Darwineum im Rostocker Zoo: Evolution im Zeitraffer

Pfeilschwanzkrebse, Schlammspringer und jede Menge Quallen: Im Rostocker Zoo eröffnet bald eine neue Erlebnisstation zur Evolutionsgeschichte. Im Darwineum geht es nicht nur um das Urmeer und seine Bewohner - auch Gorillas und ein Saurier-Vertreter sind schon eingezogen.

Darwineum in Rostock: Schwimmende Sensibelchen Fotos
dapd

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Rostock - Die gepunktete Wurzelmundqualle hat das Zeug zur Schönheitskönigin. Jeder der langen Tentakel des handtellergroßen, cremefarbenen Nesseltieres ist am Ende mit einem kleinen Puschel besetzt, das verleiht den Tieren beim Schweben im Quallenkreisel eine besondere Grazie. Sie sehen fast aus wie kleine Ballerinen.

"Würde ich den Wasserstrom abstellen, würden sie alle runterplumpsen", sagt Detlef Grafunder. Der 59-jährige Tierpfleger ist "Hausherr" im neu gebauten Darwineum des Rostocker Zoos. Im Moment ist sein Team damit beschäftigt, alle Tierarten vom Einzeller bis zum Menschenaffen gut durch die Quarantäne zu bringen, bevor das Haus im September öffnet.

Die im Atlantik heimischen Wurzelmundquallen werden wohl als erste Tiere das Quarantänebecken verlassen und in das wandfüllende, 4000 Liter umfassende Aquarium des Darwineums umziehen. "Mit einem Film, der auf die Rückwand des Aquariums projiziert wird, wollen wir den Besuchern zeigen, wie das Urmeer aussah", sagt Grafunder, der sich sehr wohl begeistern kann für seine Quallen. "Die Tiere haben sich über die Epochen gar nicht so sehr verändert."

Wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat, genau das sollen Besucher im Darwineum im Rostocker Zoo ab September mit eigenen Augen sehen können. Mehrere Kabinette mit lebendigen Tieren oder auch Exponaten und Bildtafeln führen die Gäste durch die Evolution.

Saurier im Jurakabinett

Zudem gibt es eine Bibliothek des Lebens, die die evolutionsgeschichtliche Entwicklung anhand von Tierarten nachzeichnet, die Millionen Jahre nahezu ohne Veränderungen überlebt haben - einige davon werden auch im Darwineum zu sehen sein. "Wir haben Pfeilschwanzkrebse, Lanzettfische, Seepferdchen und Schlammspringer, das sind Fische, die den Übergang der Lebewesen vom Wasser an Land markieren", erklärt Grafunder. Stellvertretend für Saurier lebt ein Nashornleguan im Perm- und Jurakabinett, Antilopenziesel und Schnabeligel vertreten die Generation der ersten Säugetiere im Tertiär.

Den Endpunkt der Reise durch das Darwineum bildet die große Tropenhalle. Hier leben künftig mehrere Gruppen von Menschenaffen. Die erste Gorilla-WG ist schon bezogen. Bebe, 1978 in freier Wildbahn geboren, kam gemeinsam mit dem drei Jahre jüngeren Gorgo aus dem Leipziger Zoo. Das Weibchen erkundet schon seit Tagen sein Gehege, bevor es später ins Freigelände darf. Draußen gibt es unter anderem Sumpfoasen, Wasserläufe und Kletterlandschaften, auch dort können sich die Affen frei bewegen.

Insgesamt fünf Gorillas sowie zwei Gruppen von Orang-Utans mit jeweils drei Affen leben künftig im Darwineum. Für die Menschenaffen war der Neubau auch ursprünglich geplant, die Tiere waren zuletzt unter kaum zumutbaren Bedingungen im Zoo untergebracht. Die neue Tropenhalle teilen sie sich jetzt mit Arten wie Spitzhörnchen (Tupajas) und Zwergseidenäffchen.

Schwimmende Sensibelchen

Um die 40 Arten finden im Darwineum ein neues Zuhause. "Mit den Ameisen, Quallen und Fischen haben wir einige tausend Tiere hier", sagt Grafunder. Um ihre Gesundheit sorgen sich neun Tierpfleger, die aus anderen Abteilungen des Zoos kamen.

"Ich hab mich 20 Jahre um die Aquarien gekümmert, angefangen habe ich hier in Rostock bei Huftieren", sagt Grafunder, der jetzt der Darwineum-Bereichsleiter Tierhaltung ist. Für seine neuen Schützlinge habe er eine ganze Menge Literatur studiert. "Es ist vieles neu, alles ist spannend", sagt der Mecklenburger, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Den letzten Tagen vor Eröffnung des Darwineum fiebert er nun auch entgegen. "Es war eine lange Zeit der Planung, jetzt soll es auch losgehen." Dass sich die Menschenaffen in der neuen Umgebung nicht wohlfühlen können, davor ist Grafunder nicht bange. "Es ist immer schön zu sehen, wie die Affen die Besucher nachmachen, nicht etwa andersrum."

Quallen dagegen können schon Sensibelchen sein. "Ihre Haltung ist wirklich schwierig, das gelingt nicht jedem Zoo." Als weltweite Experten auf diesem Gebiet gelten die Berliner, aus dem Berliner Zoo kamen auch einige der Wurzelmundquallen. "Wir haben hier einen der größten Quallenkreisel in ganz Europa", sagt Grafunder. "Geht alles gut, würden wir auch gern noch ein paar tropische Arten aufnehmen."

Katrin Schüler/dapd/jus

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