenfreunde eine riesige stilisierte Krone aus Abertausenden bunter Stiefmütterchen und Tulpen. "Oh toll, oh fein" oder "Wahnsinn" war von einigen Gästen zu hören.
"Nach den vielen Bauarbeiten in den letzten zwei Jahren wird es höchste Zeit, dass es jetzt endlich losgeht", sagte eine Koblenzerin, die sich - wie bislang 36.000 weitere Interessierte - eine Dauerkarte für die Buga gekauft hat. Ihr erster Eindruck sei "einfach überwältigend", fügte sie hinzu.
In der Tat haben die Ausstellungsmacher das Buga-Motto "Koblenz verwandelt" so wörtlich genommen, dass manche Koblenzer sich wohl die Augen reiben werden. In den Rheinanlagen etwa, wo man früher über holpriges Kopfsteinpflaster stolperte und der Flair der fünfziger Jahre herrschte, laden jetzt breite Wege zum Flanieren durch eine Blütenlandschaft ein.
"Das wird eine tolle Bundesgartenschau und ich freue mich, dass ich sie als eröffnet erklären darf", sagte Bundespräsident Christian Wulff vor 3000 geladenen Gästen am Freitag bei einem Festakt am Deutschen Eck. In punkto Gartenbau würden hier in den nächsten 185 Tagen die "besten Ideen, die besten Techniken und neuesten Moden" präsentiert.
"Koblenz ist wirklich aufgeblüht", sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Es ist in der 60-jährigen Buga-Geschichte die erste Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz. Für die bis zum 16. Oktober dauernde Buga sind mehr als 3000 Einzelveranstaltungen geplant, zwei Millionen Besucher werden erwartet. Vor zwei Jahren fand die Schau in Schwerin statt, 2013 richtet Hamburg die Blumenshow aus.
Paradies- und Skulpturengarten am Deutschen Eck
In Koblenz erstreckt sich die Ausstellung auf den Blumenhof am Deutschen Eck, das Kurfürstliche Schloss und die etwa 100 Meter oberhalb der Rheins thronende Festung Ehrenbreitstein. Damit ist das Buga-Gelände mit 48 Hektar kleiner als viele Vorgänger.
Am Schloss wurden Terrassenanlagen des preußischen Gartenbaumeisters Peter Josef Lenné rekonstruiert. Hinter dem Deutschen Eck locken ein Paradies- und ein Skulpturengarten. Das große Gartenschau-Gelände auf dem Festungsplateau bietet Hobbygärtnern Anschauungsunterricht.
Hausgärten, Gemüsenanbau und Artenvielfalt zählen hier zu den Themen. 120 Mustergräber zeigen die Möglichkeiten der Friedhofsgestaltung. In den 23 Schauen der Blumenhallen werden Bonsai oder Kakteen gezeigt. Insgesamt wurden 600.000 Blumenzwiebeln gesetzt, 100.000 Stauden, 1200 Rhododendren und 7000 Rosen gepflanzt.
Der Star der Veranstaltung ist allerdings keine Pflanze, sondern eine neue Seilbahn über den Rhein. Zutritt haben nur Buga-Besucher. Ihnen bieten sich spektakuläre Ausblicke auf die 106.000-Einwohner-Stadt, die das Gefährt längst ins Herz geschlossen hat. Schon als die Seilbahn im vergangenen Juli zum ersten Mal vorab eröffnet wurde, äußerte man hinter vorgehaltener Hand die Hoffnung, die Unesco könne vielleicht doch noch von ihrer Forderung abrücken, dass die Gondeln wegen des Welterbetitels des Mittelrheintals nach drei Jahren wieder verschwinden müssten.
Kleine Anlaufschwierigkeiten
Am ersten Wochenende hatten die Veranstalter allerdings auch auch mit kleinen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, wie die Buga-Sprecherin einräumte: Die Kasse habe Software-Probleme, es gebe zu wenige Mülleimer, und die Beschilderung müsse da und dort noch verbessert werden.
Probleme gebe es bislang auch mit den Hundeboxen, wo Vierbeiner abgegeben werden können. "Das Veterinäramt verlangt einen Impfpass, und den haben viele Hundebesitzer nicht dabei." Sie hoffe aber, dass es dafür bald eine Lösung gibt. Das Bundesgartenschau-Areal ist für Hunde tabu, ausgenommen sind Begleithunde von Behinderten.
Fast drei Jahre wurde für die Schau unter dem Motto "Koblenz verwandelt" gebaut. Ein strenger Winter und zwei Hochwasser behinderten im vergangenen Winter die Arbeiten - und gewerkelt wurde daher bis zur letzten Minute: Als Bundespräsident Christian Wulff am Freitagvormittag zur Eröffnungsgala am Deutschen Eck vorne rein marschierte, war man hinten gerade so, aber pünktlich fertig geworden mit den letzten Bautätigkeiten.
abl/dpa/dpad
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