Deutschland-Bildband Das sind ja wir!

Woher kommen die Deutschen, was hat sie geprägt? Ein preisgekrönter Fotograf hat Orte und Landschaften besucht, die viel darüber verraten.

Berthold Steinhilber / Frederking & Thaler Verlag

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Was macht dieser Mann da? Warum steht er mit seiner Kamera stundenlang in der Gegend rum? Wenn Berthold Steinhilber seine Arbeit macht, werden die Leute neugierig.

Einigen kommt es verdächtig vor, wenn er nach Einbruch der Dunkelheit vor einem abgedroschenen Maisfeld in Leipzig auf und ab geht. Oder immer wieder durch die Gassen in Einbeck läuft und sein Objektiv auf die Fassaden der alten Fachwerkhäuser richtet. Andere - die weniger Misstrauischen - fragen Steinhilber direkt: "Was machen Sie hier eigentlich?"

Steinhilber, Jahrgang 1968, erklärt dann, dass er eine Art Zeitreisender ist. Dass er auf den Spuren der Alten unterwegs ist, um herauszufinden, wer die Deutschen eigentlich sind, was sie ausmacht und kulturell geprägt hat. Deshalb läuft er durch die alte Bierbrauerstadt Einbeck in Niedersachsen, sucht nach dem besten Winkel, um an die Völkerschlacht bei Leipzig zu erinnern, macht sich auf zum Hohlenstein-Stadel auf der Schwäbischen Alb oder in die Tiefen des Bayerischen Waldes.

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15  Bilder
Heimatbesuch: Unterwegs im eigenen Land

Mehrere Jahre und mit viel Geduld hat der preisgekrönte Fotograf für den beeindruckenden Band "Deutschland - ein Reise durch die Zeit" recherchiert und fotografiert. Er reiste von Aachen bis ins Oderbruch, von Schleswig bis an den Bodensee, erkundet Schreckensorte wie das Konzentrationslager Buchenwald, den Zeiler Hexenturm bei Bamberg und Schauplätze der Zuversicht wie das Rathaus des Westfälischen Friedens in Münster und schlägt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einen weiten geschichtlichen Bogen von der Frühzeit bis in die deutsche Gegenwart.

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Berthold Steinhilber, Sabine Böhne-Di Leo:
Deutschland

Eine Reise durch die Zeit

Frederking & Thaler Verlag; 240 Seiten, 49,99 Euro

Gemeinsam mit der Journalistin Sabine Böhne erzählt Steinhilber von den Dramen und Fortschritten unserer Vorfahren und erinnert daran - nicht unwichtig in diesen Zeiten -, "dass es oft Einwanderer wie römische Straßenbauer in der Eifel, holländische Deichbauer in Nordfriesland oder französische Hugenotten in Brandenburg waren, die unserer Kultur entscheidende Impulse gaben".

Man muss kein Geschichts-Nerd sein, um sich von "Deutschland - eine Reise durch die Zeit" Lust machen zu lassen, den eigenen Entdeckerblick mal wieder auf die Heimat zu richten. Um Weltgeschichte zu erleben - das vergisst man ja manchmal -, muss man kein Flugticket in die Ferne buchen. Deutschlandreisefreudige finden in Steinhilbers und Böhnes Buch eine bildgewaltige Inspirationsquelle für den nächsten Wochenendausflug.

Und vielleicht machen Sie dann ja auch eine Erfahrung, die Steinhilber auf seinen Deutschlandreisen gemacht hat: Sobald Einheimische merken, dass man sich für ihren Ort interessiert, erzählen sie einem die spannendsten Geschichten. Eine augenzwinkernd gemeinte Warnung hat Steinhilber übrigens für alle, die Norddeutschland erkunden: "Fragen Sie bloß niemanden in Dithmarschen nach dem Weg. Sie könnten Muskelkater bekommen vor Lachen - der norddeutsche Humor eben."

leh

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dasfred 18.04.2018
1. Sehr schöne Fotos
Der Blickwinkel in die Historie ist sehr schön gewählt. Im Alltag nehmen wir diese Artefakte kaum noch wahr. Es sei denn, Altstädte werden im Disneyland Stil wieder mit historischen Fassaden beglückt. Die vorhandene Substanz zu entdecken und zu bewahren ist eine Aufgabe für uns alle und der Fotograf stößt uns mit der Nase auf das, was wir noch bewahren können. Die Frage, wo komme ich her, wie hat sich dieses Land entwickelt zu dem was es ist, schafft mehr Selbstvertrauen auch im Umgang mit Zuwanderern. Wenn ich meine Geschichte kenne, kann ich sie auch weitergeben. Das ist, was Heimat ausmacht, nicht Lederhosen auf dem Oktoberfest.
gott777 18.04.2018
2. Interessantes Buch
Ein scheinbar sehr schönes und interessantes Buch. Für einen Gelegenheitskauf leider zu preisintensiv. Kommt aber auf die Merkliste. Zusammen mit schönen Geschichten wirken die Bilder noch stärker.
lachina 18.04.2018
3. Das Buch ist wirklich schön.....
aber " und erinnert daran - nicht unwichtig in diesen Zeiten -, "dass es oft Einwanderer wie römische Straßenbauer in der Eifel, holländische Deichbauer in Nordfriesland oder französische Hugenotten in Brandenburg waren, die unserer Kultur entscheidende Impulse gaben". dieser Einschub wiedermal so was von unnötig. Zudem historisch völlig unrichtig: Nur ein Teil der Germanen freundete sich mit den "römischen Straßenbauern" an, der andere Teil bevorzugte das freie Leben in der "Germania Magna" - und kam ab und zu zum Plündern vorbei, deshalb der Limes ; die Hugenotten wurden vom preußischen Köng aufgenommen, weil es sehr gut ausgebildete Bürger waren , die der brandenburgischen Provinz in der Tat neue Impulse geben konnten, unter dieser Prämisse ließen auch Peter der Große und Katharina die Große Einwanderer ins Land - was die Einheimischen darüber dachten, ist kaum überliefert ; wie gesagt, ich bin durchaus für eine geregelte Einwanderung in Deutschland, aber ich bin dagegen , historische Beispiele an den Haaren herbeizuziehen.
hartmannulrich 18.04.2018
4. Zu den Bildern
... wäre anzumerken, daß der Kölner Dom in seiner jetzigen Gestalt kein Zeugnis des Mittelalters, sondern des nationalen Selbstbewußtseins im 19. Jahrhundert ist. Davor war er jahrhundertelang eine Bauruine. Auch die Hohenzollernburg wurde im 19. Jahrhundert gebaut, nachdem das Fürstentum Hohenzollern preußisch geworden war. Die fränkische Linie der Hohenzollern arbeitete sich als Markgrafen, später Kurfürsten von Brandenburg zu Kaisern und Königen empor, also nicht von diesem "Stammsitz" in Schwaben aus.
Papazaca 18.04.2018
5. Fast wie gemalt - aber sehr viel hintergründiger
Deutschland hat so viel Unterschiedliches zu bieten, alte Städte wie Lübeck oder Einbeck, Höhlen, Burgen und viele Mittelgebirge. Und überall ist Geschichte, siehe der Kölner Dom, der erst spät vollendet wurde. Wir können uns freuen, in so einem Land zu leben. Auch, das es dieses Land überhaupt noch gibt, nach den vielen Kriegen Das Foto von Dresden wirkte auf mich wie gemalt. Ja, es gibt nicht nur Idylle wie Heidelberg oder Rothenburg ob der Tauber. Aber auch Heidelberg wurde von den Franzosen zerstört, Geschichte ist also überall, auch neben der Idylle. Das besondere an diesem Buch ist für mich der Kontext von Schönheit, Natur und Geschichte. Der Einsteinturm erinnert mit seiner außergewöhnlichen Architektur an die die vertriebenen und getöteten Juden. Davon haben wir uns bis heute nicht erholt. Die Geschichte in dem Buch liegt oft weit zurück (Wikinger), ist aber oft auch sehr nah, wenn man in der Eifel mit dem zweiten Weltkrieg konfrontiert wird. Dann wird klar, wir haben echt das Glück, in einem Zeitfenster zu leben, in dem es Deutschland - und damit uns- wirklich gut geht. Das war nicht immer so!
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