Bundeshaushalt 2012: Transrapid-Teststrecke vor dem Aus

Nach dem schweren Unglück auf der Transrapid-Teststrecke im emsländischen Lathen vor fünf Jahren steht ein Ende der Magnetschwebebahntechnik in Deutschland bevor: Die Finanzmittel des Bundes laufen aus und sollen nicht mehr erneuert werden.

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Transrapid-Magnetzug bei Lathen: Teststrecke droht das Aus

Lathen - Im Entwurf zum Bundeshaushalt 2012 sind keine Mittel mehr für Tests mit der Magnetschwebebahntechnik veranschlagt, wie das Verkehrsministerium in Berlin mitteilte. Damit laufen die Betriebsgenehmigung und die Finanzmittel des Bundes Ende des Jahres aus, der bislang 1,5 Milliarden Euro investiert hat. Die Transrapid-Entwickler Siemens und ThyssenKrupp haben bereits angekündigt, dass sie die Versuchsanlage für verzichtbar halten, weil die Technik Marktreife erlangt habe. Im März 2008 scheiterte das letzte kommerzielle Projekt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen in München wegen ausufernder Baukosten.

Rückblick: Am 22. September 2006 raste gegen 10 Uhr auf der Versuchsanlage in Lathen ein Transrapid mit 170 Stundenkilometern in einen auf der Strecke stehenden Werkstattwagen. 23 Menschen starben. Auch wegen der lange unbeantworteten Schuldfrage und der latenten Sorge vor der Schließung der Teststrecke ist das Unglück noch immer allgegenwärtig. "Es bleibt für immer in den Köpfen der Menschen", sagt Lathens Bürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU).

An der Teststrecke herrscht fünf Jahre danach eine fast schon gespenstische Atmosphäre. Wo früher mehr als eine halbe Million Besucher mit dem Transrapid ihre Runden drehten, ist es still geworden. Touristenfahrten sind seit dem Unglück nicht mehr erlaubt, dennoch hat das Besucherzentrum weiterhin täglich geöffnet. Das neue Transrapid-Modell TR 09 darf zwar fahren, tut es aber nur noch selten.

Wird es ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität geben?

Gänzlich menschenleer ist eine Originalsektion des Modells TR 07, das bis 1999 zehn Jahre im Einsatz war. "In dieser Zeit schwebte er fast 558.000 Kilometer", ist auf einer Schautafel vor dem schon leicht verwitterten Ausstellungsstück zu lesen.

Ganz frisch sind dagegen die Blumen und Gestecke, die neben einem drei Meter großen Holzkreuz an Betonpfeiler Nummer 134 der Teststrecke liegen. Dort war der Transrapid vor fünf Jahren nach der Kollision zum Stehen gekommen. In einer Glasvitrine hängen Fotos der Opfer und Gedenkbriefe der Angehörigen. "Lieber Gott! Lass die 23 Menschen, die bei dem Unglück hier ums Leben kamen, in Frieden ruhen", heißt es in einer handschriftlichen Notiz eines Kindes.

Zur Ruhe trägt auch bei, dass die beiden Fahrdienstleiter im März zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. Ganz zur Ruhe kommen könnte aber auch der Transrapid-Verkehr in Deutschland. Das Unglück scheint der Anfang vom Ende dieser einst als Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst gepriesenen Technologie zu sein.

Es bleibt die Idee des Landkreises Emsland und der Betreibergesellschaft IABG, die Anlage in ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität umzuwandeln. Der Antrag auf Projektförderung liegt dem Bundesverkehrsministerium vor. Eine Entscheidung steht noch aus, wie das Ministerium mitteilte.

jjc/dapd

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