"Intensiveres Vegetationsmanagement" Bahn will sich besser gegen Stürme wappnen

Stürmt es, kippen in Deutschland reihenweise Bäume auf Gleise und zerreißen Oberleitungen. Aus Sicht des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" könnte das verhindert werden. Nun reagiert der Konzern - allerdings verhalten.

Bäume und Äste auf der ICE-Trasse bei Lamspringe
DPA

Bäume und Äste auf der ICE-Trasse bei Lamspringe


Ob bei den Herbststürmen "Xavier" und "Herwart" oder nun beim Orkan "Friederike" - die Folgen gleichen sich: Stürmt es, kippen in Deutschland reihenweise Bäume auf Gleise und zerreißen Oberleitungen, Millionen Reisende sitzen fest, der Sachschaden ist immens.

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" macht dafür auch den Konzern verantwortlich. Bereits im Herbst bemängelte der Verband, die Bahn habe die Bäume entlang der Gleise nicht ausreichend zurückgeschnitten. Erst dadurch habe es zu so vielen Schäden an Oberleitungen kommen können. Nun sprach er sich dafür aus, Bäume erst in einem größeren Abstand zu Gleisen zu pflanzen.

Nun könnte auch die Deutsche Bahn ein Einsehen haben: Angesichts der massiven Schäden und zahlreichen Zugausfälle wolle man sich besser gegen Stürme wappnen, teilte das Unternehmen mit. Künftig solle ein intensiveres "Vegetationsmanagement" die Bahn Schritt für Schritt sturmsicherer machen. "Klar ist: Wir werden hier zusätzliche Maßnahmen durchführen", sagte ein Sprecher laut Nachrichtenagentur AFP.

Ganz neu ist die Einsicht allerdings nicht: Bereits nach "Xavier" und "Herwart" hatte die Bahn eilig Arbeitsgruppen einberufen, die die Probleme lösen sollten - teilweise innerhalb des DB-Konzern, teils mit anderen Unternehmen zusammen. Und so schnell wird sich vermutlich an der Situation an den Gleisen wenig ändern: Für die Arbeiten zum Vegetationsbeschnitt seien Absprachen mit den zuständigen Umweltbehörden und teilweise mit privaten Anliegern notwendig. Hier sei die Bahn auf die Zustimmung der Beteiligten angewiesen, bevor notwendige Arbeiten durchgeführt werden könnten. (Lesen Sie hier, wie Blutahorn gegen das Sturmchaos helfen soll.)

Die Bahn habe bereits "auf die klimatischen Veränderungen mit Extremwetterlagen" und die damit einhergehenden Streckensperrungen durch umgestürzte Bäume mit einem "erweiterten Vegetationsprogramm" reagiert, sagte der Sprecher weiter. Dabei würden Bäume an besonderen Stellen auch über die sonst üblichen sechs Meter rechts und links der Gleise hinaus beseitigt.

Einzelne Strecken noch gesperrt

Inzwischen hat sich laut Bahn der Zugverkehr nach "Friederike" wieder weitgehend normalisiert. Die meisten gesperrten Strecken im Fernverkehr seien im Laufe des Samstags wieder freigegeben worden, sagte ein Sprecher. Zwischen Dortmund und Hamburg gebe es weiter eine Umleitung über Hamm, weil auf der Hauptstrecke Bäume auf den Gleisen lägen. Durch die Umfahrung gebe es zehn bis 15 Minuten Verspätung pro Zug.

Noch nicht wieder komplett in Betrieb seien auch Verbindungen zwischen Köln über Kassel nach Leipzig und von Berlin nach Amsterdam. Dort sei die Strecke nahe der niederländischen Grenze noch unterbrochen, als Ersatz führen Busse.

Im Regionalverkehr sind demnach noch einige Strecken in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, im südlichen Brandenburg und Sachsen gesperrt. Bis zum Ende des Wochenendes sollen die Züge auch dort wieder rollen. Insgesamt waren in Folge des Orkans "Friederike" mehr als 200 Streckenabschnitte beschädigt worden.

brk/dpa/AFP

insgesamt 71 Beiträge
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ein-berliner 20.01.2018
1. Wind ist nicht alles
Und was passiert wenn überraschend der Winter kommt? Auch wieder nur Schienenersatzverkehr?
michlmeik 20.01.2018
2. Bahngleise Freischeiden
das haben wir schon vor 15 Jahren bei den Hochspannungleitung gemacht, es dar kein Baum wenn er fällt bis zu den Gleisen reichen, doch was sagen unsere schlauen Umweltschützer dazu ?
MartinBeck 20.01.2018
3. Bäume am Gleis
Als direkt Betroffener (meine Rückreise von Hannover nach Stuttgart während des letzten Sturms dauerte immerhin 24 Stunden) weiß ich, wie sich das anfühlt. Aber die Baumfrage ist in der Tat nicht so einfach zu lösen. In vielen Städten kämpfen die Bürger um jeden Baum. Wenn da die Bahn großflächig und auf hunderten von Kilometern mit der Säge kommt, wird es Ärger geben.
Kaiserstuhlwinzer 20.01.2018
4. sechs Meter ist ja auch ein bißchen dürftig!
Normalerweise darf man erst in 30 m Abstand vom Wald bauen, weil die Bäume halt so hoch werden und nur bei einem solchen Sicherheitsabstand gewährleistet ist, daß nix passiert. Wenn man sich jetzt so eine etwa 15 m breite Schneise vorstellt, die rechts und links von Riesen gesäumt ist, versteht man leicht, daß das so seine Gefahren hat. Ein ordentlicher Waldrand ist nämlich Rampenartig aufgebaut, also erst Gras, dann Sträucher, dann niedrig wachsende gehölze und dann so langsam aber sicher die richtigen Bäume. Alles stand des Wissens seit hunderten von Jahren. Aber den Betriebswirten und dem oberen Management offensichtlich nicht bekannt. Klar, Fachwissen schadet ja nur. Kleiner Tip: einfach mal Fachleute fragen und dann: zuhören und - noch viel wichtiger - verstehen und entsprechende Entscheidungen treffen. So schwierig?
Jo-achten-van-Haag 20.01.2018
5. Die Bahn
verspricht viel und macht fast nichts. Anscheinend ist es biliger den Verkehr zu stoppen und Reisende zu entschädigen als Baumpflege entlang der Gleise zu betreiben. Haftet nicht der Baumbesitzer für Schäden durch gefallene Bäume?
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